Jubiläum
700 Jahre Büschikon und trotzdem gibt es kein Fest

Büschikon, der kleine Weiler oberhalb von Tägerig, wird dieses Jahr 700 Jahre alt. 1315 taucht der Name Büschikon zum ersten Mal in einer Urkunde auf. Das Jubiläum löst aber kein besonderes Fest aus. Das sagt Rolf Meier, Gemeindeschreiber in Tägerig.

Jörg Baumann
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Im Weiler Büschikon, der idyllisch über der Reussebene liegt, leben heute 33 Menschen.

Im Weiler Büschikon, der idyllisch über der Reussebene liegt, leben heute 33 Menschen.

Toni Widmer

Keine Feier für den 700-jährigen Weiler: «Büschikon gehörte schon immer zur Gemeinde Tägerig, die 1989 den 800. Geburtstag feierte», sagt Rolf Meier, Gemeindeschreiber in Tägerig. «Deshalb verzichten wir auf eine Nachfeier für Büschikon.»

Ein Haus auf der Grenze

Seis drum: Büschikon ist auch ohne Jubiläumsfest ein Weiler mit einem intakten Dorfleben. 33 Menschen leben hier. Das weitaus grössere Tägerig zählt 1432 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Brandkataster von 1805 verzeichnet in Büschikon fünf Wohnhäuser mit acht Familien. Alle hiessen Meyer, seit 1830 Meier.

Die Büschiker liefern ihre Steuern nach Tägerig ab, auch jener Einwohner, dessen Haus genau auf der Gemeindegrenze zu Hägglingen liegt. Die eine Hälfte des Wohnhauses steht auf Hägglinger Boden, die andere Hälfte und die angebaute Scheune auf Tägliger Gemeindegebiet.

Büschikon pflegt aber auch enge Beziehungen zur Nachbargemeinde Hägglingen. Von dort bezieht der Weiler das Trinkwasser und den Strom. Die Post kommt ebenfalls von Hägglingen.

Wenn es in Büschikon brennen sollte, müsste die regionale Feuerwehr Mellingen ausrücken, teilt Rolf Meier mit. Auch schon verlegte der Musikverein Tägerig sein traditionelles Waldfest, das normalerweise in Tägerig stattfindet, nach Büschikon. «Bei schlechtem Wetter kann der Verein bei Bruno Büschler unterkommen. Er stellt uns jeweils einen Unterstand zur Verfügung», sagt Meier, selber ein aktiver Musikant in Tägerig.

Gleichzeitig mit Morgarten

Der Name des Hofes Böschen, der seit 1343 Büschikon heisst, taucht am 13. Juni 1315 zum ersten Mal in einem Dokument auf. Geschichtsbewusste Leute erinnern sich daran, dass ebenfalls 1315 die Eidgenossen in der Schlacht am Morgarten die Habsburger Ritter vernichtend geschlagen haben.

In der Urkunde von Büschikon steht geschrieben, dass Ulrich der Meyer von Rohrdorf und Bürger von Mellingen, all sein «liegendes und fahrendes Gut», worunter auch ein «Acher zu Böschen (Büschikon) und einer zu Tegerang (Tägerig)» an die Meisterin und den Konvent des Gotteshauses Gnadenthal vergeben habe. Die Frauen von Gnadenthal revanchierten sich beim grossherzigen Donator Meyer und nahmen ihn im Kloster auf.

Aus der Geschichte von Büschikon sticht die Tatsache hervor, dass der Weiler im 17. und 18. Jahrhundert quasi halbiert ist in den vorderen oder oberen und den unteren Hof. Der Flecken wechselte mehrmals seinen Eigentümer. Die Büschiker besassen das Recht, sich selber mit Holz zu versorgen. Aus einem gerichtlichen Entscheid von 1771 geht hervor, dass jeder Bauer in Büschikon dem Weibel von Hägglingen eine Garbe von den in Hägglingen liegenden Feldern zu entrichten hatte.

Eine Kapelle als Geschenk

Durch ein gütiges Schicksal kam Büschikon zu einer Kapelle. Im verheerenden Bauernkrieg von 1653 wurde Ulrich Stutz von Büschikon, Untervogt und Führer der Bauern, gefangen genommen, konnte aber die Unaufmerksamkeit der Wachen nutzen und fliehen. Damit entging er der sicheren Folterung und der Todesstrafe.

Über zehn Jahre hielt sich Ulrich Stutz, um nicht erneut verhaftet zu werden, im Ausland auf. Sein Reichtum erlaubte es ihm, durch eine hohe Loskaufsumme amnestiert zu werden und nach Büschikon zurückzukehren. Aus Dankbarkeit stiftete Stutz ein Gebetskreuz und die Kapelle, die im Weiler bis auf den heutigen Tag sorgfältig gepflegt werden.