Landschaftsqualität
Ab 2017 kriegen Bauern Geld für verschiedene Massnahmen – eine Blumenwiese reicht aber nicht

Bauern bekommen ab 2017 Geld für 21 verschiedene Massnahmen. 8,5 Millionen Franken stehen zur Verfügung. Wer davon profitieren will, kann in einem Katalog nach Massnahmen suchen, die zum Betrieb passen.

Dominic Kobelt
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Wer vom Geldtopf profitieren möchte, muss melden, welche Massnahmen er auf seinem Betrieb umsetzt.

Wer vom Geldtopf profitieren möchte, muss melden, welche Massnahmen er auf seinem Betrieb umsetzt.

Wenn man sich nach der Infoveranstaltung zum Landschaftsqualitätsprojekt umhörte, war unter den Bauern kein Enthusiasmus zu spüren. In den letzten Jahren wurden ihre Direktzahlungen erheblich gekürzt. Mit dem Projekt sollen sie dafür entschädigt werden – «ein Tropfen auf den heissen Stein», meinen viele. Belohnt werden diejenigen, die sich bereits in den letzten Jahren für Artenvielfalt und Biodiversität eingesetzt haben. Wer gehofft hat, dass sich die Landwirtschaftspolitik der letzten Jahre bald in eine andere Richtung bewegt, der hat sich vorerst getäuscht.

Geld wird wohl nicht reichen

Aber der Reihe nach: Bund und Kanton stellen zwischen 2017 und 2024 pro Jahr 8,5 Millionen Franken zur Verfügung. Das Geld stammt zu 90 Prozent vom Bund, den Rest übernimmt der Kanton. Wer davon profitieren möchte, kann in einem Katalog nach Massnahmen suchen, die zu seinem Betrieb passen. 21 solcher Massnahmen gibt es, 18 davon sind im ganzen Kanton dieselben, 3 sind auf die Region Mutschellen-Reusstal-Kelleramt begrenzt.

Am Mittwochabend lud die Regionalplanungsgruppe dieser Region die Landwirtinnen und Landwirte zu einer Infoveranstaltung, um zu erklären, wie sie zu Unterstützungsbeiträgen kommen. Ziel der Massnahmen ist es, wertvolle Kulturlandschaften zu erhalten und landwirtschaftlich unattraktive Flächen aufzuwerten. Hochstamm-Feldobstbäume, die Pflege von Wanderwegen, spezielle Hauptkulturen, farbige Zwischenfrüchte – die Liste ist lang, aber an ebenso viele Auflagen gebunden.

Es ist deshalb nicht möglich, einen Betrieb komplett umzustellen, vielmehr sollen die Bauern durch kleine Anpassungen für Beiträge entschädigt werden, die sie bereits leisten. Dinge, von denen die Natur und die Bevölkerung schon profitieren, auch wenn sich viele vielleicht nicht bewusst sind, dass die Bauern dafür Aufwand betreiben. Man könne aber jetzt nicht einfach eine Blumenwiese ansäen und dafür das grosse Geld erwarten, sind sich die Bauern einig.

Zudem lässt sich noch nicht sagen, wie viel Geld tatsächlich fliesst. Denn mit den 8,5 Millionen Franken werden zuerst Investitionskosten gedeckt, die die Bauern allenfalls haben, beispielsweise für Saatgut. Den jährlichen Beitrag, der pro Hektare Blumenwiese oder pro Kastanienbaum ausbezahlt wird, ist zwar festgesetzt. «Wir rechnen damit, dass das Geld nicht für 100 Prozent der angemeldeten Massnahmen reichen wird», sagte Sebastian Meyer von der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons. In diesem Fall würde – über den ganzen Kanton und über alle Massnahmen – die Beiträge so – weit gekürzt, dass das Kostendach von 8,5 Millionen nicht überschritten wird.

Die Landwirte haben bis Ende Mai Zeit, Rückmeldungen zu geben. Da-nach wird das Papier, das zur Bestätigung an den Bund muss, eventuell noch leicht überarbeitet und eingereicht. 2024 folgt der Schlussbericht, der erläutern soll, wie viele der gesteckten Ziele erreicht wurden.