«Tausend Schutzengel» habe er gehabt, sagte die Präsidentin des Bezirksgerichts Muri, Simone Baumgartner, zum jungen Angeklagten, der in einer Nacht Ende August 2016 durch Muri blochte. «Sie hatten unglaubliches Glück, dass Sie hier nicht wegen Körperverletzung oder Tötung vor Gericht stehen.»

Das Urteil: 20 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit einer Probezeit von 4 Jahren, 3000 Franken Busse sowie Übernahme der Verfahrenskosten. Der Staatsanwalt hatte 24 Monate Freiheitsstrafe gefordert und von einem «krassen Fall von verantwortungslosem Verhalten im Strassenverkehr», von einer «gemeingefährlichen Fahrweise» gesprochen.

Der Beschuldigte, ein 21-jähriger Schweizer, hatte sich anerboten, Kolleginnen und Kollegen von Muri an ein Fest nach Rottenschwil zu fahren, obwohl er alkoholisiert war. Vier Mitfahrende fanden im stark motorisierten Auto Platz, eine junge Frau wurde in den Kofferraum verfrachtet. Auf der Hauptstrasse zwischen dem Kreisel Coop Muripark und Lidl fuhr der Fahrer mit übersetzter Geschwindigkeit und überholte zweimal andere Autos, einmal zwei gleichzeitig. In der Kurvenkombination bei der Fremo verlor er die Kontrolle über das Auto, rutschte mit dem Heck weg, gab Gegensteuer, gefährdete zwei Regionalpolizisten, die beim Lidl Verkehrskontrollen machten, und kam schliesslich im Wiesland auf der gegenüberliegenden Strassenseite zu stehen.

«Wie eine gesengte Sau»

Der Fahrer habe eine Vielzahl elementarer Verkehrsregeln verletzt, unterstrich der Staatsanwalt. Er sei, «entschuldigen Sie den Ausdruck», wie «eine gesengte Sau» durch Muri gerast. Es seien reines Glück und purer Zufall gewesen, dass keine Menschen verletzt oder gar getötet wurden. In der Befragung durch die Gerichtspräsidentin räumte der Beschuldigte ein, dass die Fahrt «schon etwas gefährlich» gewesen sei, sagte aber auch, er habe «geschätzte» 70 km/h kaum überschritten. Damit, und auch mit anderen Aussagen, stand er aber im argen Widerspruch zu denjenigen seiner Fahrgäste, die Angst gehabt hatten und unter anderem beteuerten, ihn zur Drosselung der Geschwindigkeit aufgefordert zu haben. Nach dem Halt im Wiesland hatte der Fahrer die junge Frau im Kofferraum zuerst vergessen, «aber dann den Kofferraum sofort aufgemacht».

Gefährlicher Angeber

Der Verteidiger hatte den Anklagepunkten wenig entgegenzusetzen. Er versuchte aber, das Strafmass zu mildern, und hielt eine Busse von 180 Tagessätzen zu 90 Franken, also 16 200 Franken, und eine Busse von 3000 Franken für angemessen. Das Bezirksgericht würdigte zwar, dass nicht alle Aussagen der Mitfahrenden beweiskräftig sind, rechnete dem Fahrer aber vor, dass beim Überholmanöver von zwei Autos gleichzeitig auf der Höhe des Tabaklädelis ganz sicher wesentlich mehr als nur 70 Stundenkilometer auf dem Tacho angezeigt wurden. Abgesehen davon überhole man an dieser Stelle, eine unübersichtliche Rechtskurve, einfach nicht. So habe er die Gefährdung von Leib und Leben von möglichen anderen Verkehrsteilnehmenden und Fussgängern beim Übergang Bahnhof-Nordklosterrain in Kauf genommen – neben demjenigen der Mitfahrenden. «Sie haben von A bis Z alles falsch gemacht bei dieser halsbrecherischen Fahrt. Sie wollten mit dem schnellen Auto vom Papi einfach plagieren.»

Das Gericht verlängerte die Probezeit auf 4 Jahre. «Sie haben das Gericht nicht davon überzeugen können, wirklich die Lehren aus dieser Fahrt gezogen zu haben», sagte Baumgartner.