Kelleramt
800 Bachforellen gingen zum ersten Mal baden

Im Arnerbach wurden 800 Bachforellen-Sömmerlinge ausgesetzt. Längerfristig möchte Fischenzpächter Hansueli Scheidegger auf den Einsatz von Jungfischen verzichten.

Fabian Hägler
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Fischenzpächter Hansueli Scheidegger

Fischenzpächter Hansueli Scheidegger

Hansueli Scheidegger, langjähriger Pächter der Fischenz Nummer 84 im Kelleramt, ist ein Optimist. Auch wenn Scheidegger in den letzten Jahren manchen Rückschlag hinnehmen musste, setzte er kürzlich wieder 800 Bachforellen-Sömmerlinge aus. Neun bis zehn Monate alte Bachforellen mit einer Länge von rund acht Zentimetern entliessen Scheidegger und seine Freunde in die Freiheit. Im Arnerbach schwimmen seither die Jungfische aus der Zucht von Gusti Nadler aus Rohr. Scheidegger setzte mehr Forellen aus, als der Kanton vorschreibt: Gemäss dem neu überarbeitetem Aargauer Besatzplan waren dieses Jahr 600 Bachforellen-Sömmerlinge vorgeschrieben.

Da der Bach im Moment gemächlich fliesst, blieben die Bachforellen auch eher am Ort, was dem Fischenzpächter die Beobachtung des Bestandes erleichtert. Um die Überlebenschancen der Besatzfische zu verbessern, setzt der Fischenzpächter seit vielen Jahren konsequent nur Brut oder Sömmerlinge aus.

Blätter am Start der Nahrungskette

Nahrung gibt es im Bach genug für die Jungfische: Zweimal im Jahr ist das Lunkhofer Tobel gesprenkelt – im Frühling mit hellgrünen und im Herbst mit gelben, roten und braunen Farbspritzern. Von den für die Gegend um den Höhenschutzfall so typischen Steilhängen rutscht das gefallene Laub ungehindert in den Bach, bildet dort zunächst bunte und später in den tieferen Schichten dreckbraune Unterwasserblätterteppiche, die sich allmählich zersetzen und schliesslich den Beginn neuer Nahrungsketten darstellen.

«Vom organischen Laubschlamm ernähren sich Kleinorganismen, die wiederum von Insektenlarven gefressen werden, welche den Bachforellen als hauptsächliche Nahrung dienen», erklärt Scheidegger. Ausserdem fressen die ausgesetzten jungen Bachforellen auch Krebstiere, Insekten, Spinnentiere, Würmer und eingeschwemmte Landinsekten.

In den nächsten Wochen wird der Pächter ab und zu den Arnerbach besuchen und nach «seinen» Bachforellen Ausschau halten. «Wenn die Fischlein den Winter gut überstehen, war der Besatz erfolgreich», meint Hansueli Scheidegger.

Keine grundlegende Verbesserung

Sein Wunsch ist jedoch die Wiederherstellung intakter Gewässer mit guter Wasserqualität, in denen die Fische gedeihen und sich natürlich vermehren können. Scheideggers Ziel wäre es, in den Bächen im Kelleramt nur noch wenig Stützeinsätze vornehmen zu müssen. «Eine wirklich gesunde Fischpopulation lebt von der Selbstverlaichung», sagt er. Doch davon sei man immer noch weit entfernt. Im Tobel- oder Arnerbach haben sich trotz des unermüdlichen Einsatzes von Scheidegger die Wasserqualität, die Wasserstruktur, die Lebensräume für Tier- und Pflanzenwelt, die Fortpflanzungsbedingungen und der Fischbestand noch nicht grundlegend verbessert.

Die Situation ist anderen Regionen des Kantons nicht besser: «In den Bächen im Kanton Aargau wurden im Jahr 2008 mit 3671 Stück noch einmal rund 1000 Bachforellen weniger gefangen als im Vorjahr», liefert Scheidegger konkrete Zahlen.

Massnahmen sind aus seiner Sicht in den Bereichen Verbesserung der Wasserqualität, Verbesserung der Gewässerlebensräume und ökologische Ausrichtung der Fischerei vorzusehen. «Natürlich sind solche Programme nicht frei von Konflikten und Kompromissen», räumt Scheidegger ein. Sehr ärgerlich sind für ihn insbesondere die immer wiederkehrenden Wasserentnahmen aus den Bächen in den Sommermonaten.