Villmergen
700 Unterschriften für die Rettung des Dorfblatts

Die Initiative zur Rettung der Villmerger Zeitung hat die erste Hürde genommen.

Andrea Weibel
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An zwei Standaktionen sammelten Verwaltungsratspräsident Bruno Leuppi (Mitte) und seine Mitarbeiter Unterschriften für den Erhalt der Villmerger Zeitung. Am 3. Juni kommt die 155000 Franken teure Vorlage vor die «Gmeind». zvg/Philipp Indermühle

An zwei Standaktionen sammelten Verwaltungsratspräsident Bruno Leuppi (Mitte) und seine Mitarbeiter Unterschriften für den Erhalt der Villmerger Zeitung. Am 3. Juni kommt die 155000 Franken teure Vorlage vor die «Gmeind». zvg/Philipp Indermühle

zvg/Villmerger Zeitung

Die Villmerger Zeitung, die seit 2013 über Leben, Politik, Sport und Kultur im Dorf berichtet, hat Finanzprobleme. Nach der Anschubfinanzierung durch die Ortsbürgerstiftung hätte sie mittlerweile von Inseraten leben sollen. Doch diese nahmen seit einiger Zeit stetig ab. Jetzt setzt der Verwaltungsrat unter Präsident Bruno Leuppi auf die Villmergerinnen und Villmerger. Am 3. Juni soll an der Gemeindeversammlung der jährliche Beitrag von 25 000 auf 155 000 Franken aufgestockt werden. Der erste Schritt dazu ist bereits geschafft: 408 Unterschriften waren nötig, um eine Initiative lancieren zu können. «Nach zwei Standaktionen war dies bei weitem übertroffen, und es kommen täglich mehr Unterschriftenbögen per Post hinzu. Heute sind es bereits über 700 Leute, die uns unterstützen. Darüber freuen wir uns gewaltig», hält Leuppi fest.

Dabei sei die zweite Standaktion Ende Februar ganz anders ausgefallen als erwartet: «Es kamen viel weniger Leute als beim ersten Mal», berichtet Redaktionsleiterin Therry Landis. «Dafür brachten viele gleich volle Unterschriftenbögen mit. Damit hätten wir wirklich nicht gerechnet. Die grosse Unterstützung sehen wir als Zeichen, dass viele Villmerger hinter uns stehen.» So kann die Initiative am 10. März dem Gemeinderat übergeben werden.

Grösster Schritt kommt noch

Die Rettungsaktion ist bisher also besser gestartet, als die Zeitungsmacher sich erträumt hatten. Jedoch haben sie den grössten Schritt noch vor sich: Wird die Initiative als gültig anerkannt, kommt sie am 3. Juni vor die «Gmeind». «Dort wird sich zeigen, wie wichtig das Stück Kultur, das die Villmerger Zeitung darstellt, der Bevölkerung ist», sagt Leuppi. Die 155 000 Franken entsprechen immerhin einem Steuerprozent der Gemeinde. Leuppi rechnet vor: «Anders ausgedrückt entspricht der Betrag einem Franken pro Einwohner pro Ausgabe.»

Der Verwaltungsratspräsident lässt sich aber nicht durch die vielen Unterschriften in Sicherheit wiegen, die durch zwei Standaktionen und die Beilage der Unterschriftenbögen in der Villmerger Zeitung zusammengekommen sind, die wöchentlich in sämtliche Haushalte geliefert wird. Denn ein Antrag zur Finanzierung der Dorfzeitung ist bereits am 27. November mit 83 zu 57 Stimmen abgelehnt worden. «Nun können wir nur hoffen, dass die Unterschreiber am 3. Juni auch an die Gemeindeversammlung kommen. Wenn nur ein Drittel erscheinen und uns unterstützen würde, wäre das ein deutliches Zeichen für gelebte Demokratie zugunsten der Kultur im Dorf.»

«Nein» wäre Aus für Zeitung

Leuppi ist sich bewusst, dass die Initiative der letzte Strohhalm ist, an dem sich die Villmerger Zeitung festhält. «Falls die Budgeterhöhung an der Gemeindeversammlung nicht durchkommen sollte, wäre das das Aus für die Zeitung, dann würde Ende Juni die letzte Ausgabe erscheinen, alles andere wäre unverantwortlich.» Bis dahin kommt die Zeitung mit den 75 000 Franken aus, die ihr die Ortsbürgerstiftung eigentlich bis 2018 in jährlichen Tranchen zugesichert hat, die sie nun aber gebündelt erhält. Eine Beschwerde wurde zurückgezogen. Doch selbst mit der Finanzspritze von 155 000 Franken muss die Zeitung jährlich rund 200 000 Franken an Inseraten generieren, damit sie weiterhin bestehen kann. Denn der jährliche Betriebsaufwand liegt bei 350 000 Franken.