Muri

Aargauer Firma gehört zu grössten Herstellern von Verkehrsschildern in der Schweiz

Sybille Wild, Lea Stierli und Christian Wild (von links) besprechen den Kundenanlass, den sie zum 90-Jahr-Jubiläum durchführen werden. Eddy Schambron

Sybille Wild, Lea Stierli und Christian Wild (von links) besprechen den Kundenanlass, den sie zum 90-Jahr-Jubiläum durchführen werden. Eddy Schambron

Die Robert Wild AG feiert ihr 90-Jahr-Jubiläum. Alles fing an mit der Produktion von Bauwerkzeugen wie Karretten oder Pflasterkesseln.

An ihrer Arbeit ist schon jede und jeder in der Region vorbeigekommen: Ob Tempolimite, Fahrverbotsschild oder Werbetafel für den Kanton oder private Unternehmen, die Robert Wild AG in Muri ist Anlaufstelle für Signalisations- und Informationssysteme. Jetzt feiert das Familienunternehmen sein 90-jähriges Bestehen, macht sich vielleicht selber ein 90er-Schild zum Geburtstag und lädt die Kundinnen und Kunden ein. «Wir lassen sie in Workshops erfahren, wie bei uns alles aus eigener Produktion kommt», unterstreichen Sybille und Christian Wild, die das Unternehmen seit 2011 leiten und seit 2017 Mehrheitsaktionäre sind. Dieser Anlass wird von Lea Stierli, kaufmännisch Lernende im letzten Jahr, sozusagen als «Masterarbeit» organisiert. Die Robert Wild AG gehört heute zu den grössten Signalisationsherstellern in der Schweiz.

Angefangen hat alles 1929 mit der Produktion von Bauwerkzeugen wie Karretten oder Pflasterkessel. Robert Wild (5. Mai 1900 bis 8. Februar 1971) erlernte den Schlosserberuf im elterlichen Betrieb, absolvierte die Berufsschule für Metallarbeiter in Winterthur, wanderte 1920 nach Amerika aus und kehrte acht Jahre später wieder in die Schweiz zurück, wo er 1929 die «Blechwarenfabrik Muri AG» gründete.

Während des Zweiten Weltkriegs war es allerdings schwierig, überhaupt genügend Bleche für die Herstellung der Karetten zu bekommen. So mussten Blechresten gekauft werden; die Karettenmulden wurden aus bis zu fünf Stück Blechresten elektrisch zusammengeschweisst. Die erste Werkhalle mit 300 Quadratmetern Fläche auf dem Areal der ehemaligen Otto Wild, beziehungsweise Luwa, erwies sich als zu klein und ungeeignet zur Vergrösserung. Wild kaufte deshalb 3900 Quadratmeter Land – übrigens für Fr. 3.50 pro Quadratmeter. Darauf entstand 1942/43 ein Neubau. Der zusätzliche Bau eines Industriegeleises brachte eine weitere Verbesserung des Materialumschlags.

Erweiterungsbauten kamen 1954 und 1962 dazu, 1963 wurde das Unternehmen in Robert Wild AG umbenannt. In den 60er-Jahren produzierte es bis 20 000 Karretten, bis 30 000 Pflastermulden, bis 80 000 Schaufeln pro Jahr. Robert Wild junior mit Jahrgang 1944, Maschineningenieur HTL, trat 1969 in den väterlichen Betrieb ein. Er vergrösserte den Betrieb wesentlich, investierte weiter in die Fabrikation von Bauwerkzeugen und die Herstellung von Strassensignalen – und in ein Biotop rund ums Firmengelände, das heute zum Teil selten gewordenen Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet und Vorbildcharakter hat. Inzwischen ist die Bauwerkzeugproduktion verkauft worden, die heutigen Firmeninhaber konzentrieren sich auf Signalisations- und Informationssysteme.

Alles aus einer Hand

«Wir signalisieren in einem Umkreis von 50 Kilometer um Muri, gehen aber für entsprechende Aufträge selbstverständlich auch weiter», sagt Christian Wild. Einer der grossen Vorteile des Unternehmens mit 32 Mitarbeitenden sei, dass es flexibel und rasch auf Kundenbedürfnisse eingehen könne. «Bei uns kommt alles aus einer Hand, wir können deshalb auch kurzfristig auf kundenspezifische Anliegen eingehen». Ein Blechschild ist eben nicht einfach ein Blechschild.

Neben dem Siebdruck wird auch Digitaldruck ermöglicht, «das können nicht alle Mitbewerber», wie Sybille Wild feststellt. Druck auf Reflexionsfolie, Einzelanfertigen, Autobeschriftungen – «wir machen von der Beratung bis zur Ausführung und bis zur Montage alles selber». Signalträger, Konstruktionen für grossflächige Tafeln, Stelen, aber auch Absperrmaterial wie Ketten, Pfosten oder Poller gehören heute genauso zum Angebotsspektrum wie Faltsignale oder Wechselverkehrszeichen mit LED-Technik.

In jüngerer Zeit sind Markierungsarbeiten und Kernbohrungen für Montagen im Asphaltbereich dazugekommen. «Wir werden den Dienstleistungsbereich weiter ausbauen und neue Produkte auf den Markt bringen», blicken Sybille und Christian Wild in die Zukunft.

Meistgesehen

Artboard 1