Geltwil
62 Stimmen fordern eine eigene (Privat-)Schule für neun Kinder

Mit einer Unterschriftensammlung wird vom Gemeinderat eine Konsultativabstimmung verlangt. Der Grund: Nach der Schulschliessung hat der Gemeinderat eine Lösung mit der Schule Buttwil favorisiert. Dagegen formiert sich Widerstand.

Eddy Schambron
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Doch noch Standort für eine Privatschule? Über 60 Unterzeichnende fordern vom Gemeinderat, die Ansicht der Bevölkerung zu erfragen. ES

Doch noch Standort für eine Privatschule? Über 60 Unterzeichnende fordern vom Gemeinderat, die Ansicht der Bevölkerung zu erfragen. ES

Eddy Schambron

Es sind genau 62 Geltwilerinnen und Geltwiler, die mit ihrer Unterschrift die Erhaltung der Schule im Dorf fordern – mit einem Versuch mit der Privatschule Sonnenweg von Angela Fisch. Das ist bei 200 Einwohnern eine beachtliche Anzahl. Dazu kommt eine Kinderliste mit neun Namen. Nachdem der Gemeinderat Geltwil an einer Orientierungsversammlung am 15. Februar nach der Schliessung der Schule eine Lösung mit der Schule Buttwil favorisierte, formiert sich Widerstand gegen das gemeinderätliche Vorgehen: In einem Brief verlangen die Unterzeichnenden vom Gemeinderat die Durchführung einer schriftlichen Konsultativabstimmung in der Gemeinde mit der Frage: Wollen Sie einen Versuch für mindestens ein Jahr mit der Privatschule Sonnenweg von Angela Fisch als Schulangebot für die Geltwiler Kinder eingehen, ja oder nein?

Für «Herzstück» der Gemeinde

Die Gesamtschule Geltwil muss wegen der zu geringen Kinderzahl (im nächsten Schuljahr neun Kinder) schliessen. An der Orientierungsversammlung hatte der Gemeinderat erklärt, dass er von drei Alternativen – Besuch der Primarschule in Beinwil oder Buttwil, Etablierung einer Privatschule – die Lösung mit Buttwil bevorzugt . Einerseits besteht nach Buttwil eine Postautolinie, andererseits wäre der finanzielle Aufwand rund halb so gross pro Kind wie in einer Privatschule. Es sei an der Versammlung nicht primär um das Wohl der Kinder gegangen, sondern um Einzelinteressen beziehungsweise um Geld, um «die Belange des kinderlosen Steuerzahlers», heisst es nun im Brief an den Gemeinderat. «Das grösste Anliegen unserer Gemeinde sollte der Erhalt der Schule sein, eine Schule, für die die meisten Bürger der Gemeinde in der Vergangenheit ein Ja gaben und die das Herzstück des Dorfes darstellt.»

Mit dem neuen Schulhaus sei die Infrastruktur vollumfänglich gegeben, die Kinder hätten mit der Chance für die Privatschule für ein weiteres Jahr ein vertrautes Umfeld. Die Gemeinde bleibe attraktiv für den Zuzug von Familien, die Bindung der Kinder an ihr Dorf sei grösser, wenn die Kinder auch hier zur Schule gehen beziehungsweise gegangen sind. Ein Probejahr für die Privatschule sei eine Chance, bei der die Gemeinde beziehungsweise die Steuerzahlenden kein Risiko eingingen, wohl aber steuerzahlende Einwohner und Eltern zufriedenstelle und das Wohl der Kinder und damit zukünftigen Steuerzahler in den Vordergrund stelle.

Mit der schriftlichen Konsultativabstimmung mit Einsendeschluss 15. März soll nach Ansicht der Unterzeichnenden jetzt die tatsächliche Haltung der Bevölkerung abgeklärt werden. Noch vor Ende März wollen sie das Resultat ausgewertet und bekannt gegeben haben.

Schulpflege «mit Interesse»

Die Schulpflege hat Kenntnis von der Unterschriftensammlung, wie deren Präsidentin Corinne Arnold bestätigt. Aber weiter will sie sich nicht dazu äussern. «Wir haben unsere Arbeit getan und die verschiedenen Alternativen aufgezeigt», sagt sie. Es war die Schulpflege, die die neu zu gründende Privatschule Sonnenweg von Angela Fisch ins Spiel gebracht hatte. «Wir werden jetzt mit Interesse die weitere Entwicklung verfolgen.»

Vergleich: In Wiliberg funktioniert Privatschule

Ein vergleichbares Beispiel ist die aargauische Kleinstgemeinde Wiliberg: 163 Einwohner, Schulschliessung wegen zu geringer Kinderzahlen. Die Lösung lautete hier Privatschule. Die Primarschüler (1. bis 6. Klasse) werden jetzt in der privaten Tagesschule Wannenhof/Wiliberg in Wiliberg unterrichtet. Der Kindergarten wird in Reitnau besucht, wobei der Schülertransport durch Eltern direkt organisiert wird. Die Sekundar- und Realschule wird in Reitnau und Staffelbach, die Bezirksschule in Schöftland besucht.

In einer Sendung von SRF 1 vom 15. Februar sagt Bauer und Gemeindeammann Stefan Müller zur Lösung mit der Privatschule: «Es gibt skeptische Leute, ich selber gehörte auch dazu. Wir wurden jedoch rasch überzeugt.» Heute ist die Schule fest etabliert. Neun Kinder aus Wiliberg und zwölf aus anderen Gemeinden besuchen sie. Die Gemeinde zahlt die Schulgelder für die Kinder aus dem eigenen Dorf. Pro Kind sind das rund 20 000 Franken pro Jahr. Ein Transport in eine öffentliche Schule in einer anderen Gemeinde wäre im Fall von Wiliberg ausserdem teurer, argumentiert Gemeindepräsident Müller. Zudem sei eine eigene Schule wichtig: «Wenn jemand zuziehen will, kommt die Frage, wo ist die Schule? Für den Standort Wiliberg ist die Schule sehr wichtig.»

Der Steuerfuss in Wiliberg beträgt 112 Prozent, in Geltwil 90 Prozent. (es)