Islisberg
Aerials Freestyle Ski: Freiämter mit Doppelsalto und drei Schrauben zum Europacup-Sieg

Ziel von Nicolas Gygax (20) sind die Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea. Dafür trainiert er im Sommer vier Tage pro Woche. Der Freiämter will hoch hinaus.

Andrea Weibel
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Hoch hinaus: Nicolas Gygax (20) ist Europacupsieger im Aerials Freestyle Ski.

Hoch hinaus: Nicolas Gygax (20) ist Europacupsieger im Aerials Freestyle Ski.

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Kaum konnte er laufen, stand der damals kleine Nicolas Gygax auf den Ski. Dann wurde er grösser. Jeden Winter fuhr er mit seiner Familie in die Skiferien. Immer noch wurde er grösser. Als 6-Jähriger begann er mit Kunstturnen, um die schneelose Zeit zu überbrücken, denn er konnte einfach nicht stillsitzen. Er war richtig gut darin und trainierte im Leistungscenter. Und immer noch wurde er grösser.
Bis er 1,88 Meter gross war. «Das ist einfach zu gross fürs Kunstturnen», sagt der Islisberger schulterzuckend. Es war besiegelt: Er musste seine Kunstturnkarriere an den Nagel hängen, dabei hatte er so hart trainiert. Doch er hatte Glück: Ein anderer Turner in seinem Stammverein, dem TV Merenschwand, war der Sohn des heutigen Aerials-Nationaltrainers. «Er sah mein Problem. Und er wusste, dass bei Aerials, also Skiakrobatik, all die Fähigkeiten vom Kunstturnen umgesetzt werden können – und dass die Grösse absolut kein Negativpunkt ist.
Also lud er mich ein, mit auf die Wasserschanze in Mettmenstetten zu kommen.» Für den damals 14-Jährigen klang das spannend, wann durfte man schon mit den Ski über eine Schanze ins Wasser springen? Angst hatte er von Anfang an nicht. Im Gegenteil: Er fand einen Weg, um seine beiden Leidenschaften, Skifahren und Kunstturnen, zu verbinden. Er hatte seine Sportart gefunden. Bald schon wechselte er ganz, mit grossem Erfolg: Seit letztem Wochenende ist Nicolas Gygax Europacupsieger. Und er hat grosse Pläne.

Sport und Wirtschaftsstudium

Der Freiämter will sich für die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea qualifizieren. Doch davon trennen ihn noch intensive Trainings, harte Stunden auf der Schanze und im Kraftraum sowie neue Tricks, die perfektioniert werden müssen. Denn beim Aerials, das früher unter dem Namen Skiakrobatik bekannt war (siehe Box), geht alles um Perfektion.
Die Athleten stellen sich an einen Hang, fahren mit bis zu 65 Kilometern pro Stunde auf eine Schanze zu, lassen sich mit gestrecktem Körper von ihr in die Luft katapultieren, drehen sich in wilden Saltos und Schrauben über zehn Meter hoch in der Luft und landen dann elegant wieder auf dem Schnee. «Es sind vor allem das Adrenalin und das Gefühl vom Fliegen, die mich an dem Sport so faszinieren», sagt der junge Islisberger.
Dafür trainiert er im Sommer zusammen mit der Nationalmannschaft durchschnittlich vier Tage pro Woche, morgens auf der Wasserschanze, nachmittags im Kraftraum plus einmal pro Woche auf dem Trampolin. Daneben studiert er unterdessen im zweiten Semester Wirtschaft an der Uni Zürich – im Teilzeitstudium, alles andere würde sein dicht gedrängter Terminplan nicht zulassen.

Schwierigste Kombination

Ein Doppelsalto und drei Schrauben pro Sprung, das war sein Erfolgsgeheimnis auf der mittleren Schanze, auf der im Europacup normalerweise gesprungen wird. Mit der schwierigsten Kombination auf dieser Schanze konnte er die vergangene Saison klar für sich entscheiden und letztes Wochenende in Airolo den Europacup-Sieg feiern. Und in seinem allerersten Weltcupspringen in Weissrussland zu Beginn dieses Jahres verfehlte er den Final, für den sich die ersten zwölf Athleten qualifizieren, als 13. knapp.
Das gibt dem 20-Jährigen, der mit diesen Leistungen endgültig den Sprung ins Nationalkader geschafft hat, noch mehr Auftrieb: «Mein Ziel ist es, dieses Jahr mindestens zweimal in einem Final zu stehen. Aber noch viel wichtiger ist mir, mich für die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea zu qualifizieren», sagt er selbstbewusst. Dafür trainiert er jetzt auf der grossen Schanze.» Nach dem Doppelsalto mit drei Schrauben will er mit einem Dreifachsalto und drei Schrauben beginnen, um sich dann zu steigern. «Wettkampfniveau für die Olympischen Spiele sind mindestens vier oder sogar fünf Schrauben», weiss er. Mehr als drei Saltos sind jedoch aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Die Sportart

Aerials Freestyle Ski hiess früher Skiakrobatik

Die Disziplin Aerials wird auch einfach nur Skiakrobatik genannt. Denn Akrobatik pur ist es, was die Aerials-Springer zeigen. Sie katapultieren sich bis zu 15 Meter hoch in die Luft und drehen dabei dreifache Saltos mit bis zu fünf Schrauben. Die Schanze für solche Dreifachsprünge ist rund vier Meter hoch und hat eine Neigung von 70 Grad.

Der Wettkampf (Weltcup-Format) besteht aus einem Qualifikationssprung und einem Finalsprung für die besten zwölf Athleten. Fünf Sprungrichter bewerten die Ausführung in der Luft, zwei bewerten die Landung. Die Gesamtpunktzahl wird dann mit dem Schwierigkeitsgrad des Sprungs multipliziert. Aerials ist seit 1994 olympisch. Die Schweizerin Evelyne Leu gewann 2006 in Turin die Goldmedaille. Quelle: www.swiss-ski.ch