Unterlunkhofen

90 Jahre und kein bisschen müde: Der Planet bleibt in seiner Backstube

Die Bäckerei-Konditorei Stutz kann dieses Wochenende das 90-Jahr-Jubiläum feiern. Bäckermeister Urs Stutz hat gleich doppelt Grund zum Feiern: Sein Hauptgeschäft in Unterlunkhofen präsentiert sich nach dem Umbau in neuem Kleid.

Dass er einmal das Geschäft seines Vaters übernehmen wird, hätte Urs Stutz in seinen jungen Jahren wohl selbst nicht geglaubt. «Eigentlich wollte ich Bauer werden. Doch dann hat mein Vater mir dasselbe gesagt, wie schon sein Vater zu ihm: «Ich werde dir nie einen Hof kaufen können.» Mit 14 Jahren sei für ihn klar gewesen, dass er so immer als Knecht würde arbeiten müssen. «Also wurde ich Bäcker, wie mein Vater und mein Grossvater.»

Dass sich Vater und Sohn für die Landwirtschaft interessierten, kam nicht von ungefähr. Die heutige Bäckerei-Konditorei Stutz gehörte lange Zeit zum Bauernhof Zum alten Rebstock. «Der Hof war oberhalb der Bäckerei. Er gehörte dem Cousin unseres Vaters. Gegenüber, wo heute unser Parkplatz steht, war die Scheune», erinnert sich Stutz’ Schwester Doris Herzog, die heute selbst im Geschäft tätig ist. Die fünf Geschwister hätten in ihrer Kindheit viel Zeit auf dem Hof verbracht – viel mehr als in Vaters Backstube. «Jeder von uns hatte sein Ämtli», erzählt Stutz. Doch sonst hätten sie nicht sehr oft in der Bäckerei mitgearbeitet. «Urs ist der Jüngste, er musste am wenigsten helfen», erinnert sich Herzog lachend.

Seit 90 Jahren bäckt die Familie Stutz in Unterlunkhofen

Auf seine Karriere scheint sich das nicht, ausgewirkt zu haben. Seit 20 Jahren führt Urs Stutz die Bäckerei-Konditorei erfolgreich in der dritten Generation. Sein Vater Xaver Stutz übernahm das Geschäft im Jahr 1970 von seinem Vater Jakob. Dieser wiederum kaufte die Bäckerei vor 90 Jahren seinem Schwiegervater ab. Nebst vielen Erinnerungen an diese Zeit ist der Bäckerei auch etwas an Inventar übrig geblieben. «Das ist unser Grossvater und daneben der Planet», erklärt Doris Herzog und zeigt auf eine alte Fotografie. «Der Planet ist eine Teigmaschine. Sie steht noch immer in der Backstube und funktioniert bis heute.» Ansonsten hat sich aber ziemlich viel verändert. So gehören neben dem Hauptgeschäft in Unterlunkhofen unterdessen auch eine Filiale auf dem Mutschellen und seit 2015 auch Stutz’ ehemaliger Lehrbetrieb, das Café Moos in Widen, das jetzt Kafi Stutz heisst, dazu. Auch im Innern erinnert heute nicht mehr viel an früher. Die Backstube wurde erweitert und der Holzofen längst durch einen elektrischen ersetzt.

Und ab morgen präsentiert sich auch die Verkaufsfläche neu. In der vergangenen Woche wurde der Laden komplett renoviert – das erste Mal seit 1992. «Es war ein sportlicher Umbau, wir hatten nur eine Woche Zeit, länger konnten wir den Laden nicht schliessen», erklärt Herzog. Der Laden habe einen «moderneren Touch» erhalten. «Auch technisch sind wir wieder auf dem neusten Stand. Das war nötig, unsere Kühlanlagen waren dem Tode geweiht», erzählt er.

Als Optimisten mit blauem Auge davongekommen

In einer Zeit, in der sich viele Unternehmen kaum über Wasser halten können, wirkt ein solcher Umbau ungewöhnlich. Ganz ohne Bedenken hätten sie diesen tatsächlich nicht gestartet. «Es ist eine grosse Investition, die man sich gut überlegt. Aber ich muss und darf auch noch 20 Jahre hier arbeiten.» Ausserdem hätte sie der Lockdown nicht so hart getroffen. «Natürlich hatten wir grosse Verluste, wir mussten die Filialen und das Restaurant schliessen und Kurzarbeit anmelden», so Herzog. Ihr Bruder ergänzt: «Aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Wenn wir Pessimisten wären, hätten wir den Umbau nicht gemacht.»


Der Umbau sollte mit einem Apéro gefeiert werden, aufgrund der aktuellen Situation haben sich Stutz und Herzog aber dagegen entschieden. Ein Dankeschön an die Kundschaft gibt es dennoch: «Wir haben vor dem Umbau Flyer mit einem Gutschein für einen kostenlosen Zopf verteilt. Den kann man am Sonntag einlösen», so Herzog. Und Urs Stutz verspricht: «Im Jahr 2022 feiern wir unser 100-Jähriges. Da wird der Apéro sicher nachgeholt.»

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