Strassenverkehr
Agglomerationsprogramm Aargau-Ost: Die dritte Generation ist noch nicht gestorben

Das Agglomerationsprogramm Aargau-Ost hat einen Dämpfer aus Bern erhalten — der Bund sieht keinen Grund dafür weiter Geld zu zahlen. Es ist aber keine generelle Absage.

Christian Breitschmid
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Der Verkehrsknoten Bibenlos in Bremgarten muss dringend ausgebaut und saniert werden, soll der Verkehr in alle Richtungen ungehindert fliessen.

Der Verkehrsknoten Bibenlos in Bremgarten muss dringend ausgebaut und saniert werden, soll der Verkehr in alle Richtungen ungehindert fliessen.

Dominic Kobelt

Lukas Lauper hatte bestimmt schon bessere Tage als den letzten Mittwoch. Da erhielt der Raumplaner in der Abteilung Raumentwicklung beim kantonalen Departement für Bau, Verkehr und Umwelt dicke Post aus Bern. Der Bund teilte ihm darin mit, dass er keinen Grund sehe, das Agglomerationsprogramm Aargau-Ost mit Beiträgen aus der Staatskasse zu unterstützen (lesen Sie hier).

Die Bestürzung war nicht nur beim Verantwortlichen des Kantons gross, sie erfasste ebenso die Mitglieder der Regionalplanungsverbände und die Vertreter der Gemeinden im Freiamt, die im Sinne einer überregionalen Verkehrsplanung die dringlichsten Massnahmen für das Agglomerationsprogramm Aargau-Ost schon zum dritten Mal in Folge zusammengetragen hatten.

«Grossmehrheitlich nicht auf Kurs»

Solche Massnahmen werden vom Bund seit 2008 finanziell unterstützt. Damals haben die Regionen erstmals ihre Agglomerationsprogramme zusammengestellt und dem Bundesamt für Raumentwicklung in Bern zur Prüfung eingereicht. Auf diese 1. Generation von Agglomerationsprogrammen folgten nach vier Jahren die 2. und wieder vier Jahre später die 3. Generation.

105 Millionen Franken hat der Bund für die Generationen 1 und 2 des Agglomerationsprogramms Aargau-Ost bereits gesprochen. Nun will er diese Gelder auch entsprechend genutzt wissen.

Nachdem dem Programm Aargau-Ost 2008 und 2012 noch Gelder in Gesamthöhe von 105 Mio. Franken zugesprochen wurden, scheint Bern nun den Geldhahn zudrehen zu wollen. Als Grund dafür schreibt der Bundesrat in seinem Bericht: «Die Umsetzung der Massnahmen der vorherigen Generationen ist grossmehrheitlich nicht auf Kurs.»

Im Freiamt sind drei Gemeinden mit sieben Massnahmen vom bundesrätlichen Entscheid betroffen: Bremgarten, Wohlen und Zufikon. Für Zufikon hat sich das Problem insofern gelöst, als man das Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Verbindungsstrasse zwischen Zufikon und Unterlunkhofen ohnehin ad acta gelegt hat.

«Wir hatten mit drei Millionen gerechnet», sagt Gemeindeammann Christian Baumann. «Zwei Millionen hätte Zufikon bezahlt, eine der Kanton. Doch dann hat der Kanton die Strassensanierung projektiert, und auf einmal hat es doppelt so viel gekostet. Dabei sind Belag und Installationen noch gut. So kamen wir zum Schluss: kein Bedarf. Dieses Geld können sie jetzt in den Ausbau des Knotens Bibenlos stecken, das ist auch für Zufikon wichtig.»

Baumann spricht eine der übelsten Verkehrsbremsen in der Region an: die Lichtsignalanlage und Verkehrsführung an der Mutschellenstrasse, da, wo vor allem im Stossverkehr viele Fahrzeuge nach Bremgarten, Zufikon und Eggenwil abbiegen oder die Gegenrichtung, nach Zürich oder Wohlen, einschlagen wollen. Bremgartens Stadtammann, Raymond Tellenbach, bestätigt: «Der Ausbau des Bibenlosknotens ist dringend notwendig, aber ohne Gelder vom Bund wirds schwierig.»

Veranschlagt ist das Projekt Bibenlos mit acht Millionen. Die 30 bis 35 Prozent, die der Bund von den Kosten übernähme, kämen Bremgarten mehr als gelegen. Dasselbe gilt in Bezug auf den Radweg von Hermetschwil-Staffeln nach Bremgarten. «Das ist ein ausgereiftes Projekt. Ich wüsste nicht, was es daran auszusetzen gäbe», sagt Tellenbach.

Noch nicht das letzte Wort

Die Gemeinde Wohlen führt drei Massnahmen auf, eine weitere zusammen mit Villmergen. Das sind: Erschliessung der neuen Eisbahn für den öffentlichen Verkehr, Velostation am Bahnhof, Schwachstellenbehebung im Fuss- und Radverkehr sowie Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Nutzenbachstrasse inklusive Ersatz der SBB-Brücke. Gemeindeammann Arsène Perroud bleibt pragmatisch: «Wir erachten alle Massnahmen als wichtig. Wenn wir keine Unterstützung bekommen, heisst es entweder verschieben oder ganz verzichten.»

Raumplaner Lukas Lauper gibt die Hoffnung aber noch nicht auf: «Bis zum 30. April kann der Kanton eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des Bundes abgeben. Darin werden wir die Massnahmen noch besser erklären, um wieder Punkte zu gewinnen. Unser Entwurf geht bald an die Replas und Gemeinden zur Ergänzung. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.» Und sonst bleibt die Hoffnung auf mehr Erfolg in der 4. Generation, 2020.