Ein weltumspannendes Netzwerk feiert seinen 20. Geburtstag: die Vereinigung der Freunde der Klosterkirche Muri. «920 Mitglieder gehören unserer Vereinigung an. Sie sind in der ganzen Welt verstreut», sagt Martin Egli, seit 1998 Präsident des Netzwerkes. Eglis Frau Beatrice führt das Sekretariat der Klosterfreunde.

Die Vereinigung wurde 1992 aus einer Not heraus gegründet: Die Kasse der Kirchgemeinde Muri war nach einer Renovation der Klosterkirche, für die sie fast hauptamtlich aufkommen musste, praktisch leer. Man suchte nach einer neuen Geldquelle und fand sie in den Klosterfreunden.

Grosszügige Freunde

Die Klosterfreunde sind grosszügig. In den letzten zwanzig Jahren sammelte die Vereinigung zwei Millionen Franken und unterstützte damit Renovationen, hochstehende Musikveranstaltungen und Publikationen von etlichen Schriften und Büchern über das tausendjährige Kloster, das 1027 von den Habsburgern gegründet wurde. Es steuerte bis zum Klostersturm von 1841 während Jahrhunderten das Leben und Denken im Freiamt. «1841 hob der Grosse Rat das Kloster offiziell auf. Aber der Wille, in Muri weiterhin eine klösterliche Gemeinschaft am Leben zu halten, besteht auch heute noch», betont Egli. Die Klosterfreunde schrieben deshalb diese Zielsetzung ausdrücklich in ihre Statuten.

Benediktinerhospiz lebt weiter

Ohne grosse Publizität wirkt das Benediktinerhospiz in Muri weiter am grossen Erbe des Ordens und dokumentiert, dass die Benediktiner hier weiterhin einen Stützpunkt besetzen wollen. Pater Bonifaz Klinger wohnt ständig im Hospiz. Pater Beda Skucik, Prior des Benediktinerklosters Sarnen, ist praktisch an jedem Wochenende hier. Und Abt Benno Malfèr fährt regelmässig nach Muri, um im Hospiz Sitzungen vorzubereiten. Egli: «Ohne dass ich es wusste, traf sich kürzlich auch die Schweizerische Bischofskonferenz mit Abt Benno im Hospiz.» Dieses ist zwar in Muri der geistige Mittelpunkt der benediktinischen Ordenstradition. Aber damit allein liesse sich die Idee der Klosterfreunde wohl kaum umsetzen. «Wir dürfen auf die Unterstützung unserer Mitglieder zählen, weil sie daran glauben, dass das Gesamtkunstwerk des Klosters Muri sie verdient», sagt Egli.

Immer wieder darf sich der Präsident darüber freuen, dass auch das Haus Habsburg am Schicksal der Vereinigung Anteil nimmt. Etliche Habsburger sind bei den Klosterfreunden eingeschriebene Mitglieder, «jetzt auch schon die junge Generation», bemerkt Egli. Die starke Verbundenheit unterstreicht die Familie damit, dass sie die Habsburgergruft in Muri zu ihrer letzten Ruhestätte wählte. «Letzthin hat mich ein Habsburger gefragt, ob auch er in Muri bestattet werden könne. ‹Selbstverständlich›, habe ich geantwortet», teilt Egli mit.

Auch zu Lebzeiten wollen die Habsburger ihr Kloster in Muri besichtigen, wie kürzlich Erzherzog Radbot, ein Nachfahre der Florentiner-Linie. «Die Mutter des Erzherzogs brach in Tränen aus, als sie einen Blick in die Taufbücher des Klosters getan und darin ihre Familie gefunden hatte», so Egli.

Kaiser Karl I. als Bürokollege

Ein grosser Wunsch der Habsburger-Familie war, im Kreuzgang des Klosters eine Nachbildung der Büste des letzten Kaisers von Österreich, Karl I., aufzustellen. Gegenwärtig steht eine Kopie davon im Büro von Martin Egli. Diese hat eine weite Reise vor sich. «Ein Kloster in den USA hat die Büste bestellt», teilt Egli mit. Bis zur Verschiffung teilt also Kaiser Karl das Büro eines Murianers, der unermüdlich für sein grosses Erbe eintritt. Aber eine Herausforderung warte noch auf die Klosterfreunde, gibt Egli zu bedenken: «Wir müssen auch die kommende Generation mit unserer Idee vertraut machen.»