Muri/Aristau
Abschied von reiner Männergesellschaft: Jetzt steht Murimoos für Frauen offen

Murimoos werken und wohnen nimmt Abschied von der reinen Männergesellschaft im Wohnbereich. Fünf Zimmer sind für Klientinnen reserviert, weitere können bei Nachfrage dazukommen.

Eddy Schambron
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Ingo Hauser, Leiter Geschäftsbereich Wohnen bei Murimoos werken und wohnen, zeigt die Wohnküche im Frauenstockwerk. Eddy Schambron

Ingo Hauser, Leiter Geschäftsbereich Wohnen bei Murimoos werken und wohnen, zeigt die Wohnküche im Frauenstockwerk. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Bereits sind zwei Frauen eingezogen, für fünf hat Plätze geschaffen. Damit nimmt die 1932 gegründete Institution Abschied von der reinen Männergesellschaft im Wohnbereich. «Wenn die Nachfrage da ist, können wir weitere Plätze für Frauen schaffen», sagt Ingo Hauser, Leiter Geschäftsbereich Wohnen. Die ersten Erfahrungen sind gut: «Den beiden Frauen gefällt es hier, und bei den männlichen Bewohnern ist keine spezielle Reaktion festzustellen.»

Murimoos werken und wohnen ist eigentlich schon längst keine reine Männergesellschaft mehr. Mit dem Beschäftigungsprogramm Allegra ist die Anwesenheit von Frauen genauso selbstverständlich geworden wie durch die zahlreichen Besucherinnen, die mit ihren Kindern die Tiere anschauen oder sich auf dem Spielplatz vergnügen. Neu ist jedoch, dass ab jetzt auch Frauen ständig im Murimoos leben werden. «Wir haben unsere Klienten im Vorfeld zudem über die Veränderung informiert und sie darauf vorbereitet», unterstreicht Hauser. Murimoos werken und wohnen hat zudem auf die Erfahrungen in anderen, ähnlich gelagerten Institutionen abgestützt. «Diese sind erfreulich und haben sogar einen positiven Einfluss auf die Männer: Sie tragen sich mehr Sorge, wenn Frauen zugegen sind.»

Zimmer angepasst

Ab wann man mit dem Gedanken gespielt hat, Frauen im Murimoos aufzunehmen, lässt sich nicht mehr eruieren, stellt Hauser fest. Aber 2015 erfolgten mit einer Arbeitsgruppe konkretere Abklärungen und Planungen. Es wurde sogar mit dem Gedanken gespielt, ein Gebäude extra für die Aufnahme von Frauen zu erstellen. Das allerdings scheiterte vorerst, wie andere Ausbaupläne auch, an einem Mitte 2016 vom Aargauer Regierungsrat ausgesprochenen Bau- und Platzerweiterungsstopp in Form eines Moratoriums. Mit der Neugestaltung eines Flurs wurden nun wenigstens fünf Aufenthaltsplätze für Frauen realisiert, wodurch Murimoos werken und wohnen nun 85 Männer und fünf Frauen aufnehmen und beschäftigen kann.

Die Frauen finden nicht nur renovierte, ihren Bedürfnissen angepasste Zimmer vor. Sie profitieren ebenso von der Umwandlung eines bestehenden Doppelzimmers zu einer Wohnküche, die wie in einer Wohngemeinschaft von allen genutzt werden kann. «Eine haushälterische Tätigkeit findet bei Frauen stärkere Beachtung als bei den Männern und kommt dem Ziel, Kompetenzen zu erhalten oder neu zu wecken, entgegen», erklärt Hauser. Ob die Tür zum Frauenstockwerk offen bleibt, entscheiden die Frauen selbst. Dem gegenseitigen Besuch steht nichts im Wege, wenn das unter den Bewohnerinnen und Bewohnern gewünscht ist. Einschränkungen gibt es auch keine bezüglich Arbeitsmöglichkeiten: «Die Frauen können – je nach Fähigkeiten – genauso in allen Bereichen mitarbeiten wie die Männer.» Die beiden jetzt eingezogenen Frauen haben sich für den Bereich Hauswirtschaft und Gastronomie entschieden.

Erweiterung möglich

Für die Zukunft ist, neben der Erweiterung des Frauen-Flurs, die Begleitung von Murimoos-Frauen im Aussenwohnbereich, also im Dorf Muri selber, eine Option für die Zukunft. «Wir sind offen dafür, wenn die Nachfrage nach dieser Wohnform besteht», erklärt Hauser. Eine neu entwickelte Strategie der Institution zeige ebenfalls in diese Richtung. Ziel von Murimoos werken und wohnen ist nicht nur, Menschen dauerhaft aufzunehmen und ihnen einen geschützten Arbeitsplatz zu bieten, sondern sie nach Möglichkeit auf eine Rückkehr ins Erwerbsleben vorzubereiten. Das geschieht, indem sie so betreut und gefördert werden, dass sie ihre noch vorhandenen Ressourcen optimal nutzen oder stärken können. Das steht nun in der rund 85-jährigen Institution auch Frauen offen.