Ringerstaffel Freiamt
Abtretender Cheftrainer Adi Bucher: «Ich traue dem Team 2020 den Titel zu»

Der abtretende Cheftrainer der Ringerstaffel Freiamt, Adi Bucher, zieht im Interview mit der «Aargauer Zeitung» Bilanz und spricht über Freuden und Leiden eines Trainers zwischen Breiten- und Spitzensport.

Wolfgang Rytz
Merken
Drucken
Teilen
Nach drei Jahren und drei Bronzemedaillen gibt Cheftrainer Adi Bucher nun sein Amt ab.

Nach drei Jahren und drei Bronzemedaillen gibt Cheftrainer Adi Bucher nun sein Amt ab.

Wolfgang Rytz

Bei seinem Antritt als Cheftrainer der Freiämter Ringer hatte Adi Bucher angekündigt, dass er sein Amt nach drei Jahren weitergeben werde. Er führte den Verein nach einem enttäuschenden 5. Platz in der Saison 2015 dreimal zu Bronze und sorgte für neue Ringerbegeisterung im Freiamt. Die angestrebte Finalteilnahme verfehlte er aber.

Nachfolgend zieht der 35-jährige Merenschwander Bilanz und spricht über Freuden und Leiden eines Trainers zwischen Breiten- und Spitzensport. Dabei gibt er bekannt, dass Marcel Leutert, der bereits einmal Freiämter Trainer gewesen ist, sein Nachfolger wird (siehe Textbox am Ende des Artikels).

Herr Bucher, Sie waren jetzt drei Jahre mit Leib und Seele Cheftrainer der Ringerstaffel (RS) Freiamt. Befürchten Sie keine Entzugserscheinungen?

Adi Bucher: (lacht) Ja, das ist nach 30 Jahren Ringsport eine gute Frage. Aber ich werde nahe an der RS Freiamt dranbleiben, das ist mir wichtig. Vom Trainerposten ziehe ich mich aus zeitlichen Gründen zurück, weil ich noch andere Pläne habe und als Geschäftsleiter in der Elektrotechnik mit einem Team von 24 Arbeitern stark belastet bin.

Sie haben dreimal Bronze gewonnen. Jetzt würden höhere Ziele locken?

Ja, das stimmt. Deshalb tut der Abschied vom Team weh. Die Saat ist ausgebracht, jetzt steht die Ernte an. Aber ich bin kein Typ, der dem Erfolg alles unterordnet.

Schon ihr Vorgänger war nur drei Jahre im Amt. Da wäre doch mehr Konstanz nötig.

Mein Nachfolger ist Marcel Leutert, der bis 2012 schon einmal sieben Jahre Cheftrainer gewesen ist. Damit ist Konstanz gewährleistet. Das ist nur eine Rochade im Trainerstab, dahinter bleibt das Umfeld unverändert.

Was war Ihr schönster Moment als Freiämter Cheftrainer?

Das war eindeutig die erste Bronzemedaille mit der Wende gegen Willisau vor eigenem Publikum. Für den Verein hatte dies nach dem 5. Platz ein Jahr zuvor grosse Bedeutung.

Was haken Sie von den letzten drei Jahren schnell ab?

Die 13:24-Niederlage in diesem Jahr im Halbfinal in Kriessern.

Was war da los? Warum hats nicht für den Final gereicht?

Das nehme ich auf meine Kappe. Da waren wir nach einer guten Qualifikation zu euphorisch, zu selbstsicher. Wir fühlten uns als Favorit und sind Kriessern ins offene Messer gerannt.

Was war die grösste Herausforderung für Sie als Cheftrainer?

Breitensport und Spitzensport miteinander zu verbinden, gemeinsame Ziele zu definieren, war sehr schwierig. Die Leistungsbereitschaft im Kader ist sehr unterschiedlich. Das kostete mich viel Kraft.

Haben Sie die Aufgabe unterschätzt, als Sie vor drei Jahren vom Ziel «Titelkampf» sprachen?

(lacht) Es geht im Sport nicht immer nach Plan. Meine vorherige Aufgabe als Jugendobmann war schon anspruchsvoll. Als Cheftrainer steht man mehr im Rampenlicht. Ich musste erkennen, dass der Titelkampf zu verbissen ist und der Ringsport darunter leidet, wie wir jetzt wieder im Final sehen.

Sie gelten für viele der aktuellen Freiämter Spitzenringer als sportlicher Vater. Da muss der Abschied besonders schmerzen.

Ja, das ist so. Die Leutert-Zwillinge kenne ich beispielsweise, seit sie sieben Jahre alt waren. Ich habe mich in der Freiämter Ringerfamilie immer wohlgefühlt. Meine Partnerin hat manchmal Mühe, dass es bei mir immer ums Ringen geht, dabei ist sie doch selber mit dem Ringen aufgewachsen.

Wie bleiben Sie ab jetzt mit dem Ringen verbunden?

Ich werde ohne Verpflichtung im Trainingsbetrieb für die Jungen zur Verfügung stehen.

Welche privaten Ziele steuern Sie an? Gibts bald Nachwuchs für die Ringer im Freiamt?

(lacht) Das würde mich freuen. Ich bin bald 36 Jahre alt. Eine Familie mit Kindern ist mein Wunsch. Daniela, meine Verlobte, kommt aus einer Kriessener Ringerfamilie.

Dann ringen Ihre Kinder vielleicht einmal im St. Galler Rheintal?

Das wird dann auf den Götti ankommen. Aber vorläufig ist das Freiamt unser Lebensraum.

Was liegt in den nächsten Jahren für die RS Freiamt drin?

Da ist sehr viel möglich, wenn alle Ringer gesund bleiben. Mit einzelnen Verstärkungen traue ich dem Team spätestens 2020 den Schweizer-Meister-Titel zu.

Neuer Cheftrainer: Marcel Leutert kehrt zurück

Dank der frühzeitigen Ankündigung von Adi Bucher, seine Arbeit als Cheftrainer nach drei Jahren zu beenden, befasste sich die Ringerstaffel Freiamt schon länger mit der Nachfolgeregelung. Nur zwei Tage nach Abschluss der Mannschaftsmeisterschaft mit der dritten Bronzemedaille in Serie hat der Verein den neuen Mann bekannt gegeben. Marcel Leutert gibt ein Comeback. Der Vater der Zwillinge Nils und Nino übernimmt die Aufgabe zum zweiten Mal nach sieben erfolgreichen Jahren von 2006 bis 2012.

«Die Entscheidung fiel mir leicht», sagt der 46-jährige Ottenbacher zur Nomination, die im März von der Generalversammlung bestätigt werden muss. Er habe gerne Hand geboten für diese interne Lösung. «Ich gehörte in den letzten Jahren zum Trainerstab. Weil die Aufgaben im Verein gut verteilt sind und die Leitung der Trainings jetzt breiter abgestützt ist, stelle ich mich nochmals zur Verfügung.» (wr)