Bremgarten
50 Jahre alt und heute unter Heimatschutz: Genie-Kaserne war kein Genie-Streich

Die Truppenunterkunft in Bremgarten steht seit 50 Jahren und wurde 2002 wegen Einsturzgefahr geschlossen.

Walter Christen
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Die Kaserne Bremgarten (hier eine Teilansicht der Kompaniehäuser mit Unterkünften) feiert 2018 ihr 50-jähriges Bestehen und steht unter Heimatschutz. chr

Die Kaserne Bremgarten (hier eine Teilansicht der Kompaniehäuser mit Unterkünften) feiert 2018 ihr 50-jähriges Bestehen und steht unter Heimatschutz. chr

zvg

«Links, links und links – Kompaniiiiie halt!» So tönte es auf dem Areal der Kaserne Bremgarten, wenn die Rekruten mit ihren Vorgesetzten exerzierten. Das konnten sie ab 1968, denn in jenem Jahr wurde die Anlage auf dem Genie-Waffenplatz eingeweiht. Die Kaserne steht unter Heimatschutz und befindet sich eingebettet in die Landschaft, durch eine Schlaufe der Reuss von der Stadt getrennt, in einer ehemaligen Kiesgrube.

18 850 Franken pro Bett

Zum Kasernenbau konnte die AZ ein paar eindrückliche Zahlen beschaffen: Gesamtgebäudekosten 11,7 Millionen Franken, 91 164 Kubikmeter umbauter Raum, Preis von 129 Franken pro Kubikmeter oder umgerechnet etwa 18 850 Franken pro Bett bei 624 vorhandenen Schlafstellen.

Unteroffiziere tagen in Bremgarten

Das 50-jährige Bestehen der Kaserne Bremgarten nimmt der Schweizerische Unteroffiziersverband (SUOV) zum Anlass, im Reussstädtchen heute Samstag seine 155. Delegiertenversammlung durchzuführen. Teilnehmer und Gäste treffen sich im Casino zur Tagung, welche von Wachtmeister Peter Lombriser, Zentralpräsident des SUOV, eröffnet wird. Vor dem geschäftlichen Teil begrüsst Bremgartens Stadtammann Raymond Tellenbach die Gäste. Es referieren die Aargauer Militärdirektorin Franziska Roth und dann Korpskommandant Daniel Baumgartner, Chef Kommando Ausbildung.

Der Bezug der Kaserne vor 50 Jahren bedeutete gleichzeitig den Auszug der Genie-Rekruten aus dem Reussstädtchen, wo sie vorher jeweils im Kornhaus in der Unterstadt untergebracht waren. Den betrieblichen Anforderungen entsprechend, wurden die einzelnen Baukörper der Kaserne aufgeteilt in vier Kompaniehäuser, in einen Verpflegungstrakt, ein Theoriegebäude, einen Kommando- und Offizierstrakt (Zentrum), in ein Wachtgebäude und eine Motorwagenhalle.

Die Gebäude sind ab Oberkante Kellergeschoss vollständig in vorfabrizierter Bauweise mit insgesamt 4469 Elementen ausgeführt. Das System wurde von den Architekten in enger Zusammenarbeit mit der Element AG in Veltheim entwickelt und bezüglich Wirtschaftlichkeit, spezieller Bedürfnisse und Gestaltung der Bauten eingehend studiert. Die Möglichkeiten der Vorfabrikation wurden so weit ausgeschöpft, dass nach Montage des Rohbaus die Gebäude weitgehend fertiggestellt waren. Jegliche Nachbehandlung von Wänden, Decken und Fassaden erübrigte sich.

«Kaserne vorläufig geschlossen»

Dann kam 34 Jahre nach der Einweihung und Inbetriebnahme der Kaserne eine völlig überraschende Meldung, die in der Öffentlichkeit landesweit für Schlagzeilen sorgte: Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in Bern teilte am 19. Dezember 2002 mit: «Alle Gebäude der Kaserne Bremgarten sind vorläufig geschlossen.»

Was war geschehen? Wegen Einsturzgefahr mussten die Kasernenliegenschaften gesperrt werden. Die grossen Betonhohlkörper wurden beim Bau beidseitig mit Bolzen in die Pfeiler eingesteckt. So konnten sie aber die Bewegungen der Gebäude nicht auffangen. In der Folge platzten dann die Pfeilerkronen.

Von 2003 bis 2007 wurden die Gebäude den neuen SIA-Normen Erdbebensicherheit angepasst und statisch saniert. Die Erneuerung der Kaserne Bremgarten kam um Millionen teurer zu stehen, als der Bau ursprünglich gekostet hatte. Immerhin mussten keine Gebäude abgebrochen oder neu aufgebaut werden. Die Kaserne befindet sich heute in einem statisch guten Zustand. Es gibt aber diverse Massnahmen, welche in nächster Zeit dringend angegangen werden müssen: Sanierung der Nasszellen, Heizung und Warmwasseraufbereitung, Notbeleuchtung, Elektroinstallationen usw. Energetisch muss die Anlage noch mindestens bis zur Gesamtsanierung im Jahr 2028 durchhalten.

Waffenplatz gilt als gesichert

Der Waffenplatz gilt als gesichert, die militärische Nutzung ist weiterhin gegeben im Sinne der Weiterentwicklung der Armee. Deshalb wird auch entsprechend investiert und die Nutzung erhöht. Es sind neben dem Kommando Waffenplatz Bremgarten, auch noch das Kommando Genie/Rettung Lehrgänge und Kurse 74, sowie das Kommando Katastrophenhilfe Bereitschaftsbataillon 104/Durchdiener in Bremgarten stationiert.

Das Jubiläum 50 Jahre Kaserne Bremgarten wird dann am Samstag, 15. September ganz offiziell gefeiert. Es findet für die Bevölkerung ein Tag der offenen Kasernentore statt.