Muri

Aargauer Domherr ist auch ein «Bettelpfarrer»

Der Murianer Urs Elsenerst ist jetzt auch «Bettelpfarrer».

Der Murianer Urs Elsenerst ist jetzt auch «Bettelpfarrer».

Rund um Pfarrer Urs Elsener erhält das kleine Hilfswerk «Una Terra – Una Familia» im Freiamt kräftig Auftrieb. Er versichert, dass jeder Rappen bei den Bedürftigen ankommt.

«Nein», wehrt der Murianer Pfarrer Urs Elsener ab, «extra auf Betteltour gehe ich nicht.» Aber er wird es nicht unterlassen, auf das kleine Hilfswerk «Una Terra – Una Familia» aufmerksam zu machen und auch hin und wieder die Kollekte im Gottesdienst dafür einzuziehen. «Da kommt jeder Rappen garantiert bei den Hilfsbedürftigen an», versichert der Pfarrer. Er ist geistlicher Begleiter des Hilfswerks, das im Thurgau seine Wurzeln hat und nun dank ihm im Freiamt Fuss fasst. Zu dieser neuen Aufgabe ist er gekommen, weil der Gründer des Hilfswerks, der Thurgauer Pfarrer Werner Franz Probst, 2008 verstorben ist und in ihm ein Nachfolger gefunden wurde. «Jetzt hat sich hier in Muri sogar eine Impulsgruppe gegründet, welche mit neuen Ideen das Hilfswerk bekannter machen will», freut sich Elsener.

Aktion «Ricardo»

Die Impulsgruppe setzt sich zusammen aus Barbara Winkler, René Fröhlich, Grossrat Martin Köchli, Paula Studer und Luzineide Ulrich. Sie sind Mitglieder des Pfarreirates und widmen sich mit Begeisterung der Aufgabe, dem kleinen Hilfswerk «Una Terra – Una Familia» Flügel zu verleihen. So ist beispielsweise eine Sammeldose entstanden, die bei Gewerbetreibenden mit viel Kundenkontakt aufgestellt werden könnte. Vielversprechend ist die «Aktion Ricardo»: Ungenutzte, nicht mehr gebrauchte Möbel, Haushaltgegenstände, Spielzeuge usw. werden von der Impulsgruppe fotografiert und im Internetportal Ricardo zur Versteigerung ausgeschrieben (siehe Kasten). Der Erlös aus verkauften Sachen kommt vollumfänglich dem Hilfswerk zugute. «Mit dieser Dienstleistung wollen wir vor allem jene ansprechen, die mit Computer nicht so viel Erfahrung haben», sagt Elsener. Jedes Jahr wird ein Rundbrief herausgegeben, der in den Schriftenständen der Kirchen von Muri, Aristau und Beinwil aufliegt oder auch auf dem Pfarramt bezogen werden kann.

Weshalb noch eines?

Zwar werden die Wurzeln des kleinen Hilfswerks im Thurgau bleiben – der Sitz ist in Frauenfeld –, aber mit dem Engagement von Urs Elsener wird es sich zwangsläufig im Freiamt und im Aargau stärker ausbreiten. «Mit Bruno Koller ist bereits der Kassier aus Muri», stellt Elsener fest, der in der Nähe von Frauenfeld aufgewachsen ist und Beziehungen in den Kanton Thurgau pflegt. Weshalb braucht es denn ein weiteres Hilfswerk? «Gott sei Dank gibt es viele verschiedene Hilfswerke», sagt der Pfarrer. «Jedes wirkt auf seine Art, aber leider ist es immer nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Wo «Una Terra – Una Familia» wirke, seien keine grossen Hilfswerke an der Arbeit. Wichtig sei es zudem, nicht nur Projekte zu finanzieren, sondern zu begleiten. «Die hilfsbedürftigen Menschen müssen auch spüren und erleben, dass man sich für sie interessiert, dass man zu ihnen kommt.» Hier sieht Elsener denn auch die Stärke «seines» Hilfswerks. Vorstandsmitglieder besuchen regelmässig die betreuten Projekte, selbstverständlich auf eigene Kosten.

Nicht aufdringlich

Der Murianer Pfarrer will das Hilfswerk, bei dem selbst Drucksachen gesponsert sind, zwar gerne bekannter machen, es aber auf unaufdringliche Art tun. «Wir machen keinen Versand in alle Haushaltungen, wir sind auf Mundpropaganda angewiesen.» Pro Jahr macht Elsener als Domherr sieben bis acht Firmungen. «An diesen werde ich die Kollekte für das Hilfswerk einsammeln, wenn die entsprechenden Pfarreien einverstanden sind.» Auch bei Taufen gibt es die Möglichkeit, auf das Hilfswerk aufmerksam zu machen. Spenden sind jederzeit möglich. «Sie sind auch steuerbefreit», vergisst er nicht anzufügen.

Und natürlich setzt er auf die Impulsgruppe. «Sie hat sich spontan gebildet», freut er sich. Überhaupt rühmt er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen und die Kirchenpflege. «Muri gilt auf Bistumsebene als lebendige Pfarrei», stellt er fest. «Hier hat es viele Leute, die sich engagieren.» Deshalb gefällt es Urs Elsner auch nach neun Jahren Arbeit als Pfarrer nach wie vor in Muri. «Zudem ist die Infrastruktur mit der Pfarrkirche und der Klosterkirche einzigartig.» Im April nächsten Jahres wird er sein 10-Jahr-Arbeitsjubiläum im Klosterdorf feiern.

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