Help-Point Sumy
Aargauer Verein hilft Spitälern in der Ukraine

Der Wohler Verein «Help-Point Sumy» bringt Hilfsmaterial für Spitäler in die krisengeschüttelte Ukraine. Das Ziel war rund 500 Kilometer von den Kampfgebieten entfernt.

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Ein Dank vor Ort für die Hilfe des Wohler Vereins «Help-Point Sumy».

Ein Dank vor Ort für die Hilfe des Wohler Vereins «Help-Point Sumy».

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Trotz der heiklen Lage hat der Verein aus Wohlen einen Container voll humanitärer Güter ins nordukrainische Sumy transportiert. Inzwischen ist das dringend benötigte Material bereits an die Spitäler verteilt, im kommenden Jahr plant Help-Point Sumy drei weitere Hilfstransporte.

Seit neun Jahren bringt der Verein Help-Point Sumy aus Wohlen regelmässig humanitäre Hilfe in die arme Nordukraine. Spitalbetten, medizinisches Material, Mobiliar für Kindergärten, Heime und Schulen sowie Ausrüstung und Fahrzeuge für Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei wurden dabei in Lastwagenkonvois aus der Schweiz nach Sumy transportiert.

Auch für dieses Jahr war ein solcher Transport mit sieben bis acht Camions geplant. Aufgrund der heiklen Lage in der Ukraine musste der Verein den für September vorgesehenen Konvoi aber absagen.

Obwohl die Stadt Sumy rund 500 Kilometer von den Kampfgebieten im Osten des Landes entfernt liegt, hätte die Sicherheit des Transports nicht garantiert werden können. «Bisher wurden wir von der polnisch-ukrainischen Grenze bis nach Sumy immer durchgehend von der Polizei begleitet», erklärt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti.

Wegen der Kämpfe in der Ostukraine und der angespannten Lage im ganzen Land rieten die Verantwortlichen vor Ort von einem Transport ab – eine Polizeibegleitung könne nicht garantiert werden.

Ein weiterer Punkt verunmöglichte den Hilfstransport: «Garagen, Transportfirmen und Camionvertretungen, die uns bisher Zugmaschinen und Auflieger zur Verfügung gestellt haben, haben wegen der kritischen Lage in der Ukraine abgesagt.»

So blieben sechs Container mit Hilfsgüter vorerst in der Lagerhalle der Ferrowohlen AG stehen. Immer wieder erreichten Marianne Piffaretti aber Anfragen der Spitäler und Heime in Sumy, die dringend um Hilfe baten.

Dem krisengeschüttelten Land fehlten die Mittel, um die medizinische Versorgung zu finanzieren. «Die Region und die Stadt Sumy konnten ihre finanziellen Verpflichtungen kaum noch erfüllen, in vielen Spitälern herrschte Mangel», sagte Piffaretti nach einem Besuch in der Stadt.

Schliesslich entschied der Vereinsvorstand, im Sinne eines Versuchs einen Transport mit medizinischem Hilfsmaterial durchzuführen. Vereinsmitglied Sigi Wagner stellte sich zur Verfügung, mit einem Camion den Container nach Sumy zu transportieren. Das Zugfahrzeug wurde von Hans Hächler, ebenfalls Vereinsmitglied und mehrfach Konvoileiter bei Fahrten nach Sumy, zur Verfügung gestellt.

Sigi Wagner fuhr die rund 2500 Kilometer von Wohlen nach Sumy alleine und brachte die Hilfsgüter trotz teilweise prekärer Strassenverhältnisse sicher ans Ziel. Dank der Unterstützung der Stadtbehörden funktionierte der Grenzübertritt in die Ukraine problemlos.

Auch die Zollformalitäten konnten rasch erledigt werden, kurz nach der Ankunft war das Material bereits an die Spitäler verteilt. «Dass es so schnell ging, zeigt auf, wie gross die Not ist», sagt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti. Sie war zuvor nach Sumy gereist und hatte die Verhandlungen mit den Behörden der Stadt und Region geführt.

Inzwischen ist Sigi Wagner mit seinem Camion sicher wieder in Wohlen eingetroffen. Nach dem Bericht über den erfolgreichen Transport hat der Vereinsvorstand an seiner letzten Sitzung beschlossen, im kommenden Jahr das neue Konzept mit kleineren Hilfslieferungen weiterzuführen.

Derzeit ist vorgesehen, im April, Juni und September drei Transporte mit jeweils drei Hilfscontainern und je rund 30 bis 35 Tonnen Material durchzuführen. «Die humanitären Güter werden dringend gebraucht, die Probleme der Spitäler und sozialen Organisationen sind enorm», sagt Piffaretti.

Weil schon neun fertig beladene Container im Lager des Vereins stehen, nimmt Help-Point Sumy vorerst – mit Ausnahme von Spitalbedarf und Sanitätsmaterial – keine weiteren Hilfsgüter mehr an.

«Wir müssen die Priorität im Moment auf diesen Bereich legen, wo momentan echte Not herrscht», sagt Piffaretti. Weiter sei der Verein, der vom kantonalen Steueramt als gemeinnützige Organisation anerkannt ist, auf finanzielle Unterstützung angewiesen. «Ohne die Spenden von Menschen, die unsere Arbeit unterstützen, könnten wir unsere Hilfe in Sumy nicht weiterführen.» (fh)

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