Wohlen
Aargauer Schulpflegepräsidenten ziehen in Kampf gegen Regierungsrat

Die Vereinigung Aargauer Schulpflegepräsidenten (VASP) rüstet sich für den Abstimmungskampf. Für eine Informationskampagne pro Schulpflegen will die Vereinigung 20'000 Franken einsetzen.

Jörg Baumann
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Franco Corsiglia aus Wohlen, neuer Präsident der Vereinigung aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten (VASP), neben seiner Amtsvorgängerin Verena Buol Lüscher aus Gipf-Oberfrick. BA

Franco Corsiglia aus Wohlen, neuer Präsident der Vereinigung aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten (VASP), neben seiner Amtsvorgängerin Verena Buol Lüscher aus Gipf-Oberfrick. BA

Die Aargauer Schulpflegepräsidenten ziehen in den Kampf gegen den Regierungsrat. Dieser möchte die Schulpflegen abschaffen und die Schulhoheit auf der strategischen Ebene allein den Gemeinderäten übertragen.

Für eine Informationskampagne pro Schulpflegen will die Vereinigung aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten (VASP) 20'000 Franken einsetzen.

«Der Plan der Regierung hat eine grosse Aufruhr ausgelöst», bemerkte Verena Buol Lüscher (Gipf-Oberfrick), abtretende VASP-Präsidentin, an der Generalversammlung in Wohlen.

Und der Wohler Schulpflegepräsident Franco Corsiglia, der als neuer oberster Schulpfleger im Aargau das VASP-Präsidium übernahm, setzte nach: «Was der Regierungsrat will, kann nicht die einzig richtige Lösung für die Aargauer Schule sein.»

«Totgeglaubte leben länger»

Corsiglia betonte, dass sich die Standesorganisation der Schulpflegepräsidenten um eine sachliche Auseinandersetzung in dieser umstrittenen Frage bemühen werde und auch andere Kreise, die mit der Schule zu tun hätten, in die Informationskampagne einbeziehen wolle.

Der Vorstand der Vereinigung werde sich in einer Woche in die Klausur zurückziehen und die Strategie für das weitere Vorgehen festlegen. Im bevorstehenden Abstimmungskampf brauche er dann aber auch die Unterstützung der Schulpflegepräsidenten.

Corsiglia bemühte einen heroischen Slogan: «Totgeglaubte leben länger.» Die Schulpflegen seien «noch lange nicht abgeschrieben».

Volk entscheidet über Abschaffung

Regierungsrat und Bildungsminister Alex Hürzeler legte dar, dass letztlich das Volk 2015 entscheiden werde, ob die Schulpflegen tatsächlich abgeschafft werden.

Bei den viel wichtigeren Problemen, die in der Schule noch gelöst werden müssten, werde die aktuelle Diskussion über die Schulpflegen wohl bald in den Hintergrund treten.

«Der Gemeindeammänner-Verband denkt in dieser Sachen ohnehin anders als die Schulpflegepräsidenten.» Aus der Sicht des Regierungsrates sei es sachlich gerechtfertigt, die Schulhoheit ganz den Gemeinderäten zu überlassen.

«Denn diese entscheiden heute schon über die finanziellen Mittel, die für die Schule zur Verfügung gestellt werden.»

Die Schulleitungen würden beim Modell, für das sich der Regierungsrat entschieden habe, die volle operative Schulverantwortung übernehmen. Abwegig sei es hingegen, die Kompetenzen für die Finanzen auf die Schulpflegen zu übertragen, meinte Hürzeler.

Eine zweite Struktur von selbstständigen Schulgemeinden mit zwei Budgets und zwei Steuerfüssen wäre ein Rückschritt.

Weiterhin konstruktiv mitarbeiten

Hürzeler bat die Schulpfleger, weiterhin «konstruktiv, sachlich und fair» mitzuarbeiten und die bevorstehende Reform 6/3 (6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Oberstufe) umzusetzen.

Es herrschten bei diesem «historischen Schritt» unter den Behörden und Lehrern noch einige Unsicherheiten. Aber trotzdem liege der Kanton Aargau mit dieser Umstellung richtig.

Ob es nicht nur bei den Schulpflegen, sondern auch bei den Erziehungsräten und Bezirksschulräten Veränderungen geben soll, liess Hürzeler offen.

Zwei Ensembles der Musikschule Wohlen sorgten an der Versammlung für Ablenkung vom anstehenden Abstimmungskampf über das Schicksal der Schulpflegen.

Der Wohler Gemeinderat und Schulminister Paul Huwiler gab zur lokalen Schulraumplanung nichts Neues bekannt. Aber auch sonst stünden in Wohlen, in einer Gemeinde mit bald 15 000 Einwohnern und 2250 Schülern, noch grosse Aufgaben an, teilte er den Schulpflegern mit.

Huwiler griff nur zwei davon heraus: In Wohlen bräuchte es nach den Empfehlungen des Bildungsdepartementes 30 neue Gruppenräume für die Schule, «also ein neues Schulhaus.»

Auch müsse die ganze Schul-EDV mit grossem Aufwand ersetzt werden. Dem gesellschaftlichen Wandel habe Wohlen Rechnung getragen, indem an den Schulen die Blockzeiten am Morgen eingeführt und drei Mittagstische installiert worden seien.

Die längst bestehende Aufgabenhilfe werde ausserdem weitergeführt. Noch nicht gelöst seien die Betreuung der Schüler vor und nach Unterrichtsbeginn und in den Schulferien.

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