Hägglingen

Abgebranntes Bauernhaus in der Igelweid soll wieder aufgebaut werden

Katrin Nauer, Bruno Strebel und Tochter Miriam (16) umringen die Stute Sugus, die den Brand vor zweieinhalb Jahren überlebt hat. Es fehlen Tochter Luzia (21) und Sohn Adrian (14). Rechts, was vom Bauernhaus nach dem Brand übrig blieb.

Katrin Nauer, Bruno Strebel und Tochter Miriam (16) umringen die Stute Sugus, die den Brand vor zweieinhalb Jahren überlebt hat. Es fehlen Tochter Luzia (21) und Sohn Adrian (14). Rechts, was vom Bauernhaus nach dem Brand übrig blieb.

Der Brand in der Igelweid vor zweieinhalb Jahren war spektakulär. Fast das gesamte Bauernhaus fiel den Flammen zum Opfer. Den Wiederaufbau des Bauernhauses geht die Familie Strebel-Nauer ruhiger an.

«Ich war gerade auf dem Hof meiner Schwester und wollte mit meinem Pferd Sugus ausreiten, als im Bauernhaus Feuer ausbrach», erinnert sich Katrin Nauer (41) an den 20. August 2009. Weil der kleine Sohn ihrer Schwester mit Zündhölzern gespielt hatte, blieb vom 300-jährigen Bauernhaus und den Pferdeställen einzig ein winziger Backsteinanbau zurück, das so genannte «Chatzerüümli». Die Fotoalben, die dort in einem Schrank aufbewahrt lagen, waren die einzigen Dokumente, die nicht verbrannten.

Die Hausbewohner Claudia Poll-Nauer, ihr Ehemann und die beiden kleinen Kinder waren heimatlos. Alles, was sie retten konnten, waren die Tiere sowie die Kleider, die sie trugen. «Der Brand war für uns ein Abschluss. Danach wollten wir nicht nochmals alles aufbauen, sondern ganz neu anfangen», erinnert sich Claudia Poll, die mit ihrer Schwester Katrin in diesem Bauernhaus aufgewachsen ist, das seit jeher der Familie Nauer – «’s Gwinders» – gehört hatte.

Ausgewandert

Nur wenige Monate später ist Poll mit ihrer Familie ins Bundesland Rheinland-Pfalz in Deutschland ausgewandert. Dort lebt sie nun mit ihrem 6-jährigen Sohn und der 4-jährigen Tochter wieder auf einem Hof. Mittlerweile ist sie geschieden. Wie zuvor in Hägglingen betreibt sie eine Pferdepension und arbeitet als Pferde-Zahnmedizinerin und -Chiropraktikerin. «Wir sind sehr liebevoll aufgenommen worden und haben vor, hier zu bleiben», ist Poll froh. «Uns gefällt es hier.»

Familie Strebel-Nauer will das Haus auf der Igelweid, das vor 2,5 Jahren abgebrannt ist, wieder aufbauen

Katrin Nauer sagt, warum die Igelweid wieder aufgebaut werden soll

Auf dem ehemaligen Hofplatz in der Igelweid hat sich seither dennoch viel getan. Wo das Bauernhaus früher stand, ragen Baugerüste in die Höhe. Vom Haus selber sieht man kaum mehr die Grundmauern. Zwei Pferde stehen auf der Koppel. Gefolgt von zwei Hunden, vier Katzen und zwei frei lebenden, aber zutraulichen Hasen laufen Katrin Nauer-Strebel, Bruno Strebel und deren drei Kinder geschäftig zwischen verschiedenen Zelten hin und her. Die Zelte dienen als Unterkunft für die Pferde. Eines von ihnen – die Stute Sugus – hat den Brand vor zweieinhalb Jahren miterlebt.

«Für meine Schwester war es sehr schwer, den Hof wieder zu betreten. Ich finde aber, unser Haus gehört einfach hier hin», erklärt Katrin Nauer. Darum will sie zusammen mit ihrem Mann das Bauernhaus und den angehängten Pferdestall neu aufbauen.

Einsprache abgewiesen

Die Baubewilligung ist Anfang Februar erteilt worden, wie den Gemeinderatsnachrichten zu entnehmen ist. «Zuvor hatte es eine Einsprache gegeben, aber die wurde vom Gemeinderat abgewiesen. Nun hoffen wir, dass innert der Frist keine Beschwerde folgt, denn dann können wir mit der Detailplanung beginnen», sagt Nauer. Das Geld der Versicherung hat Claudia Poll in den Kauf eines neuen Hofes in Deutschland investiert. «Darum stecken wir derzeit all unser Geld in den Neubau», sagt der Lokführer Strebel. Er fügt hinzu: «Aus diesem Grund leben wir momentan bei meiner Mutter. Wir sind ihr sehr dankbar, aber wir hoffen, dass wir bald unser eigenes Heim beziehen können.» Neben der zweigeschossigen Wohnung der Familie Strebel-Nauer soll im Erdgeschoss eine Einliegerwohnung für die älteste Tochter entstehen. Daneben ist ein Pferdestall geplant.

Für Claudia Poll ist es schön zu wissen, dass der Hof von ihrer Schwester neu aufgebaut wird. «Ich wünsche ihnen alles Gute», sagt die Wahldeutsche am Telefon. Sie erinnert sich ungern an den Brand. Dennoch ist sie sehr dankbar für die Hilfe, die ihre Familie damals erhalten hat. Ihre Schwester Katrin fasst zusammen: «Leute aus umliegenden Dörfern haben damals die Pferde bei sich aufgenommen und meiner Schwester Kleider, Esswaren und Geld gespendet. Und auch meine Familie kann sich auf die Hilfe der Leute verlassen. Dafür sind wir unendlich dankbar.»

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