Sarmenstorf
Aargauer Jongleur Roman Müller: «Das Festival, das ich mir erträumt habe»

Roman Müller aus Sarmenstorf unterbricht seine Weltkarriere für ein eigenes Festival im Aargau.

Nicola Imfeld
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Roman Müller beim «Zopf» am Hallwilersee in Meisterschwanden. Hier hat er als Teenager seine ersten Schritte als Jongleur gemacht.

Roman Müller beim «Zopf» am Hallwilersee in Meisterschwanden. Hier hat er als Teenager seine ersten Schritte als Jongleur gemacht.

Nicola Imfeld

Vom Freiamt um die ganze Welt und wieder zurück: Wovon manche nur träumen, hat Roman Müller aus Sarmenstorf zu seinem Leben gemacht. Ein Leben zwischen Buenos Aires in Argentinien und Melbourne in Australien. Ein Leben voller Abwechslung, Abenteuer und Kunst.

Roman Müller ist mehrfacher preisgekrönter Jongleur. Aber nicht so einer vom Zirkus, der zuerst mit drei Bällen oder Keulen startet, sich dann in der knapp zehnminütigen Vorstellung immer mehr steigert und einen Höhepunkt an den nächsten reiht. Er praktiziert aktuelle Zirkuskunst. Eine Aufführung, die mit Körperlichkeit und Gestik Bilder im Kopf der Zuschauer erzeugt, aus denen sich jeder eine eigene Geschichte zusammenreimen kann.

Roman Müller mit seinem Stück "ArbeiT":

Doch auch Müller hat angefangen wie so manch anderer Jongleur: Aus Neugier und Zeitvertreib mit einem Diabolo. Als Teenager verbrachte er unzählige Nachmittage am Ufer des Hallwilersees beim «Zopf», der Kiesbank, die unterhalb des Meisterschwander Hotels Delphin in den See ragt. Dort hat er als 13-Jähriger seine Liebe zur Diabolo-Kunst entdeckt, die ihm 2014 den angesehenen Innovationspreis der schweizerischen Künstlerbörse bescherte.

Jongleur im Circus Monti

Der lebensfrohe und ledige 45-Jährige hat noch immer eine emotionale Bindung zum «Zopf». Auf dem Weg vom Hotel Delphin hinunter zum Fotoshooting schwelgt er in Erinnerungen und gerät ins Schwärmen. Es sei eine verrückte Zeit gewesen, die er mit seinen Freunden am Hallwilersee erlebt habe. Sie hätten natürlich nicht nur mit Diabolos jongliert, sondern auch andere Dinge gemacht. Müller zeigt auf eine Wiese: «Hier haben wir Schanzen gebaut und sind mit unseren Bikes darüber in den See gesprungen.»

Roman Müller Aargauer Jongleur und künstlerischer Leiter von Cirqu'6.

Roman Müller Aargauer Jongleur und künstlerischer Leiter von Cirqu'6.

Nicola Imfeld

Lange Zeit war er nicht mehr oft am See, wohl auch deshalb, weil er ständig um den Globus reiste und keinen festen Wohnsitz mehr hatte. «Aber meine Basis blieb irgendwie immer das Freiamt.»

Diese Basis hat für Müller neben der sozialen auch eine berufliche Komponente. Müller durfte als Jongleur beim Wohler Circus Monti seine ersten – und bislang einzigen – Schritte in einem traditionellen Zirkus machen. Zuvor schloss er 1999 die Theaterschule Dimitri im Tessin erfolgreich ab. Dort entdeckte er bei einem Schulausflug seine Leidenschaft für die aktuelle Zirkuskunst. «Wir waren in Lausanne und haben uns ein Stück des Choreografen Joseph Ndj angeschaut. Es hat mich weggefegt, und mir war sofort klar, dass ich diese Art von Kunst in meinem Leben weiterverfolgen werde», erzählt Müller.

Nach der Saison im Circus Monti ging er nach Frankreich, um «sich selbst zu verwirklichen». In Paris gründete er 2002 seine eigene Theatergruppe «Tr’espace», mit der er seither um die Welt tourt. In all den Jahren stellte er markante kulturelle Unterschiede fest: «Hier gehen hauptsächlich Erwachsene ins Theater, in gewissen Ländern ist es jedoch ein echter Familienanlass.»

Und auch die Begeisterung des Publikums sei im Ausland stärker. Müller erinnert sich, wie der Veranstalter eines Theaters in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires sie nach einer Aufführung aufforderte, gleich nochmals zu spielen. «Es standen über tausend Menschen vor dem Zelt, die die Show unbedingt sehen wollten und drauf und dran waren, das Zelt zu stürmen.»

Eigenes Festival in Aarau

Diesem Trubel hat Roman Müller vorerst den Rücken gekehrt. Er lebt wieder im Aargau, um eine neue Vision zu verwirklichen: jener eines grossen Festivals für aktuelle Zirkuskunst. «Nach meinem ersten Gastspiel 2013 in der Alten Reithalle in Aarau kam mir die Idee eines eigenen Festivals.» Zuerst wurde er für sein Vorhaben noch belächelt, doch wenig später fand er erste Unterstützer und das Cirqu’6 war geboren. 2015 und 2016 fand es noch im kleinen Rahmen statt. «Jetzt ist es endlich das Festival, das ich mir erträumt habe», sagt Müller.

Das Cirqu’6 dauert insgesamt zehn Tage (16. bis 25. Juni) und lockt berühmte Künstler nach Aarau. Der Hauptact mit Victor Cathala und Kati Pikkarainen lässt Zirkusfans im Freiamt aufhorchen: Sie waren 2006 die Hauptattraktion im Circus Monti.

Der offizielle Trailer zum Cirque'6:

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