Bremgarten
Abendmusik hinterliess nachhaltigen Eindruck

Schöne Klänge waren am Wochenende in der Stadtkirche Bremgarten zu hören, als 80 Mitwirkende gemeinsam sangen und musizierten.

Stephan Rinderknecht
Drucken
Die fleissige Probenarbeit (hier Chöre und Orchester in der Stadtkirche Bremgarten) hat sich gelohnt. Brigitte Santmann Rubin

Die fleissige Probenarbeit (hier Chöre und Orchester in der Stadtkirche Bremgarten) hat sich gelohnt. Brigitte Santmann Rubin

Am Samstag, 1. November, in der Kirche Lunkhofen und am Sonntag, 2. November, in der Stadtkirche Bremgarten konzertierten der Orchesterverein Bremgarten, die Kirchenchöre Lunkhofen und Bremgarten (unter der Leitung von Anne Hinrichsen und Andrea Kobi), die Sopranistin Catriona Bühler und die Stadtorganistin Andrea Kobi unter der Gesamtleitung von Hans Zumstein. Zweifelsfrei das gewichtigste Werk des Abends war Francis Poulencs Konzert für Orgel, Streicher und Pauke in g-Moll – eine Hommage an Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Ein vertracktes Werk insofern, als dass es den Interpreten und Interpretinnen ein hohes Mass an dynamischer, agogischer und tempivariierender Flexibilität abverlangt. Eine suitenhafte – oder rhapsodisch zu nennende Struktur – ohne Strich und Komma, welche nicht einer gewissen formalen Kühnheit entbehrt.

Maurice Duruflé, über dreissig Jahre lang Organist der Eglise St, Etienne du Mont, unmittelbar neben dem Pariser Phanteon gelegen, hob dieses Werk Poulencs 1939 aus der Taufe. Er war massgeblich beteiligt am Orgelsatz Poulencs. Die Cavaillé-Coll-Orgel dieser Kirche verfügt über neunzig Register und vier Manuale. Dieses Konzert könnte man durchaus als Monument des nahenden Krieges interpretieren. Darum auch die Pauke. Poulenc scheint diese Schrecken vorausgeahnt zu haben. Ein höchst eindrückliches Werk.

Natürlich kann eine Metzler-Orgel in Bremgarten mit der Monumentalität eines solchen Schlachtschiffes nicht mithalten, ist sie doch ausgelegt auf vorwiegend barocke , fein ziselierte Musik. Das ist ihre Spezialität. Dennoch darf man dieses Werk auch in einer «abgespeckten» Version aufführen: Sonst brauchte es ja auch ein Orchestre de l’Opéra de Paris zur Aufführung.

Aber die Ausführenden zeigten sich dieser Herausforderung gewachsen – auch in Bremgarten. Andrea Kobi hatte eine anspruchsvolle Partie auf der Orgel zu leisten. Sie und das Orchester meisterten die oben angeführten Ansprüche souverän. Auch der Paukist, der hier für einmal eine Hauptrolle spielte, konnte restlos überzeugen.

Poulencs Orgelkonzert ist durchaus vergleichbar mit Haydns Missa in tempore belli (Messe in Zeiten des Krieges). Dazu bildeten die drei Choralwerke Felix Mendelssohns den versöhnlichen Rahmen. Den Frieden brauchen wir in diesen eher düsteren Zeiten dringend.

Es war eine stimmige, nachdenklich machende Kombination. Der Chor sang mit grosser Begeisterung und Stimmsicherheit. Diese Abendmusik hinterliess bei den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck. Dafür kann man den Ausführenden nur danken.

Aktuelle Nachrichten