Sins

Abgebrannte Werkräume: Brücken-Installation gibt Motivation

Alles selbst gemacht: Schüler der zweiten und dritten Oberstufe präsentieren ihre gelungenen Werke.

Alles selbst gemacht: Schüler der zweiten und dritten Oberstufe präsentieren ihre gelungenen Werke.

Aus der Not eine Tugend gemacht: Seit dem vermutlichen Brandanschlag findet der Werkunterricht in Sins auf dem Pausenplatz statt. Das Brücken-Projekt stösst bei den Schülern auf grosse Begeisterung und das gemeinsame Arbeiten stärkt den Zusammenhalt.

Der Schulhausplatz des Oberstufenzentrums Sins ist in diesen Tagen belebt wie kaum je zuvor. Strassen aneinander gefügter Brückenkonstruktionen aus hellem Tannenholz verbinden die verschiedenen Gebäude. Kein Brücken-Modell ist gleich wie das andere. Es gibt fantasievoll verspielte Übergänge, den Kanalbrücken Venedigs nachempfundene Bogenkonstruktionen oder moderne, geradlinig schnörkellose Architekturen.

In den Pausen und vor Unterrichtsbeginn herrscht reger Verkehr, begleitet von viel Heiterkeit und Gelächter. Leert sich der Platz vom Schulvolk, wagen sich auch die Kleinen an Mamas Hand auf den neuen, spannenden Robinsonspielplatz.

Einfach und unkompliziert

Manch einem von ihnen wird es leidtun, dass die Brücken wieder verschwinden. Die beiden Werklehrer Pia Gabriel und Josef Nussbaumer hatten tatsächlich daran gedacht, eine dauerhafte Konstruktion zu bauen. «Das hätte aber einen zu grossen Maschinen- und Materialaufwand erfordert», erklärt Pia Gabriel. «Also entschieden wir uns für eine Installation auf Zeit.»

Die Schüler arbeiteten mit einfachsten Mitteln, mit Dachlatten, Sägen, Schrauben und einigen Akkuschraubern. Das Werkzeug stammte aus dem privaten Fundus der beiden Lehrer. «Wir haben nur wenige Eckpunkte vorgegeben: die ungefähre Länge, die Breite, Höhe und das Traggewicht.» Design und Ausführung waren den Schülern überlassen. Jeweils eine halbe Klasse arbeitete an einem Projekt.

Die Idee dazu fiel Pia Gabriel ganz plötzlich ein nach einer schlaflosen Nacht des Grübelns. «Wir brauchten eine Überbrückungslösung, warum also nicht Brücken bauen», resümiert sie.

Grosse Motivation

«Es ist erstaunlich, mit welcher Energie und Freude die Jugendlichen an der Arbeit waren. Das war wirklich genial», berichtet Nussbaumer erfreut. «Niemand stand gelangweilt herum, alle haben mitgemacht und ihr Bestes gegeben.» Dass man sich gegenseitig respektierte und aushalf, war selbstverständlich.

«Es war allen klar, dass sie sich mit den wenigen Werkzeugen arrangieren mussten, und es war kein Problem», so Gabriel. Für einen neu zugezogenen Schüler sei das Projekt eine ideale Möglichkeit zur Integration gewesen. «Während der Gruppenarbeit hat er seinen Platz gefunden.» Für die beiden Werklehrer haben die vielen positiven Rückmeldungen und Erlebnisse etwas Tröstliches. «Der Verlust unserer Werkräume war nicht leicht für uns. Das Projekt hat uns selbst wieder neue Motivation gegeben.»

«Ich finde das eine sehr gute Idee», sagt die 14-jährige Erika bestimmt. «Wir konnten im Werken mal was zusammen für alle machen.» Ihre 13- und 14-jährigen Kollegen stimmen ihr zu.

Viel Freiheit für die Schüler

«Wir haben oft draussen gearbeitet. Auch das war eine schöne Abwechslung. Wenn es mal regnete, sind wir in die Turnhalle gegangen», erzählt Marc. Die Schüler schätzten die grosse Freiheit, die sie bei diesem Projekt hatten. «Nur ein paar Masse waren vorgegeben. Aber die Brücke haben wir selbst entworfen. Wir konnten einfach drauf los arbeiten», berichtet Aaron. «Ich fand es zuerst schon blöd, dass wir wegen des Brandes nicht weitermachen konnten mit unseren angefangenen Arbeiten», meint Achim.

Marc hat sogar einen Verlust zu beklagen. «Die Armbrust meines Vaters, die ich restaurieren wollte, ist im Feuer verbrannt», erzählt er. Grundsätzlich belaste der Brand sie aber im Alltag nicht sehr, stellen die Jugendlichen einhellig fest.

Pia Gabriel erzählt sogar von einem Schüler, der sie gefragt habe, ob so ein cooles Projekt ohne den Brand überhaupt durchgeführt worden wäre. «Ich solle ihn nicht falsch verstehen, hat er betont. Natürlich tue es ihm leid um die Werkräume. Aber ich habe ihn schon verstanden. Er hat recht. Es ist wie eine Chance im Unglück.»

Dritter Brand in Sins – Schulleiter hat die Schnauze voll.

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