Achtung! Casting – ein Filmtitel als Warnung. Wer macht denn so was? Urs Odermatt. Der böse Bube, der 2011 den bösen Onkel verfilmt hat und damit einige Puristen gegen sich aufbrachte, dafür viele Unvoreingenommenen für sich einnahm. Ausgegeben hat er für den Film nicht viel. «Ich bin ein Nutzniesser der digitalen Revolution», sagt der in Stans geborene Autor und Regisseur, der sein Handwerk bei Krzysztof Kieślowski und Edward Żebrowski in Polen gelernt hat. «Wenn Sie so einen Film analog drehen wollen, dann kostet das Material alleine schon einen sechsstelligen Betrag. Ein paar Terafestplatten sind da viel erschwinglicher.»

«Der böse Onkel» war der erste digitale Spielfilm der Schweiz. Er rückte seinen Schöpfer nicht nur wegen des heissen Themas des sexuellen Missbrauchs in den Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch wegen seiner, für Schweizer Verhältnisse, total neuen und unkonventionellen Machart. Odermatt tut nicht, was «man» tut, um eine Geschichte filmisch darzustellen. Er hat eine Geschichte, nein, einen Text, und den will er von seinen Schauspielern so verinnerlicht wissen, dass der Zuschauer einer 50-Jährigen glaubt, wenn sie ihm sagt: «Ich bin 15.»

Es geht in Achtung! Casting um nichts anderes, als um genau diesen magischen Moment, in dem ein Schauspieler mit einem vorgegebenen Text für den Zuschauer zu einem glaubhaften und spürbaren Ganzen wird. «In der Theorie heisst es, Kino sei Illusion und Theater sei Behauptung», sagt Odermatt und grinst dann fast spitzbübisch. «Ich wünsche mir, dass nach der Premiere dieses Films ein Gerücht die Runde macht, nämlich, dass die Behauptung im Film auch funktioniert.»

Schauspieler müssen alles geben

Odermatt hatte für sein aktuelles Spielfilmprojekt, «Kora», Schauspieler gesucht. Zum Casting erschienen mehr als 600 Personen. Er liess sie alle, immer gruppenweise, dieselben Textpassagen sprechen. Dabei verlangte er nicht nur absolute Textgenauigkeit, sondern die totale Hingabe: «Ich wollte nicht wissen, was sie können, sondern, was sie zu geben bereit sind.» Das Casting wurde aufgezeichnet, um daraus einen Kurzfilm zu schneiden. Mit diesem wollte Odermatts Produzentin, Jasmin Morgan, auf Sponsorensuche für das «Kora»-Projekt gehen. Doch beim Schneiden des Materials merkten die beiden, dass viel mehr in diesen Aufnahmen steckte. So wurde aus dem Kurzfilm für «Kora» ein eigener Kinofilm von 85 Minuten, der in packender und berührender Weise zeigt, was es braucht, um als Schauspieler zu überzeugen. Dazu Odermatt lakonisch: «Die Besten kommen raus, nicht die Guten.»

Premiere Achtung! Casting, Samstag, 7. Juli, um 20 Uhr, im Kino Rex Wohlen.