Abtwil
Hier entsteht der erste digitale Dorfladen der Deutschschweiz: Bevölkerung sagt Ja zum Projekt «La Petite Epicerie»

Die Abtwilerinnen und Abtwiler sowie auch die Gemeinde möchten das Projekt Dorfladen unterstützen. Dafür sprachen sie an der Gmeind einen Kredit plus das Depot für den Ladencontainer. Eine der Betreibenden, Frau Vizeammann Priska Amhof, wurde zudem zusammen mit Gemeinderat Roland Hodel verabschiedet.

Melanie Burgener
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An der Gemeindeversammlung in Abtwil wurden die Gemeinderäte Roland Hodel und Priska Amhof verabschiedet.

An der Gemeindeversammlung in Abtwil wurden die Gemeinderäte Roland Hodel und Priska Amhof verabschiedet.

Melanie Burgener

Ein Dorfladen, der alles hat, was man zum Leben braucht, dessen Produkte saisonal und aus der Region stammen und der auch noch täglich 24 Stunden geöffnet hat. Um ein Angebot wie dieses zu finden, muss man aus dem Freiamt momentan noch weit fahren. Genauer gesagt bis nach Bavois im Kanton Waadt. Denn dort bietet die Firma «La Petite Epicerie» ein solches Geschäftsmodell – und feiert damit seit ein paar Jahren grossen Erfolg.

Doch bald wird es auch in der Region einen solchen Verkaufscontainer geben, in dem mit einer App eingekauft werden kann. Denn in der Gemeinde Abtwil wird der erste Deutschschweizer Laden der Firma aufgestellt. Betrieben wird er von der noch amtierenden Frau Vizeammann Priska Amhof und Gemeinderat Roland Bühler, die eigens dafür eine Firma gründen. Dass sie dabei auf die Unterstützung der Gemeinde und der Bevölkerung zählen können, zeigte sich an der Gemeindeversammlung am Mittwochabend.

In der Gemeinde Abtwil soll es bald wieder einen Dorfladen geben. Im Container «La Petite Epicerie» kann die Abbeler Bevölkerung bald täglich während 24 Stunden mit einer App einkaufen.

In der Gemeinde Abtwil soll es bald wieder einen Dorfladen geben. Im Container «La Petite Epicerie» kann die Abbeler Bevölkerung bald täglich während 24 Stunden mit einer App einkaufen.

Visualisierung: zvg

An der diesjährigen Abtwiler Wintergmeind stand ein Kreditantrag von 48'000 Franken für das Ladenprojekt «La Petite Epicerie» auf der Traktandenliste. Dieser soll, aufgeteilt in jährlich 8000 Franken, in der ersten Zeit die Betreiber bei den Grundkosten unterstützen. «Danach soll der Laden aber selbsttragend wirtschaften», betonten Amhof und Bühler an der Infoveranstaltung vom 29. Oktober. Die Abbeler Bevölkerung hat den Antrag mit 68 Ja- bei nur 4 Gegenstimmen angenommen.

Bevölkerung wünscht sich einen Dorftreffpunkt

Damit stimmten sie gleichzeitig auch zu, dass die Gemeinde das Depot für den Container in der Höhe von 40'000 Franken tragen wird. «Zu Beginn sind wir davon ausgegangen, dass die Gemeinde dafür einen eigenen Vertrag mit der Firma machen kann», erzählte Gemeindeammann Stefan Balmer. «Doch nun hat sich ergeben, dass ‹La Petite Epicerie› nur mit den Betreibern selbst verhandelt. Deshalb wird die Gemeinde mit Amhof und Bühler einen separaten Vertrag machen», ergänzte er.

So wird der digital zu bedienende Dorfladen von innen aussehen.

So wird der digital zu bedienende Dorfladen von innen aussehen.

zvg

Während die Situation beim Dorfladen von Beginn an einstimmig gewesen ist – einzelne Stimmen wünschten sich sogar eine zusätzliche Kaffeeecke oder eine Ladestation für Elektroautos, damit der Dorfladen zu einem neun Treffpunkt werden kann – sorgte Traktandum Nummer fünf für Diskussionen. Dabei handelte es sich um einen Kredit über 115'000 Franken für die Aussenrenovation der Mehrzweckhalle.

«Die Holzfassade ist renovierungsbedürftig, die Fenster- und Türrahmen und die Eckabschlüsse sind morsch und müssen ersetzt werden, auch einen neuen Anstrich hat sie nötig, der letzte wurde 2009 gemacht», erklärte Amhof die Situation. Einige der Anwesenden im Publikum fragten daraufhin, ob eine solche Renovation tatsächlich notwendig und vor allem sinnvoll sei, wenn das Holz in einigen Jahren wieder in denselben Zustand kommen könne. Doch gelang es dem Gemeinderat und einem anwesenden Stimmbürger, diese Befürchtungen zu mindern. Das Traktandum wurde einstimmig angenommen.

Fast einstimmig war auch das Ja für den Ersatz der elektronischen Trefferanzeige für die Schiessanlage, die sich Abtwil zusammen mit der Gemeinde Oberrüti teilt. Einstimmig war zudem die Abstimmung über das Budget 2022 mit einem unveränderten Steuerfuss von 115 Prozent.

Gemeinderat verabschiedet Priska Amhof und Roland Hodel

Zum Schluss der Versammlung informierte der Gemeinderat über das weitere Vorgehen beim geplanten neuen Dorfplatz, der nun voraussichtlich Ende 2024 realisiert werden kann. Zum Ende der Amtsperiode musste auch Abtwil einige Personen verabschieden. Per Ende Dezember treten Frau Vizeammann Priska Amhof und Roland Hodel aus dem Gemeinderat aus. Amhof, die acht Jahre im Rat war, hat sich stark für die Kultur, das Dorfleben und die Schule eingesetzt, wie Stefan Balmer seine Ratskollegin ehrte.

Hodel, der während einer Amtsperiode im Gemeinderat war, hatte das Ressort Soziales und Gesundheit unter sich. «Es war nicht dein Wunschressort, aber du hast dich schnell eingewöhnt. Deine gute Vernetzung hat dich ausgezeichnet, und man hat gemerkt, dass dir vor allem die Seniorinnen und Senioren am Herzen liegen», sagte Balmer.

Weiter musste sich die Gemeinde von der Schulpflege, also von Monique Hunkeler, Manuela Tassone und Sabrina Wüthrich, verabschieden. Auch Thomas Hofer, der sich für das «Abtwiler Dorfläbe» eingesetzt hat und 20 Jahre lang in der Dorfkommission war, sowie Andreas Künzli, der 16 Jahre lang Mitglied der Finanzkommission war, wurden verabschiedet.

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