Muri
89 Prozent der Fussgängerstreifen in Muri überflüssig?

Ginge es nach der gesamtschweizerisch gültigen Norm für die Bewilligung oder Aufhebung von Fussgängerstreifen, müssten 89,5 Prozent der 38 Murianer Zebrastreifen aufgehoben werden. Das hält die Dokumentationsstelle Kind und Umwelt fest.

Eddy Schambron
Merken
Drucken
Teilen
An der Bachstrasse in Muri gibt es mit einer Ausnahme keine Fussgängerstreifen.

An der Bachstrasse in Muri gibt es mit einer Ausnahme keine Fussgängerstreifen.

Die Norm bezeichnet unter anderem Zebrastreifen oder Strassen, die von weniger als 25 Personen pro Stunde während eines Tages überquert werden oder weniger als 40 bis 50 Querungen in einer Stunde zu Spitzenzeiten erreichen, als «ungeeignet».

Die Dokumentationsstelle hat Muri mit seinen 7000 Einwohnern zum Beispiel genommen und die Anzahl Querungen auf den Zebrastreifen gemessen: Von insgesamt 38 Streifen erreichen nur gerade vier die geforderte Frequenz von 40 bis 50 Querungen zu Spitzenzeiten.

Fragwürdig findet Marco Hüttenmoser von der Dokumentationsstelle die Begründung für die Umsetzung dieser Norm: Man wolle keine Zebrastreifen, welche die Fussgänger in falscher Sicherheit wiegen würden, Ortskundige Motorfahrzeuglenker würden schwach frequentierte Zebrastreifen übersehen, was vermehrt zu Unfällen führe. Die Behauptung, dass sich auf schwach frequentierten Zebrastreifen vermehrt Unfälle ereignen würden, habe - wie dies ein neuer, noch nicht publizierter Forschungsbericht des Bundesamtes für Strassen belege - bis heute nicht nachgewiesen werden können. «Einmal mehr erweist sich unsere Verkehrspolitik als eine Politik zugunsten der Stärkeren, der Motorfahrzeuglenker. Unter die Räder kommen die schwächeren Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Kinder», hält Hüttenmoser weiter fest.