Oberwil-Lieli
700 Grad und 1700 Liter Dampf – Feuerwehrler im Dampfkochtopf

Die Feuerwehren vom Kelleramt und Mutschellen haben in Oberwil-Lieli eine gemeinsame Atemschutzübung unter realistischen Bedingungen im Brandcontainer gemacht. Die az hat das Geschehen live mitverfolgt.

Toni Widmer
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Atemschützer rücken im Brandcontainer zu einem Brandherd vor, die Temperaturen betragen bis zu 700 Grad. Toni Widmer

Atemschützer rücken im Brandcontainer zu einem Brandherd vor, die Temperaturen betragen bis zu 700 Grad. Toni Widmer

Toni Widmer

Die Schwierigkeit sei weniger die Hitze im Brandcontainer, sagt Marcel Hottinger, Vizekommandant der Feuerwehr Zufikon. Zwar werde es dort im Deckenbereich bis zu 700 Grad heiss und auf der Höhe von 1,3 Metern, im Arbeitsbereich der Atemschützer, betrage die Temperatur immer noch 150 bis 200 Grad. «Was den Leuten am meisten zu schaffen macht, ist der Dampf, der entsteht. Mit einem Liter Löschwasser generieren wir 1700 Liter Wasserdampf, da wird der Brandcontainer innerhalb von Sekunden zum Dampfkochtopf.»

Realistische Bedingungen

Das spürt auch der az-Reporter, der durch eine (ausnahmsweise) geöffnete Türe das Geschehen in der MBA (Mobile Brandsimulationsanlage) verfolgen darf. Kaum haben die Atemschützer die Flammen in einem Winkel und an der Decke des Raumes gelöscht, kommt ihm so heisser Wasserdampf entgegen, dass er unweigerlich ein paar Schritte zurückweichen und danach seine beschlagene Brille sowie das Kameraobjektiv putzen muss.

Die Atemschützer können weder dem Wasserdampf ausweichen, noch ihr Helmvisier in Ruhe reinigen. Die Türe geht zu, sie rücken im heissen Container vor und löschen weitere Brände, die der Instruktor über seinen Joy-Stick nach und nach entfacht. «Wir Feuerwehren aus der Region organisieren alle zwei Jahre eine realitätsnahe Weiterbildung für unsere Atemschützer», erklärt Marcel Hottinger. Neben dem Einsatz im Brandcontainer wurden am Freitag und Samstag in Oberwil-Lieli – unter anderem – auch der Brand-Angriff mit dem Strahlrohr trainiert sowie das Absuchen von verrauchten Räumen geübt.

Daneben war ein Raum im Feuerwehrmagazin in eine Disco umfunktioniert worden, in der die Atemschützer in völliger Dunkelheit und im dichten Rauch nach verletzten Personen suchen mussten. Rund sechs Dutzend Atemschützerinnen und Atemschützer der Feuerwehren Arni-Islisberg, Oberlunkhofen-Jonen, Oberwil-Lieli und Zufikon nahmen an dieser mit hohem Aufwand vorbereiteten Weiterbildung teil und zeigten durchweg viel Einsatz und grosses Engagement.

«Gut ausgebildete Atemschützer sind in einer Feuerwehr sehr wichtig. Bei den heute verwendeten Baumaterialien entstehen im Brandfall so giftige Dämpfe, dass Feuerwehrleute sich in Lebensgefahr begeben würden, wenn sie ungeschützt im Rauch vorrücken.»

Das periodische gemeinsame Atemschutztraining der Feuerwehren vom Kelleramt und Mutschellen dient nicht nur der Weiterbildung: «Bei grösseren Ereignissen sind meist Atemschutzkorps aus mehreren Feuerwehren im Einsatz. An diesen Übungen fördern und festigen wir auch die regionale Zusammenarbeit, was sich im Ernstfall positive auswirkt», erklärt Marcel Hottinger.