Innerhalb der letzten drei Jahre hat der Streetart-Künstler Pirmin Breu in seiner Wahlheimat Freiamt drei verschiedene Ateliers bezogen. Eines in Muri, in der ehemaligen Fremo Mosterei, eines in einem Abbruchhaus in Boswil, das er mit Wandbildern «bespielte», wie er es ausdrückt, und schliesslich wieder eines in Wohlen, wo er vorher schon zehn Jahre gelebt und gearbeitet hatte.

Der Umzug war jeweils nicht nur logistisch ein riesiges Unterfangen, sondern immer auch mit viel Schmerz verbunden, musste Breu doch jedes Mal einen Ort zurücklassen, der erst über die Zeit hinweg und mit viel Aufwand zu einer inspirierenden Quelle seines kreativen Schaffens geworden war.

So lernte er mehrmals, was es bedeutet, loszulassen, zu akzeptieren, dass etwas Altes in die Erinnerung übergehen muss, und darauf zu vertrauen, dass am nächsten Ort wieder Neues entstehen kann.

All das inspirierte Breu, seine neue Ausstellung «Breakup» (Abbruch) auf die Beine zu stellen. Sie wird gezeigt an der Aarauerstrasse 22, da, wo die erste Migros in Muri zu Hause war. Auch dies ein Ort, den er in den vergangenen zehn Jahren immer mal wieder kreativ bespielt hat. Diesmal aber zum letzten Mal.

Abschied fällt immer schwer

Wer nun denkt, Breu wäre nach all diesen Erfahrungen des Aufbrechens und Sich-neu-Niederlassens inzwischen routiniert genug, um diesen Abschied mit Leichtigkeit zu nehmen, irrt. Es fällt ihm auch dieses Mal schwer. Doch zuvor nutzt er den Moment, um seine Arbeit von Boswil im Rahmen einer Videoinstallation zu zeigen. Das Werk dauert etwa vier Minuten und heisst «Society» (Gesellschaft), wie der Song von Eddy Vedder, den er als Soundtrack zum Film «Into the Wild» komponierte.

In einer Rauminstallation werden ausserdem Utensilien aus der Liegenschaft in Boswil zu sehen sein, ebenso wie Fotografien, welche die Erinnerung sichtbar machen. «Die Gesellschaft ist im Umbruch. Man muss, um zu überleben, lernen, loszulassen und das Neue zu akzeptieren», sagt Breu. Das sei auch mit den materiellen Dingen so. Was braucht man wirklich? Muss man das Alte immer so schnell auswechseln und durch etwas Neues ersetzen? Fragen wie diese sollen der Clip und die Ausstellung aufwerfen. (az)

Öffnungszeiten: 23. und 24. März, jeweils von 14 bis 17 Uhr, an der Aarauerstrasse 22 in Muri, direkt neben dem Bahnhof. Der Künstler ist anwesend.