Rottenschwil
Abschied von zwei Gemeinderäten, Kritik an den drei verbleibenden

Sommergemeindeversammlung verabschiedet Christoph Mathisund Gabriele Hartmann – und tadelt die «familienunfreundliche Gemeindebehörde»

Lukas Schumacher
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Blick ins Kelleramt, im Vordergrund Rottenschwil. Archiv/az

Blick ins Kelleramt, im Vordergrund Rottenschwil. Archiv/az

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Die Gemeindeversammlung Rottenschwil verabschiedete Christoph Mathis mit herzlichem Beifall und einem speziellen, weltumspannenden Geschenk: mit einem Meter Bier, zusammengesetzt aus 16 Flaschen Biersorten aus 16 verschiedenen Ländern.

Christoph Mathis arbeitete fünf Jahre engagiert im Gemeinderat mit. Er war einer der talentiertesten jüngeren Lokalpolitiker im Freiamt. Nach Differenzen in der Gemeindebehörde trat der 27-Jährige Mitte Mai überraschend zurück. Kürzlich schloss er auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Basel mit der Note 5,5 ab.

Verabschiedet wurde an der Sommergmeind auch Gabriele Hartmann. Sie war Mitte Mai ebenfalls aus dem Gemeinderat zurückgetreten, nach einer Amtszeit von bloss viereinhalb Monaten. Sie hatte für ihr Ausscheiden persönliche und gesundheitliche Gründe ins Feld geführt. Frau Gemeindeammann Anna Hoppler skizzierte den Weg, den die Gemeindebehörde bis zu den Ersatzwahlen am 28. September einschlagen will. So wird ein erfahrener externer, nicht in Rottenschwil wohnender Gemeinderatsbegleiter eingesetzt. Er soll einspringen, damit die
Beschlussfähigkeit in der Gemeindebehörde gewährleistet ist. Der Begleiter kommt zum Zug, falls einer der drei verbliebenen Gemeinderäte wegen Krankheit/Unfall oder aus einem anderen Grund passen muss.

«Familien sind nicht erwünscht»

Mehrere Versammlungsteilnehmerinnen kritisierten derweil den Rottenschwiler Gemeinderat. Der Grundtenor lautete dabei: Die Gemeindebehörde kümmere sich kaum um Familien. In Rottenschwil fehlten Tagesstrukturen, zudem seien die finanziellen Gemeindebeiträge an die Eltern, deren Kinder den Musikschulunterricht besuchen, im Vergleich mit anderen Kleingemeinden sehr bescheiden. Auch biete der Gemeinderat nicht Hand zur Lösung des seit langem schwelenden Rottenschwiler Skilager-Konflikts.

«Im Gegensatz zu früher sind Familien in unserem Dorf offenbar nicht mehr erwünscht», sagte eine Versammlungsteilnehmerin. Es gäbe praktisch keine Zuzüge von jungen Familien mehr. Die benachbarten Gemeinden im Kelleramt dagegen stünden hoch in der Gunst von jungen Familien, die in die Region ziehen wollen. Frau Gemeindeammann Anna Hoppler erwiderte, die fehlenden Familienzuzüge stünden im Zusammenhang mit dem nicht sehr
üppigen Wohnangebot in Rottenschwil. «Das wird aber besser, einige Bauvorhaben werden realisiert». Im Weiteren sagte Hoppler, der Gemeinderat gehe das Thema Tagesstrukturen nach den Sommerferien an und die Skilagerproblematik solle an einer gemeinsamen Sitzung mit den Schul- und Skilagerverantwortlichen erörtert werden. Ausserdem könne im September endlich die Fussgängeroptimierung zur Schulanlage angepackt werden.

Finanziell nicht in Schieflage

An der Versammlung nahmen bloss 30 der 571 Stimmberechtigten teil. Sie genehmigten die Gemeinderechnung 2013, die mit einem Plus von 133 000 Franken abschloss, und vernahmen, dass die Kleingemeinde mit den 800 Bewohnern finanziell nicht schlecht da steht. Das Eigenkapital beträgt immerhin 895 000 Franken, und die Verschuldung ist gering. Sie beträgt lediglich 229 Franken je Dorfbewohner.

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