Rottenschwil
Abschiedsanlass: Das Polster-Atelier macht für eine Weile Pause

Nach 20 Jahren Selbstständigkeit gönnt sich die Freiämterin Marianne Brun eine Auszeit, «um sich lange gehegte Träume zu erfüllen und weiterzubilden». Gerne würde sie im hohen Norden oder in Paris neue Erfahrungen sammeln.

Christoph Zurfluh
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Einfach mal die Seele baumeln lassen: Marianne Brun gönnt sich nach zwanzig Jahren eine unbestimmte Auszeit und will die Welt entdecken.

Einfach mal die Seele baumeln lassen: Marianne Brun gönnt sich nach zwanzig Jahren eine unbestimmte Auszeit und will die Welt entdecken.

Christoph Zurfluh

Es läuft rund im Polster-Atelier von Marianne Brun in Rottenschwil. Eigentlich, sagt sie, sie hätte es gerne so ein bisschen ausklingen lassen: sich in Ruhe den letzten Aufträgen widmen, mit den Kundinnen einen Schwatz halten, aufräumen. Nun wird sie mit Anfragen überhäuft.

Auf zu neuen Ufern

Doch das mit dem Aufhören ist eben auch nur die halbe Wahrheit. «Ich will meinen Job ja nicht an den Nagel hängen. Ich nehme eine Auszeit», sagt Marianne Brun. «Nach zwanzig Jahren Selbstständigkeit ist es höchste Zeit, mir ein paar jahrelang gehegte Wünsche und Träume zu erfüllen und meinen Horizont zu erweitern.»

Ende September ist deshalb vorerst Schluss. Marianne Brun schliesst ihr Polster-Atelier an der Hauptstrasse 12 in Rottenschwil und macht sich auf die Reise. Zuerst nach Australien und dann? Ja, wohin denn? «Ich weiss es nicht. Aber ich habe eine Menge Ideen», erklärt Marianne Brun.

Und dann erzählt sie davon, wie sie gerne kreative Erfahrungen sammeln würde in den Designmetropolen des Nordens: in Stockholm oder Kopenhagen zum Beispiel. Oder vielleicht doch lieber ein Praktikum in einer alten Polsterei in Paris? «Polstern ist eine wunderschöne Arbeit», sagt sie.

Früh übt sich

Das Polstern hat sie keinen Moment gesucht. Sie hat es ganz einfach gefunden. Denn nach ihrer Lehre als Innendekorateurin mit Spezialgebiet Polsterei erhielt Marianne Brun vorübergehend Arbeit bei Robert Steinger im alten Kloster.

Es dauerte nicht lange, und Steinger stellte sie bei seinen Kunden nur noch als seine Nachfolgerin vor.

Das war vor zwanzig Jahren. Seither hat sich Marianne Brun einen grossen eigenen Kundenkreis geschaffen, der von Muri bis Davos reicht. Zehn Jahre arbeitete sie in der alten Seilerei in Muri, die letzten zehn an der Hauptstrasse in Rottenschwil.

Vor kurzem hat sie ausserdem eine vierjährige Ausbildung als Farbgestalterin abgeschlossen und als solche unter anderem die Räumlichkeiten im neuen Schulhaus Badweiher in Muri gestaltet.

Unbestimmte Auszeit

Doch nun fällt erst mal der Vorhang: Am Samstag, 27. September, verabschiedet sich Marianne Brun auf unbestimmte Zeit von ihren Kundinnen und Freunden mit einem Rampenverkauf im Polster-Atelier in Rottenschwil.

Verkauft werden dabei unter anderem schöne alte Sofas, Stühle, eine Chaiselongue, Stoffe, Kissen und Bezüge.

«Es geht mir aber nicht nur ums Verkaufen», sagt Marianne Brun, «es geht mir vor allem ums Abschiednehmen.» Deshalb gibt es im Polster-Atelier ab neun Uhr auch Kaffee und Kuchen und zu späterer Stunde wohl auch ein Gläschen Wein.