Bünzen

38 Jahre lang Gemeindeschreiber: Beat Kaufmann geht frühzeitig in Pension

Ende November gibt Gemeindeschreiber Beat Kaufmann nach fast 38 Jahren den Schlüssel für das Gemeindehaus Bünzen ab.

Ende November gibt Gemeindeschreiber Beat Kaufmann nach fast 38 Jahren den Schlüssel für das Gemeindehaus Bünzen ab.

Während fast vier Jahrzehnten liefen in Bünzen bei ihm alle Fäden der Gemeindeverwaltung zusammen. Beat Kaufmann arbeitete stets ruhig und effizient.

Er ist die Diskretion in Person: Nach 37 Jahren geht der Bünzer Gemeindeschreiber Beat Kaufmann vorzeitig in Pension. «Nach 37 Jahren und 11 Monaten», präzisiert er, der eben auch die Korrektheit in Person ist. Er wird seine Arbeit, die er bis heute gerne macht, wohl etwas vermissen, wie er einräumt.

«Aber ich will auch noch etwas anderes haben vom Leben.» Konkrete Pläne hat er nicht, aber Kaufmann hofft auf einen richtigen Winter. «Dann werde ich zuerst einmal auf den Skipisten in den Bergen sein», freut sich der durchtrainierte Mann.

Ein Bünzer ist Kaufmann nicht. Er ist in Waltenschwil aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Er empfindet diese Distanz zu Bünzen und die gleichzeitige Nähe mit einem kurzen Arbeitsweg als grossen Vorteil.

Nach der Verwaltungslehre auf der Kanzlei Waltenschwil arbeitete er zweieinhalb Jahre in Menzingen, Kanton Zug, und bewarb sich schliesslich, erst 22-jährig, als Gemeindeschreiber in Bünzen. «Zu meinem eigenen Erstaunen wurde ich gewählt», lacht er.

Seither hat er die Stelle nicht mehr gewechselt, weshalb auch: «Das Umfeld stimmte für mich gut, ich hatte ein gutes Verhältnis zu den Behörden und zur Bevölkerung und ich schätzte die Vielfalt der Arbeit.»

Früher alles ausser Finanzverwaltung

Diese Arbeit bestand in der kleinen Gemeinde auch aus dem Führen des Steueramtes, des Zivilstandsamtes, der Bauverwaltung. «Ich konnte hier alles machen, ausser die Finanzverwaltung.» Mit der Zeit «hängten» die Bünzer ihrem Gemeindeschreiber noch viele Stellvertreterposten an – in der Ackerbaustelle, beim Betreibungsamt, bei der Lebensmittelkontrolle, Preiskontrolle, für den Ortsquartiermeister.

«Die meisten dieser Stellen gibt es gar nicht mehr, bei einigen kam es zu keiner einzigen Amtshandlung», erinnert er sich. Er hat mit vier Gemeindeammännern gearbeitet, dabei mehr als die Hälfte seiner Amtszeit unter weiblicher Führung (Alice Rosenberg und Marlise Müller). Und er war stets die zuverlässige Anlaufstelle für Bünzerinnen und Bünzer bei allerlei Fragen und Problemen – selbst dann, wenn er schon Feierabend hatte.

Ein extrem effizienter Schaffer

Wann wird Bünzen mit Boswil fusionieren? Beat Kaufmann lächelt und sagt: «Das kann ich nicht sagen, das ist ein politischer Entscheid.» Diese Antwort passt 100-prozentig zum Bünzer Gemeindeschreiber, so ziemlich der zurückhaltendste im ganzen Bezirk. Er weiss zwar dank seiner vielen Jahre fast alles über Bünzen, aber das merkt man ihm nicht an.

Er ist absolut neutral und der stille, aber extrem effiziente Schaffer, wie aus seinem Umfeld zu vernehmen ist. «Mit dem Vertrauen von Behörden und Bevölkerung bin ich immer respekt- und verantwortungsvoll umgegangen», umreisst er seine Haltung und will nichts vom Spruch wissen, der Gemeindeschreiber sei eigentlich der sechste Gemeinderat. «Der Gemeindeschreiber hat eine beratende Funktion, Entscheide fällen die gewählten Ratsmitglieder.»

Beat Kaufmann gibt am 30. November den Schlüssel des Gemeindehauses ab. Seine Nachfolgerin, Nicole Seiler aus Dottikon, übernimmt seine Aufgaben am 1. Januar. Er wird ihr nicht dreinreden, aber erreichbar sein, wenn sie irgendwelche Unterlagen nicht findet. Was kaum der Fall sein dürfte. «Ich habe für sie bereits eine Liste gemacht, die alle wesentlichen Bereiche umfasst», erklärt Kaufmann. Das passt.

Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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