Dietwil

Aargauer Schüler (12) rettet Mann vor Ertrinken: «Ich habe es einfach gemacht»

Lars Widmer zurück in der Badi Dietwil. Hier hat er geholfen, einen jungen Nepalesen zu retten.

Lars Widmer zurück in der Badi Dietwil. Hier hat er geholfen, einen jungen Nepalesen zu retten.

Der damals 12-jährige Lars Widmer rettete einen jungen Mann vor dem Ertrinken. Die Stiftung für Lebensretter zeichnete den Helden mit einer silbernen Ehrenmedaille aus.

Lars Widmer tat, was zu tun war. Daraus werde, sagt der 13-Jährige, ein viel zu grosses Brimborium gemacht. Als Held sieht sich der Junge aus Oberrüti jedenfalls nicht.

Ein Held ist er aber für andere, zum Beispiel für die Carnegie, die Stiftung für Lebensretter. Sie zeichnete Lars gestern in Bern mit der silbernen Ehrenmedaille aus. Wie die Stiftung genau auf ihn gekommen ist, weiss Lars nicht. «Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es dies auch nicht unbedingt gebraucht.» Er rauft sich sein pechschwarzes Haar, schaut beinahe entschuldigend.

Nebenbei ein Leben gerettet

Für ihn war der 23. Juni 2016 ein ganz gewöhnlicher Donnerstag, an dem er die Schule besuchte und anschliessend mit seinem Velo ins nahe Freibad in Dietwil fuhr. Nur, dass er an diesem gewöhnlichen Donnerstag nebenbei ein Leben rettete. Lars erzählt:

«Ich war mit einem Kollegen am Beckenrand und sah, wie zwei junge Männer im tiefen Becken herumtollten.» Dann lag plötzlich einer der beiden am Grund des Beckens. Lars dachte zuerst noch, sie machen immer noch Spass, reagierte dann aber als Erster. «Ich habe mir nichts dabei gedacht, ich habe es einfach gemacht», sagt der Bezirksschüler. Mithilfe eines 16-Jährigen, den Lars vorher nicht kannte, zog er den jungen Mann an die Wasseroberfläche, wo er sofort von anderen Badibesucher aus dem Becken gezogen wurde. Beim beinahe Ertrunkenen handelte es sich um einen Nepalesen, der in der Schweiz um Asyl suchte.

«Unser Lars hat das cool gemacht», sagt Badmeisterin Luzia Meier, die Lars und seine Familie persönlich kennt. Eigentlich kennt sie sowieso jeden, der in der Badi Dietwil ein- und ausgeht. Seit bald 15 Jahren schaut sie gemeinsam mit Romy Moser im winzigen Freibad in Dietwil zum Rechten. Hier, wo die Welt und auch die Eintrittspreise noch in Ordnung sind. «Hier schauen wir alle aufeinander», sagt Meyer. Dies sei eine grosse Hilfe: «Romy oder ich stehen zwar immer am Beckenrand, können unsere Augen aber nicht immer überall haben.» Die Mechanismen im familiärsten aller Freiämter Freibäder haben am 23. Juni funktioniert. Meier erinnert sich:

«Es war an einem der Spitzentage der letzten Saison. Über 30 Grad warm und über 300 Besucher. Ich stand am Beckenrand, als plötzlich ein kleines Kind zu mir kam und sagte ‹es ist ein Mann ertrunken.›» Als Meier die besagte Stelle erreichte, wurde der junge Mann soeben aus dem Wasser gehievt. Die Badmeisterin und ein zufällig anwesender Rettungssanitäter kümmerten sich daraufhin um den Verunfallten, «während andere Erwachsene die Kinder wegschickten». Der zuerst weggetretene junge Mann kam bald wieder zu sich und wollte schon wieder selber sitzen. Dennoch wurde die Ambulanz gerufen. «Um sicherzugehen, dass er kein Wasser in der Lunge hat», erklärt Meier. Am nächsten Tag konnte er das Spital bereits wieder verlassen.

Schnitzelbrot als Belohnung

«Er hat sich mehrmals bei mir bedankt», erzählt Lars Widmer, der neben der silbernen Ehrenmedaille am Freitag auch einen Gutschein für eine Ballonfahrt erhielt. Belohnt wurde Lars bereits kurz nach seiner Rettungstat. Mit einem Schnitzelbrot, offeriert von der Badmeisterin. Deswegen rief er kurz vor 18 Uhr seine Mutter zu Hause an. Dunja Widmer ist das Gespräch auch ein Jahr später noch präsent:

«Er fragte mich, ob er noch eine Stunde länger in der Badi bleiben dürfe. Dass er soeben jemanden gerettet hat, hat er aber nicht erzählt», sagt sie und lacht.

Lars kommt aus einer Rettungsschwimmerfamilie. Seine Mutter ist Kassierin bei der SLRG der Sektionen Zug und Zentralschweiz, sein Vater sitzt im Zentralvorstand. Lars war aber nie selber aktives Mitglied. Früher war es aber Tradition, dass die fünfköpfige Familie den Freitagabend in der Badi verbrachte. «Ich schwimme gerne», sagt Lars dann auch, aber sein eigentliches Hobby sei Inlinehockey und er deutet auf das Logo auf seinem Shirt: «Z-Fighters». Man merkt schnell: Über sein Team spricht er viel lieber als über seine Rettungstat. «Seit dieser Saison bin ich Verteidiger, vorher spielte ich als Stürmer. Es gefällt mir besser. Jetzt habe ich mehr Einsatzzeit.»

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