Als Marit Marti vor drei Jahren ihren Mann, Hanspeter Marti, abends aufweckte, rechnete dieser wohl kaum damit, dass seine Frau sich soeben neu verliebt hatte. «Ich hatte im Internet eine Lamastute gesehen und wusste sofort: Die muss ich haben», lacht Marti. Heute leben insgesamt zehn Wooly-Lamas auf dem Lärchenhof in Abtwil. Da sie die männlichen Nachkommen wegen Inzuchtgefahr verkaufen muss, sind ihre Tiere, bis auf die Jungtiere, alles Stuten.

Vize-Miss Lama Alice

Eine dieser Stuten ist Alice. Sie durfte mit ihrer Züchterin am 28. Oktober zusammen mit zwei weiteren Stuten und deren Jungtieren, die noch auf Muttermilch angewiesen sind, an die erste Elitezuchtschau für Lamas und Alpakas des Vereins Neuweltkameliden Schweiz (NWKS) ins Emmental reisen. In der Markthalle Langnau hat sie bei der Jury einen solch guten Eindruck hinterlassen, dass sie einen Platz auf dem Podest erhielt und zur Vize-Miss Wooly Lama gekürt wurde.

Dass Marti gleich mit drei Tieren an der Schau teilnehmen konnte, ist eine beachtliche Leistung. Denn es waren nur Lamas und Alpakas zugelassen, die eine Beurteilung durch einen Richter mit 95 Punkte oder mehr vorweisen konnten. Diese Punktzahl hat Alice locker erreicht – 97.3 Punkte stehen auf ihrer Beschreibung.

Damit die Schau nicht nur für die Züchter eine Freude war, galten ganz klare Regeln: Die Tiere mussten artgerecht transportiert, betreut und zur Schau gestellt werden. Hochträchtige oder kranke Tiere durften nicht teilnehmen.

Uhren und Plaketten statt Geld

An der Elitezuchtschau wurden die Tiere nach Körperbau, Fundament und Bewollung bewertet. Wie viel die einzelnen Kriterien prozentual zählten, wurde je nach Art des Lamas oder des Alpakas angepasst. So zählte bei den Wooly-Lamas die Bewollung, mit 30 %, mehr als bei den Classic-Lamas.

Die Schau diente hauptsächlich der Freude an den Lamas, denn ein Preisgeld gab es nicht. Die Teilnehmer erhielten eine Plakette, und die ersten drei Ränge durften eine schöne Uhr mit nach Hause nehmen. Über beides freute sich Marti sehr. Denn sie züchtet ihre Lamas nicht, um mit ihnen viel Geld zu verdienen. Im Gegenteil: «Die Tiere sind mein Hobby, und das soll auch so bleiben.»

Ein Hobby, das ihr sichtlich Freude bereitet. Neben ihrem 100%-Job als Sekundarlehrerin in Sins und den restlichen Hofarbeiten, nimmt sie sich viel Zeit für ihre Lamas und geht sogar mit ihnen spazieren. Sie habe auch schon überlegt, auf ihrem Hof ein Lama-Trekking anzubieten. Ob das je zustande kommt, wisse sie aber noch nicht. «Für Trekkings wären die Hengste besser geeignet, denn die Stuten haben öfter mal Hormonschwankungen und können ganz schön zickig werden», schmunzelt Marti. Vorerst ist sie jedoch zufrieden und freut sich auf den Nachwuchs, unter anderem von Alice, im Frühling.

Auch schön – Alpabzug mit Lamas diesen Herbst im Kiental:

Flauschiger Alpabzug im Kiental mit Lamas und Alpakas

Flauschiger Alpabzug mit Lamas und Alpakas

Am Dienstag gab es im Kiental im Berner Oberland einen aussergewöhnlichen Alpabzug zu sehen: Lamas und Alpakas aus der Zucht der Familie Luginbühl aus Aeschi BE. 130 Tiere trippelten von Gorneren/Kiental über die steilste Postautostrasse bis zum Tschingelsee – und verzückten Schaulustige und Anwohner. Arnold Luginbühl ist seit den späten 90er-Jahren in der Schweiz einer der gefragtesten Züchter und Händler für Lamas und Alpakas.