Abfallhaufen erregen Gemüter

In Bremgarten sorgt verbreitetes Littering für Gesprächsstoff.

Marc Ribolla
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Überall Abfall: So sah es letzten Montagmorgen an zahlreichen Orten in Bremgarten aus.

Überall Abfall: So sah es letzten Montagmorgen an zahlreichen Orten in Bremgarten aus.

Bild: mzm

Wer letzten Montagmorgen in Bremgarten spazierte, stiess auf einen stossenden Anblick. Überall türmten sich Abfallhaufen neben restlos überfüllten Ab­fallkübeln. Ob im Wald, entlang der Reuss, beim Casino oder am Obertorplatz. Der Frust der Bremgarter Bevölkerung da­rüber zeigt sich im Facebook-­Beitrag mit entsprechenden Bildern, der über hundert Mal ­geteilt wurde. Zig wütende Kom­mentare zeugen ebenfalls davon. Ein User meint: «Hier geht es schlicht und einfach um Anstand. Ich hätte mich nicht nach Hause getraut, wenn ich so was hinterlassen hätte. Egal, ob der Kübel voll ist, es gibt immer den nächsten oder den Abfall zu Hause!»

Leidtragende sind die Mitarbeiter des Bauamts, die den Dreck einsammeln müssen und sich so in Coronazeiten zusätzlichen gesundheitlichen Risiken aussetzen müssen. Bauamt-­Leiter David Nietlispach und sein Team haben in den letzten Wochen seit dem Lockdownbeginn einen markanten Anstieg des Abfallproblems verzeichnet. «Die Abfallmenge hat schätzungsweise zwischen 30 und 50 Prozent zugenommen. Man hat gemerkt, dass die Leute nicht mehr in die Restaurants oder Beizen gehen konnten, um zu essen oder zu trinken. Speziell nach einem schönen Wochenende war’s jeweils schlimm», sagt Nietlispach auf Anfrage der AZ.

Stadt hat sogar zusätzliche Abfallkübel aufgestellt

Geleert werden die Abfallkübel übrigens auch am Samstag. Dennoch scheint es schwierig, des Problems Herr zu werden. Und dies, obwohl die Stadt Bremgarten reagiert hat. «Wir haben an verschiedenen Stellen zusätzliche temporäre Abfallbehälter aufgestellt, die wir sonst bei den Märkten verwenden. Aber auch diese sind rasch voll», sagt Nietlispach. Genervt über die Verschandelung hat sich auch Heinz Widmer, Präsident der Vereinigung Aktiver Aargauer Senioren. Er appelliert: «Sollten wir uns nicht gerade in dieser Zeit der Besinnung noch bewusster darüber werden, wie wichtig die Natur für uns ist und sorgfältiger mit Abfall umgehen, vor allem aber unseren eigenen Dreck selber wegräumen?»

Auf Facebook spricht ein User den Abfall-Sündern direkt ins Gewissen: «Die Stadtverwaltung ist nicht deine Mami und nicht da, deinen Abfall vom Wochenende zu entsorgen. Die Mülleimer sind für kleine Gegenstände – nicht für ganze Gelage inkl. Einmalgrill, Pizzakartons, Getränkedosen und Glasflaschen! Nimm deinen Güsel mit nach Hause und entsorge ihn sachgemäss.» Einige Kommentatoren fordern auch, die Sünder hart anzupacken.

Seit Jahresbeginn gibt’s im Kanton Aargau zwar ein Littering-Gesetz, das Verstösse mit 300 Franken bestraft. Bussen verteilen kann jedoch nur die Polizei, die selten jemanden in flagranti erwischt. Trotz allem Übel hält Bauamt-Leiter Nietlis­pach fest, dass die Leute ihren Abfall wenigstens bei den Kübeln deponieren und nicht sonst achtlos liegen lassen würden.