Sarmenstorf

400 Jahre war der «Ochsen» ein Gasthof – künftig sollen dort Wohnungen entstehen

Der Ochsensaal und die einst legendäre Bar wurden abgebrochen

Der Ochsensaal und die einst legendäre Bar wurden abgebrochen

Der Gasthof Ochsen in Sarmenstorf war bis 2014 eine der ältesten Freiämter Tavernenwirtschaften. Jetzt wird die historische Liegenschaft um- und ausgebaut.

Es hat gedauert: Ende Juni 2014 hat mit dem Gasthof Ochsen in Sarmenstorf eine der ältesten Freiämter Tavernen ihre Türen geschlossen. Die Liegenschaft wurde verkauft und im Februar 2017 die erste Etappe eines Bauprojekts präsentiert, dessen Bewilligungsverfahren sich insgesamt über rund drei Jahre hingezogen hat. Mittlerweile hat das Aargauer Departement Bau, Verkehr und Umwelt die letzte hängige Beschwerde abgewiesen und weil dieser Entscheid nicht weitergezogen worden ist, kann gebaut werden.

Im ehemaligen Wirtshaus sind die Handwerker schon länger an der Arbeit. Das historische Gebäude dürfte in seinen Grundzügen zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden sein. Die Taverne zum Ochsen ist 1606 erstmals urkundlich erwähnt worden und war über 400 Jahre lang eine Gastwirtschaft. Jetzt wird das Haus ausgekernt und das Gebäudeinnere komplett neu aufgebaut. Es gibt einen neuen Treppenaufgang und einen Lift. Über die drei Geschosse werden je zwei Wohnungen mit 2 ½ und 3 ½ Zimmern im behindertengerechten Standard entstehen. Die Fassade zur Marktstrasse hin bleibt dabei praktisch unverändert. Auf der Südseite des Gebäudes werden Balkone angebaut.

Baubewilligungsverfahren in zwei Etappen

Diese erste Bauetappe ist schon Mitte 2017 genehmigt worden. Damit die Baubewilligung nicht verfiel, musste deshalb noch im vergangenen Jahr mit den Arbeiten begonnen werden. Für den Neubauteil ist im Frühsommer 2017 ein zweites Baugesuch eingereicht worden. Anstelle der alten Scheune hinter dem «Ochsen» wird entlang der Leuenbühlstrasse ein Mehrfamilien- haus entstehen. Im dreigeschossigen Bau mit zusätzlichem Dachgeschoss sind 18 Wohnungen mit 2 ½ und 3 ½ Zimmern geplant.

Abgebrochen worden sind in den vergangenen Tagen auch der 1897 erstellte Ochsensaal sowie die darunter liegende Bar mit Kegelbahn, die 1969 realisiert worden ist. Hier wird ein eingeschossiger, der bisherigen Baulinie nachempfundener Trakt entstehen. Im vorderen Teil gibt es einen Gewerberaum, im hinteren Teil die Tiefgarage sowie auf dem Dach einen Gemeinschaftsgarten für das Mehrfamilienhaus.

Bauzeit beträgt rund zwei Jahre

Das planende Architekturbüro Hegi Koch Kolb und Partner hat beim Projekt grossen Wert auf die Eingliederung ins Ortsbild gelegt. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens wurde ein externes Fachgutachten zur städtebaulichen Gestaltung eingeholt und auch der kantonale Ortsbildschutz hat die Verträglichkeit des Projekts aus seiner Warte geprüft.

Der altehrwürdige Gasthof Ochsen (Bildmitte) mit den geplanten Neubauten.

Der altehrwürdige Gasthof Ochsen (Bildmitte) mit den geplanten Neubauten.

«Der Gasthof Ochsen verkörpert zum einen ein Stück Sarmenstorfer Beizenkultur, zusammen mit den ebenfalls markanten Gasthöfen zum Wilden Mann und Adler. Zum anderen bildet das repräsentative Gebäude optisch den Abschluss der Markstrasse, des eigentlichen Dorfzentrums, und ist für das Ortsbild von grosser Bedeutung. Wir sind mit dem nötigen Respekt an die Sache herangegangen», hatte der Architekt Stefan Hegi im Februar 2017 gegenüber der «Aargauer Zeitung» erklärt.

Mit dem Abbruch der Scheune und des Saaltrakts hat die Umsetzung des Projekts in den vergangenen Wochen so richtig Fahrt aufgenommen. Realisiert werden der Umbau wie auch die Sanierung des Hauptgebäudes sowie die Neubauten von der Totalunternehmerin Real Estate GmbH in Villmergen. Laut Till Rageth, der diese Firma zusammen mit Paul Markwalder betreibt, dürfte die gesamte Bauzeit ungefähr zwei Jahre betragen.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

Meistgesehen

Artboard 1