Die Aussenplätze musste der 40-jährige Vertreter der Vermieterschaft einer Sportanlage begutachten und Arbeiten im Technikraum ausführen. Dieser befindet sich unterhalb des Hauptgebäudes. In diesem Zusammenhang befand er sich auch noch in den Lagerräumen bei der Verladerampe. Der Weg ins Umgelände führte ihn nach oben am Parkplatz vorbei, wo er zwei Männer bemerkte, die sich eben voneinander verabschiedeten. Während sich der eine entfernte, wandte sich der andere ihm zu und begann ihn zu beschimpfen.

30 bis 40 Sekunden gehupt

Es kam zu einem kurzen Wortwechsel, worauf der Besucher in sein Fahrzeug stieg und begann, während 30 bis 40 Sekunden ohne Unterbruch zu hupen. Da sich der Vertreter der Vermieter zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr nahe am betreffenden Fahrzeug befand, erlitt er einen Tinnitus (Pfeifen in den Ohren). Eine ärztliche Diagnose bestätigte die erlittene Verletzung, worauf der Betroffene eine Strafanzeige wegen Körperverletzung einreichte.

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erliess einen Strafbefehl gegen den 57-jährigen Autobesitzer und forderte von ihm wegen fahrlässiger Körperverletzung und missbräuchlicher Abgabe von Warnsignalen eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je 500 Franken bei einer Probezeit von 2  Jahren, eine Busse von 1200 Franken, sowie eine Strafbefehlsgebühr und Auslagen von total 800 Franken. Dagegen erhob der Angeklagte Einsprache.

«Pfeifen ist unverändert da»

An der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Bremgarten fragte Präsident Raimond Corboz den Kläger, wie es ihm gesundheitlich gehe. «Der Vorfall ereignete sich im September 2017, doch das Pfeifen ist unverändert da. Es begleitet mich das ganze Jahr, jeden Monat, jede Woche, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde», gab er zu Protokoll. Es handle sich um eine massive gesundheitliche Beeinträchtigung.

Bei der Befragung durch den Gerichtspräsidenten machte der Beschuldigte vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Er liess sich keine einzige Antwort entlocken. Auch auf die konkrete Frage, ob er gehupt habe, gab er keine Auskunft.

Der Angeklagte wurde von Schuld und Strafe freigesprochen. «Ein unbefriedigendes Ergebnis, aber die Aussagen des Klägers und des Angeklagten gehen weit auseinander», sagte Raimond Corboz, der das Urteil im Zweifel für den Angeklagten fällte.