Oberlunkhofen
Abtretender Gemeindeammann Grossen: «Man steht den Gesetzen machtlos gegenüber»

Karl Grossen war acht Jahre im Gemeinderat und von Anfang an auch gleich Ammann der Kellerämter Gemeinde.

Walter Christen
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Karl Grossen war acht Jahre im Gemeinderat und von Anfang an auch Ammann. zvg

Karl Grossen war acht Jahre im Gemeinderat und von Anfang an auch Ammann. zvg

Dino Nodari

Würden Sie zu diesem Amt noch einmal Ja sagen, und wenn ja, weshalb vor allem?

Karl Grossen: Ja. Die Aufgabe ist sehr spannend, abwechslungsreich und vielseitig. Man wird immer wieder mit neuen Aufgaben konfrontiert.

Was war das schönste oder prägendste Ereignis in Ihrer Amtszeit?

Das waren für mich der Kontakt und die Diskussionen im Kollegium. Kontakte mit den Verwaltungsangestellten. Das Begleiten und das Entwickeln von neuen Wohneinheiten in enger Zusammenarbeit mit dem Bauverwalter. Kontakte zu den Amtskolleginnen und -kollegen in der Region aber auch darüber hinaus. Dazu gehören auch die vielen und sehr guten Gespräche mit der Bevölkerung.

Was prägend, aber weniger schön war, sind Nachbarschaftsstreitigkeiten, Gewalt in den Familien, Chaotentum. Das gibt es leider in jeder Gemeinde und nicht nur in Städten oder grösseren Ortschaften.

Was hat Sie in Ihrer Amtszeit am meisten geärgert?

Von der Privatwirtschaft her kommend, war ich kurze und schnelle Entscheidungswege gewohnt. In einer Gemeinde und in der Politik geht es leider zum Teil nur sehr mühsam vorwärts, bis alle Entscheidungsträger miteinbezogen sind und ihr Votum abgegeben haben.

Welches Gesetz oder welche Vorschrift für Ihre Gemeinde hätten Sie im Laufe Ihrer Amtszeit gerne abgeschafft, wenn es in Ihrer Macht gelegen wäre?

Da gäbe es für mich einiges aufzuzählen. Gesetze bestimmen heute weitestgehend die Finanzen in den Gemeinden. Der Teil, der noch selbst gestaltet werden kann, wird dadurch immer kleiner. Man steht den Gesetzen machtlos gegenüber und ist nur Zahler ohne Mitbestimmungsrecht.

Den neuen Finanzausgleich, gegen den ich auch schon im Abstimmungskampf gekämpft habe, und der leider trotzdem ab dem 1. Januar 2018 rechtsgültig wird, würde ich als erstes wieder auf seine alte Stufe zurücksetzen.

Soll ein abtretender Gemeindeammann nach seiner Amtszeit weiter als Bürger politisieren oder besser im Hintergrund bleiben?

Meine These und Auffassung ist ganz klar: im Hintergrund bleiben. Ich bleibe aber weiterhin ein politisch interessierter Mensch. Meinungsäusserungen werde ich direkt bei den zuständigen Amtsträgern anbringen und nicht über die Öffentlichkeit gehen. Ein Hinauslehnen nach der Amtszeit passt mir nicht.

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