Es war am 17. Mai 2014 als der Haussegen in einer ehelichen Wohnung in Wohlen wieder einmal schief hing.

Die Anklageschrift schilderte wie der heute 34-jährige Beschuldigte plötzlich auf seine Ehefrau losging.

Grund der Attacke: Die eifersüchtige Geschädigte wollte sich eine eingegangene SMS-Nachricht auf dem Handy ihres Mannes anschauen.

Was der wütende Portugiese ablehnte und seine Lebenspartnerin zunächst heftig am Arm schüttelte.

Dann bespuckte er sie, riss sie an den Haaren und versetzte ihr mehrere Fusstritte gegen die Beine.

Die Situation beruhigte sich erst, als die am linken Unterschenkel verletzte Frau die Polizei alarmierte.

Worauf die Fahnder dem Angreifer die Hausschlüssel abnahmen und für zehn Tage aus der Wohnung wiesen. 

Frau mit Auto beinahe angefahren

Gemäss Darstellungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat wollte der weggewiesene Chauffeur bereits am nächsten Tag seine Frau zur Rede stellen.

Zu diesem Zweck fuhr er mit seinem Personenwagen von Wohlen nach Zürich, wo er am Morgen am Hirschengraben auf seine Frau wartete, die sich gerade auf dem Weg zur Arbeit befand.

Kaum hatte sie beim Central einen Fussgängerstreifen betreten, gab der Beschuldigte Gas, beschleunigte und fuhr frontal auf sie zu.

Die Geschädigte drehte sich in Todesangst um und konnte sich über eine Treppe in Sicherheit bringen.

Laut Anklage hatte der Lenker mit seinem gefährlichen Manöver in Kauf genommen, seine Frau erheblich zu verletzen. 

18 Wochen in Untersuchungshaft

Die von der Frau eingeschaltete Zürcher Polizei reagierte schnell und nahm den gesuchten Aargauer noch am gleichen Tag fest.

Er verschwand danach für über 18 Wochen in Untersuchungshaft und verlor deshalb seine Arbeitsstelle.

Am Mittwoch musste sich der nicht geständige Portugiese zudem wegen Drohung, Körperverletzung sowie versuchter Körperverletzung am Bezirksgericht Zürich verantworten.

Der zuständige Staatsanwalt Jürg Boll verlangte für den bereits mehrfach wegen Körperverletzung sowie groben Verkehrsdelikten vorbestraften Hausbesitzer eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Hälfte davon sollte der Rückfalltäter im Gefängnis absitzen.

Vor den Schranken wies der inzwischen von seiner Frau getrennte Mann die Vorwürfe der Anklage zurück: «Ich habe sie nicht getreten», versicherte er und führte aus, dass sie vielmehr ihn von hinten gepackt habe. Er habe sich nur befreit.

Zudem sei er nicht mit seinem Auto bedrohlich auf sie zugefahren. Er habe nur mit ihr sprechen wollen, erinnerte er sich zurück.

Sein Verteidiger Markus Krapf verlangte mangels Beweisen und Widersprühen der Frau nicht nur umfassende Freisprüche, sondern auch für eine zu Unrecht erlittene Haft von 135 Tagen eine Genugtuung von 27 000 Franken sowie einen Schadenersatz von weiteren 23 700 Franken. 

Geldstrafe wegen Körperverletzung

Das Gericht schlug einen Mittelweg ein. So sah es die in Wohlen erfolgte Körperverletzung in der ehelichen Wohnung unter anderem aufgrund eines ärztlichen Zeugnisses als erwiesen an.

Im Gegensatz zu den in Zürich erfolgten Vorgängen. Aufgrund der Distanzen, den Positionen der Beteiligten sowie der Geschwindigkeit des Fahrzeugs sei nicht erwiesen, ob der Beschuldigte den Willen besessen habe, seine Frau zu verletzen, führte der Gerichtsvorsitzende aus.

Da die Geschädigt sogleich weggerannt sei, bleibe es auch unklar, ob eine Verletzung durch das Anfahren überhaupt möglich gewesen wäre.

Für die Körperverletzung mit den Fusstritten setzte das Gericht eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 140 Franken, also 8 400 Franken fest. Welche allerding durch die Untersuchungshaft bereits geleistet ist. 

Schmerzensgelder für beide Ehepartner

Für die Ueberhaft von 76 Tagen sprach das Gericht dem teilweise entlasteten Aargauer ein Schmerzensgeld von 15 000 Franken zu.

Für den Schadenersatz soll sich der Beschuldigte dagegen an seinen früheren Arbeitgeber wenden.

Er soll jedoch einen Fünftel der Gerichtskosten tragen und muss seiner Ex-Partnerin eine Genugtuung von 500 Franken bezahlen.

Das Gericht ging von einer geringen Rückfallgefahr aus. So habe der Mann zur Geschädigten heute kein Verhältnis mehr.