«Sie haben 0,25», sagt der Polizist kurz nach Mitternacht beim Alko-Test. Aufatmen beim betroffenen Autolenker. Die drei Stangen waren doch nicht zu viel. Falsch! Es reicht für eine saftige Busse und eine Verwarnung mit zweijähriger Probezeit.

Denn ab Oktober gelten beim Alkoholtest neue Regeln. Die Testgeräte weisen den Blutalkoholgehalt nicht mehr wie bisher nach Promille aus, sondern nach Milligramm pro Liter (mg/l).

Mit der neuen Messmethode halbieren sich die Werte. Die eingangs ausgewiesenen 0,25 mg/l entsprechen 0,5 Promille. Man(n) darf also ab Oktober nicht mehr trinken als bisher, wenn er fahrtüchtig bleiben will.

Blasen wird beweissicher

Mit der neuen Messeinheit wird in der Schweiz ab 1. Oktober auch die beweissichere Atemalkoholprobe eingeführt. Mit «Blasen» gemessen wird die Alkoholkonzentration im Blut von Fahrzeuglenkern zwar schon lange.

Nur galt diese Methode bisher nicht als so zuverlässig, dass sie vor Gericht Bestand gehabt hätte. Das Ergebnis genügte nur dann als Beweis, wenn der Wert unter 0,8 Promille lag und dieser von der oder dem Betroffenen schriftlich anerkannt wurde. In allen anderen Fällen war nach dem Alko-Test noch eine Blutprobe nötig.

Messung mit Infrarot

Die neuen Geräte messen den Alkoholgehalt in der Atemluft so exakt und zuverlässig, dass das Resultat einer gerichtlichen Beurteilung standhält. Die Labtec Services AG in Villmergen ist in der Schweiz einer der beiden führenden Anbieter für diese Geräte.

Sie rüstet die Polizeikorps in der ganzen Romandie, im Tessin, der Zentralschweiz sowie Teilen der Ostschweiz damit aus. Inhaber und Geschäftsleiter Beat Lüthy erklärt den Unterschied zur bisherigen Gerätegeneration: «Die neuen Messgeräte sind wesentlich grösser. Im Prinzip handelt es sich um tragbare Computer. Sie messen die Konzentration des Alkohols im Atem über eine Infrarotquelle mit Detektor. In den bisherigen Geräten ist mit einer chemischen Zelle gemessen worden.»

Diese Messmethode, sagt Lüthy weiter, sei sehr genau und vor allem stabil: «Das Gerät kontrolliert den Alkoholgehalt in der Atemluft nicht nur einmal, es macht zwei unabhängige Messungen. Daneben gibt es weitere Komponenten, welche zur Beweissicherheit beitragen.»

Unter anderem würden die Testgeräte auf 34 Grad geheizt. Damit seien die früher möglichen Messdifferenzen bei extremen Temperaturunterschieden zwischen Atem- und Aussenluft ausgeschlossen.

Harter Testreihe unterzogen

Die Firma Labtec bezieht die Geräte von einem Anbieter in den USA. Beat Lüthy hat an der Weiterentwicklung für den Schweizer Markt jedoch entscheidend mitgewirkt. So ist die Anwendersoftware spezifisch auf die Anforderungen in der Schweiz zugeschnitten.

Mit dieser Weiterentwicklung ist 2014 begonnen worden, im Januar 2016 hat das Eidgenössische Amt für Metrologie (Metas) – das Kompetenzzentrum des Bundes für alle Fragen des Messens, für Messmittel und Messverfahren – das nötige Prüfzertifikat erteilt.

«Der Zertifizierung», erklärt Lüthy, «sind umfangreiche Tests vorausgefangen. Die Tester sind von kompetenten Wissenschaftern über längere Zeit unter verschiedenen Bedingungen geprüft worden. Ich bin sicher, dass die Messungen hieb- und stichfest sind, wenn die Geräte richtig bedient werden.»

Die Polizeikorps werden im Hinblick auf die Umstellung von der Labtec Services AG speziell geschult. «Eine Equipe von uns weilt vorübergehend zur Schulung in Genf und hier in Villmergen finden praktisch täglich Ausbildungslehrgänge statt», erklärt der Firmenchef.

Die Villmerger Firma vertreibt die neuen (und alten) Testgeräte nicht nur, sie ist auch für die Wartung und die regelmässige Kalibrierung zuständig. Zurzeit werden zudem die alten Testgeräte auf die neue Messmethode umprogrammiert. Dann zeigen auch sie die Alkoholkonzentration in der Atemluft künftig nicht mehr in Promille an, sondern in Milligramm pro Liter.