Beinwil
600 Garben, 60 Puppen, 10 Leute, 1 Bindemäher

Josef Villigers Bindemäher, Jahrgang 1956, funktioniert immer noch einwandfrei. Zusammen mit neun Helfern hat Villiger rund 600 Garben geschnitten – fürs Möriker Traktortreffen. Dieses Jahr findet das Fest vom 23. bis 25. August statt.

Robert Benz
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Josef Villiger bedient den Bindemäher. Im Hintergrund werden die Garben gesammelt und zu Puppen à je10 Stück gestellt, damit sie trocknen können. Am Oldtimertreffen in Möriken wird der Weizen gedroschen.ROB

Josef Villiger bedient den Bindemäher. Im Hintergrund werden die Garben gesammelt und zu Puppen à je10 Stück gestellt, damit sie trocknen können. Am Oldtimertreffen in Möriken wird der Weizen gedroschen.ROB

«Eine Garbe gehört in die Mitte, acht darum herum und eine obendrauf», erklärt Josef Villiger. Der Senior-Chef auf dem Betrieb der Villigers weiss noch genau, wie nach alter Sitte Brauch Weizen geerntet und zu Puppen gestellt wird.

1956 hat sich die Familie den Bindemäher angeschafft. Er funktioniert noch heute wie ein Ührchen. Nämlich so: Die Halme werden von drehenden Holzlatten nach unten gedrückt, und paketweise geschnitten.

Ein Förderteppich schiebt das Schnittgut nach links, wo es aufgestaut und gebunden wird. Die Garben purzeln aufs Feld und werden zu zehnt zu Puppen gestellt, die beim Trocknen idealerweise auch Stürmen standhalten sollten.

Angetrieben vom Dampflokomobil

Paul Müri ist Präsident der Freunde alter Landmaschinen Region Aargau (Falra). Alle vier Jahre hilft er bei der Organisation des Möriker Oldtimer-Traktortreffens. Dieses Jahr findet das Fest vom 23. bis 25. August statt. Mit dabei: 600 Beinwiler Weizengarben.

Weizengarben fürs Traktortreffen? Natürlich, denn nur so kann die vereinseigene Aebi-Dreschmaschine der Falra am Fest dem Publikum vorgeführt werden. Angetrieben wird sie von einem Dampflokomobil.

Aus diesem Grund wird bereits der Weizen stilecht geerntet, der am Oldtimerfest gedroschen wird. Ein solcher Schnitt ist in Beinwil inzwischen selten, gefällt den Beteiligten aber umso besser.

Begeisterung für moderne Technik

«Es ist schön, alle vier Jahre einmal mit dem Bindemäher zu mähen», freut sich Josef Villiger. Paul Müri ist nicht weniger begeistert: «Man sieht hier noch, wie die Dinge funktionieren.» Nicht weniger fasziniert zeigt sich Müri von der modernen Technik.

Ein Mähdrescher sei ein beeindruckendes Gerät, nicht zuletzt deswegen, weil der Ernteverlust auf unter ein Prozent verringert werden kann. «Ohne diese Geräte könnte man gar nicht so viele Leute ernähren», so Müri, «und dass Mähen und Dreschen mit Bindemäher und Dreschmaschine heute finanziell keinen Sinn mehr macht, weiss jeder.»

Trotz aller Veränderung: Ein kühles Getränk im Schatten nach getaner Arbeit liessen sich die acht Helfer, Villiger und Müri natürlich nicht entgehen. Zugegebenermassen weder Most, Kirsch noch Zuckerwasser wie früher, dafür frische Holunder-Melissen-Limonade aus der Landi.

8. Internationales Oldtimer-Traktortreffen Möriken, 23 – 25. August mit Dampfdreschen und Sonderschau Ladewagen.