Waltenschwil
Abtretender Gemeindeammann: «Wir waren immer anständig miteinander»

Michel Christen hat sich in Waltenschwil fast sein halbes Leben lang politisch engagiert. Nun blickt er zurück auf die vielen engagierten Diskussionen im Gemeinderat und freut sich auf künftige E-Bike-Touren mit seiner Frau.

Toni Widmer
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Michel Christen war 18 Jahre Gemeinderat von Waltenschwil, davon 8 Jahre als Ammann. Nun gibt er sein Amt ab.

Michel Christen war 18 Jahre Gemeinderat von Waltenschwil, davon 8 Jahre als Ammann. Nun gibt er sein Amt ab.

CH Media

Wenn Michel Christen am Neujahrsmorgen in seinem schönen Haus an der Waltenschwiler Grintenstrasse noch etwas vor sich hindöst, kann er auf 26 Jahre politische Tätigkeit in der Gemeinde zurückblicken. Fast sein halbes Leben lang war der 62-Jährige Mitglied der Baukommission und lange Jahre auch deren Präsident. 18 Jahre war er Gemeinderat, davon 2 Jahre Vizeammann und 8 Jahre Gemeindeammann in jenem Dorf, in das er einst als 15-Jähriger mit seinen Eltern zugezogen ist und das für ihn zur Heimat geworden ist.

Was wird Michel Christen im politischen Ruhestand vermissen? «Sicher das stets gute Verhältnis, das ich in der Baukommission und später auch im Gemeinderat mit allen Beteiligten habe pflegen dürfen», sagt er spontan. «Wir haben oft hart und intensiv diskutiert, aber wir waren immer anständig miteinander.» Fehlen würde ihm vielleicht auch, dass er künftig nicht mehr so nahe am Ball sei und stets aus erster Hand mitbekomme, was im Dorf laufe. «Aber daran werde ich mich wohl bald gewöhnen», schmunzelt der diplomierte Architekt HTL.

«Meine Agenda wird künftig wesentlich dünner»

Nicht vermissen werde er die vielen Termine. «Meine Agenda ist künftig wesentlich dünner und so kann ich mit meiner Frau Brigitte vermehrt auch spontan etwas unternehmen. Darauf freue ich mich sehr.»

Christen hat neben seinen politischen Ämtern bei der Neuen Aargauer Bank bis vor drei Jahren einen 100-Prozent-Job gemacht. Seit seiner Frühpensionierung vor drei Jahren arbeitet er als selbstständiger Immobilienbewerter in einem wesentlich kleineren Pensum. Als er noch voll im Erwerbsleben gestanden sei, habe er sich in seinem Amt schon gut organisieren müssen. Vor allem, weil er sich immer auch intensiv um das Bauwesen gekümmert habe. Dank seiner beruflichen Qualifikationen hat Christen über Jahrzehnte alle anfallenden Baugesuche geprüft. Die Gemeinde konnte sich somit eine eigentliche Bauverwaltung sparen und damit wohl auch einiges an Ausgaben.

Klar kennt auch bei uns nicht mehr jeder jeden. Doch wer sich in die Dorfgemeinschaft integrieren will, findet die nötigen Kontakte mühelos.

(Quelle: Michel Christen, Noch-Ammann Waltenschwil)

Doch der abtretende Gemeindeammann spricht im Rückblick nicht von (zu) hoher Beanspruchung oder gar von Stress: «Es gab sicher intensive Zeiten, in denen ich meine Kräfte gut bündeln musste. Aber es gab wenig Ärger, der mich über Gebühr belastet hätte. So konnte ich auch das Ganze immer gut verkraften», sagt er. Verantwortlich dafür sei sicher auch seine Gattin, die ihn immer unterstützt und ihm den Rücken freigehalten habe: «Sonst», erklärt er schulterzuckend, «hätte ich mich wohl kaum so lange und so intensiv politisch engagieren können.»

Tennis, Golfen, Motorrad und E-Bike fahren

Jetzt wolle er vermehrt Zeit für sich und die Zweisamkeit mit seiner Frau investieren. Mehr Tennis spielen, mehr auf seiner 1200er-BMW sitzen, Golf spielen, mehr Trainings in der Feldschützengesellschaft besuchen. Und neu auch Rad fahren: «Das war der Wunsch meiner Frau. Ich war bis jetzt nie ein Velofahrer, aber jetzt haben wir uns zwei E-Bikes gekauft und wollen damit künftig regelmässig gemeinsame Touren unternehmen.»

Wenn er durch seine Gemeinde kurvt, die über ein paar schöne Radwege verfügt, darf sich Christen zufrieden umschauen. Waltenschwil ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, ohne aber den ländlichen Charakter und Charme zu verlieren. Auch die Infrastruktur ist überwiegend auf Vordermann. Was ansteht – unter anderem Sanierung und Ausbau Gemeindehaus, Sanierung Schulhaus 2. Etappe, Aussenrenovation Bannegg-Halle, Hochwasserschutz –, ist im Finanzplan vorgesehen und auf gutem Weg. «Unser Waltenschwil dürfen wir zeigen, zumal wir auch die Finanzen im Griff haben, obwohl der Spielraum sehr eng ist», sagt Christen.

Seiner Meinung nach hat sich die Wachstumsstrategie gelohnt: «Wir haben mittlerweile eine Grösse erreicht, die es uns erlaubt, auch weiterhin eigenständig zu bleiben. Und obwohl das Wachstum Investitionen in die Infrastruktur erfordert hat, ging es nach meiner Überzeugung auch finanziell auf. Wir haben die gestiegenen Ausgaben mit den höheren Steuereinnahmen wettmachen können und mit 106% im Vergleich zu den Gemeinden in unserem Bezirk einen attraktiven Steuerfuss.

In Waltenschwil, davon ist der abtretende Gemeindeammann überzeugt, lässt es sich in einer intakten Infrastruktur gut leben. Stolz ist er insbesondere darauf, dass es dank der Initiative der Bünzpark-Verantwortlichen auch künftig eine Arztpraxis und neu sogar einen Zahnarzt im Dorf gibt. Michel Christen betont zudem die intakte Dorfgemeinschaft: «Klar kennt auch bei uns nicht mehr jeder jeden. Doch wer sich in die Dorfgemeinschaft integrieren will, findet die nötigen Kontakte mühelos.»