Wohlen
50 Jahre alt: Filmklub überlebte alle Stürme der Kinobranche

Der 1966 gegründete Filmklub will sein Jubiläum gebührend feiern. Er erhält mit einem Filmklassiker am Wohler Open-Air-Kino 2016 einen Auftritt. Weitere Events sollen folgen.

JÖRG BAUMANN
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Sabrina Karpinski, Mitarbeiterin im Kino Rex, und Klubpräsident Daniel Renggli freuen sich auf das Jubiläumsjahr im Filmklub. BA

Sabrina Karpinski, Mitarbeiterin im Kino Rex, und Klubpräsident Daniel Renggli freuen sich auf das Jubiläumsjahr im Filmklub. BA

In einer Aufbruchsstimmung hoben sendungsbewusste Frauen und Männer am 10. Mai 1966 in Wohlen den Filmklub aus der Taufe. Sie hefteten ein Credo an ihre Fahne: Die Gründer wollten dem Publikum im 1960 eröffneten Kino Rex nur künstlerisch wertvolle Filme zeigen und «nicht wahllos» im teilweise minderwertigen Angebot des Kinotheaters wühlen. Diesem Grundsatz ist der Filmklub bis heute treu geblieben. Mit grossem Erfolg: Denn der Filmklub hat in den letzten 50 Jahre alle Stürme überstanden, die der Kinobranche periodisch ins Gesicht bliesen, und geniesst auch heute die Gunst vieler hundert Filmfreunde in der Region.

Jubiläum wird gefeiert

«Wir wollen unser Jubiläum gebührend feiern», sagt Klubpräsident Daniel Renggli (55), der vor 20 Jahren in den Vorstand und vor zehn Jahren zum Präsidenten gewählt wurde. Ein Programmpunkt steht bereits: «Der Filmklub bekommt mit dem Filmklassiker «Nuovo cinema paradiso» von Giuseppe Tornatore am Wohler Open-Air-Kino 2016 einen Auftritt», verrät Renggli. «Andere Ideen, wie wir das Jubiläumsjahr gestalten wollen, sind in Ansätzen vorhanden und müssen noch entwickelt werden.»

Der Wohler Bezirkslehrer Joseph Abt, der sich schon um die Filmerziehung in der Schule gekümmert hatte, stellte sich 1966 dem damals revolutionär wirkenden Filmklub als erster Präsident zur Verfügung. Um ihn scharten sich im Vorstand der Postverwalter Herbert Koch, 41 Jahre lang als Kassier, die Cellpack-Kadermitarbeiter Walter Kälin und Jakob Maier, jahrelang auch Präsident der reformierten Kirchenpflege, der Berufsschullehrer Rudolf Rösti, der Zeichenlehrer Joseph («Bodeff») Strebel sowie Josy Isler-Strebel.

Subtil nahm der Vorstand die Frage an die Hand, wie man mit «Problemfilmen» umgehen wolle. Sie sollten in einem «geeigneten Lokal» gezeigt werden. Der reformierte Pfarrer Roland Staehelin schlug an der Gründungsversammlung vor, neben Studenten und Lehrlingen auch die Ehepaare mit besonders günstigen Eintrittskarten zu beglücken. Die Ehepaarkarten sind erst in jüngster Zeit abgeschafft worden.

«Wir wollten das Kartenangebot vereinfachen und straffen», sagt Renggli. «Unsere Eintrittspreise sind für die Klubmitglieder ohnehin konkurrenzlos günstig.» Man schaffte auch das Zweiklassensystem mit Estrade und erster Klasse ab, um die Administration zu entlasten. Als Bereicherung nahm man schon vor langer Zeit die Sonntagsmatineen und erst kürzlich jedes Jahr einen Filmklassiker ins Programm auf. Damit will der Klub den Filmfreunden noch mehr bieten, als er dies bereits tut.

Am liebsten Filme mit Tiefgang

Der Bezirkslehrer Anton Wohler impfte Daniel Renggli in der Schule die Freude am Filmvergnügen ein. «Welchen Film wir damals sahen, weiss ich nicht mehr», sagt der Klubpräsident. «Aber ich erinnere mich noch, dass wir nach der Kinovorstellung Minigolf spielen gingen.» Anton Wohlers Grundlagenarbeit zeigte Wirkung. Wenn Renggli einmal etwas von seiner spärlichen Freizeit abzwacken kann, dann schwört er auf asiatische, französische, britische und spanische Kultfilme.

Der hochgelobte Quentin Tarantino und die Gebrüder Coen gehören zu Rengglis Lieblingsregisseuren. Am Programm im Filmklub schätzt er Filme aus aller Welt, «aber solche mit Tiefgang». Zuwider sind ihm seichte US-Komödien. Im Filmklub herrscht freilich strikte Gewaltenteilung. «Nicht der Präsident macht das Programm, sondern die Filmauswahlkommission. Sie ist kompetent», sagt Renggli.

Die Erfolgskurve des Filmklubs zeigt mit leichten Schwankungen steil nach oben. Zählte man 2003 noch 400 Klubmitglieder, sind es heute 750. Zusammen mit den vielen anderen Filmfreunden, die nicht eingeschriebene Mitglieder sind und auf den Preisvorteil verzichten, reicht das, um den Klub sicher über Wasser zu halten und immer wieder für ausverkaufte Vorstellungen zu sorgen. «Wir haben jedenfalls von der Gemeinde in den letzten 50 Jahren nie einen Rappen Subvention bezogen», erklärt Renggli stolz. «Der Filmklub ist eine klassische Nonprofit-Organisation. Er steckte auch schon Geld in die Filmförderung.» Die Zusammenarbeit zwischen Filmklub und Kinobesitzer Hansjörg Beck funktioniert einwandfrei.

Das aktuelle Filmprogramm des Filmklubs Wohlen ist abrufbar auf www.filmklub.ch.

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