Neujahrsblätter Bremgarten

73-Jährige sammelt 7000 Franken von 70 neuen Gönnern in zwei Monaten

Dora Weissenbach hatte im Januar und Februar ihr wöchentliches Walking-Training direkt auf die Strassen Bremgartens und Zufikons verlegt.

Dora Weissenbach hatte im Januar und Februar ihr wöchentliches Walking-Training direkt auf die Strassen Bremgartens und Zufikons verlegt.

Sie ist bekannt als Förderin des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Ihr Mann produzierte die Neujahrsblätter in der eigenen Druckerei. Heuer hat Dora Weissenbach Bremgarten und Zufikon durchwandert, um neue Gönner für die Neujahrsblätter zu finden.

Ein Blick auf die Gönnerliste genügte, und der Funke war entzündet. «Das konnte ich einfach nicht glauben», erzählt Dora Weissenbach. Die Entrüstung schwingt immer noch in ihrer Stimme mit. «Da standen früher viele Namen. Kaum ein Geschäft, kaum eine der bekannten Familien von Bremgarten und Umgebung verzichtete darauf, die Neujahrsblätter als Gönner zu unterstützen.»

Ihr verstorbener Mann, Hans Weissenbach, hatte die Neujahrsblätter seit 1959 in seiner Druckerei produziert und war die treibende Kraft bei der Überführung der Schodoler-Gesellschaft in einen eingetragenen Verein. So stand die Gesellschaft als Herausgeberin des Jahrbuches auch juristisch auf soliden Beinen. Hans und Dora Weissenbach gehörten dann auch der Redaktionskommission an, die heute von Fridolin Kurmann geleitet wird.

Überzeugungskraft im Herzen

«Vor einigen Jahren gab es schon einmal einen Einbruch bei den Gönnern», erinnert sich die 73-Jährige. «Damals marschierte ich einfach los und klapperte alle Geschäfte in Bremgarten ab. Auf diese Weise habe ich an zwei Nachmittagen 4000 Franken gesammelt.» Was lag also näher, als diese bewährte Form des Direktmarketings wieder aufleben zu lassen? Mit einem Bund Neujahrsblätter 2018 unter dem Arm und mit Überzeugungskraft im Herzen machte sich Dora Weissenbach auf den Weg. «Ich bin kreuz und quer durch Bremgarten und Zufikon gelaufen. Ich habe buchstäblich Klinken geputzt und viele Leute auch direkt auf der Strasse angesprochen», erinnert sich die Frau, die als Förderin des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in und um Bremgarten schon seit vielen Jahren einen klingenden Namen hat.

Wer mindestens 100 Franken an die Schodoler-Gesellschaft überweist, wird in den Neujahrsblättern als Gönner publiziert. «Das ist doch für jedes Geschäft eine gute Gelegenheit, für sich Werbung zu machen», sagt Weissenbach. «Auch in die Beizen bin ich reingegangen. Da hat es oft geheissen: ‹Wa machsch du de do? Wotsch öppis?› Und ich habe dann immer ganz frech gesagt: ‹Klar wotti öppis!›»

70 neue Gönner

So kam sie mit vielen Leuten ins Gespräch und holte mit ihrer direkten Art auch da und dort mehr heraus, als sie angeboten bekam: «Ich kenne ja sehr viele Leute hier. Wenn einer, von dem ich wusste, dass er es eigentlich schon hätte, knausrig tag, dann spöttelte ich manchmal: ‹Für dich ist das ja schon ein kläglicher Betrag...› Und schon bekam ich mehr.» Das Ergebnis ihrer Sammelaktion, die sie während zweier Monate auf Trab hielt, sind 70 neue Gönner, also rund 7000 Franken, die für die Produktion der Neujahrsblätter 2019 zur Verfügung standen. «Meine Motivation war der Einsatz all dieser tollen Autoren, die für die Neujahrsblätter schreiben», so Weissenbach. «Das sind so gut geschriebene Beiträge, dass es einfach schade wäre, es würde die niemand lesen.»

Nicht nur für Bremgarter

Redaktionskoordinator Kurmann ist des Lobes voll: «Dieser Effort von Dora Weissenbach ist bewundernswert. Wir sind ja finanziell immer an der Grenze. Das hat uns jetzt sehr geholfen. Und sie hat die Neujahrsblätter vielen Menschen näher gebracht, die sonst vielleicht denken, das wären nur Geschichten für Ur-Bremgarter.» Dass dem nicht so ist, erkennt jeder, der die Ausgabe 2019 aufschlägt und die Texte geniesst. 

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