Wohlen
Affäre Dubler: Nun wird die Forderung laut, die Verwaltung zu reformieren

Nachdem der Wohler Gemeinderat Ammann Walter Dubler die Ressorts Personal und Kommunikation entzogen hat, fordern Einwohnerräte ein Geschäftsführer-Modell – und damit das Ende der Verflechtung von Ammann und Verwaltung.

Toni Widmer
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Walter Dubler, der Ammann von Wohlen, das knapp 16'000 Einwohner zählt und zu den wachstumsstärksten Gemeinden im Kanton Aargau gehört.

Walter Dubler, der Ammann von Wohlen, das knapp 16'000 Einwohner zählt und zu den wachstumsstärksten Gemeinden im Kanton Aargau gehört.

Toni Widmer

Der Gemeinderat Wohlen hat einen Fachspezialisten im Verwaltungs- und öffentlichen Dienstrecht als Rechtsvertreter beauftragt und ihm alle relevanten Unterlagen für die Prüfung des Sachverhalts im Fall Dubler zugestellt, das schreibt die Behörde in einer Mitteilung. Die juristische Beurteilung des Rechtsvertreters werde mit dem Gemeinderat Ende Woche besprochen. Im Anschluss daran werde der Gemeinderat eine Lagebeurteilung vornehmen und diese kommunizieren.

Um das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft nicht zu belasten, haben Gemeinderat und Gemeindeammann Walter Dubler zudem vereinbart, dass bis zur vollständigen Klärung des Sachverhalts die Ressorts Kommunikation und Personal an Vizeammann Paul Huwiler übertragen werden.

Verwaltung reformieren

Jan L. Severa, FDP.

Jan L. Severa, FDP.

Antonio Arcuti
Thomas Hoffmann, CVP.

Thomas Hoffmann, CVP.

zvg

Jan L. Severa erklärt: «Die aktuelle Affäre um die PK-Beiträge des Ammanns haben uns einmal mehr die Schwächen des heutigen Systems der Wohler Verwaltung aufgezeigt. Eine solche Aushebelung der Kontrollmechanismen darf es in Zukunft nicht mehr geben. Deshalb braucht es eine Gemeindereform. Nur so kann das Vertrauen der Bevölkerung wieder restlos hergestellt werden.»

Ungesunde Machtkonzentration

Die aktuelle Diskussion um die Pensionskassenbeiträge des Gemeindeammanns zeigten, dass eine zu starke Verflechtung zwischen Gemeinderat und Verwaltung die Gefahr einer ungesunden Machtkonzentration in sich berge. Das könne zu unliebsamen Überraschungen führen, welche das Image der Gemeinde nachhaltig schädigen würden, schreiben die Motionäre und halten fest: «Die Aushebelung von Kontrollmechanismen soll mit der Trennung der operativen und strategischen Tätigkeiten in Zukunft erschwert, beziehungsweise verhindert werden.»

Welche Art von Geschäftsführermodell in Wohlen eingeführt werden soll, lassen Hoffmann und Severa vorderhand noch offen. «Wir haben Ideen, aber darüber muss man erst dann konkret diskutieren, wenn sich Wohlen allenfalls für eine grundsätzliche Verwaltungsreform entscheidet.»

Gemeinderat als Verwaltungsrat

Beim Geschäftsführungsmodell würde der Gemeinderat zum Verwaltungsrat und vor allem strategische Aufgaben wahrnehmen. Das Modell hat sich in verschiedenen Gemeinden bewährt. Im Freiamt in Muri, im Aargau unter anderem in Laufenburg, Kaiseraugst, Bad Zurzach und Aarburg.

Die Motionäre sehen mehrere Vorteile: «Die klare Trennung zwischen operativer Führung durch eine Geschäftsleitung und strategischer Planung durch den Gemeinderat führt zu einer Professionalisierung und insbesondere auf der Seite des Gemeinderates, zu einer Entlastung der betroffenen Personen.»

Die Verwaltung, sagen Hoffmann und Severa, würde gestärkt und könnte sich unabhängig von der politischen Stimmung effizient um das Tagesgeschäftes kümmern. «Ein Gemeinderatsamt auf Milizstufe würde durch den klaren Fokus auf die strategische Entwicklung und die tiefere zeitliche Belastung zudem deutlich attraktiver.

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