Bezirksgericht Bremgarten
35 Kilogramm Marihuana im Keller: Happige Strafe für Freiämter Drogen-Rentner

Vier Jahre Haft forderte die Staatsanwaltschaft für den 55-jährigen IV-Rentner. Er soll rund 35 Kilogramm Marihuana in seinem Keller produziert haben.

Pascal Bruhin
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Der Freiämter IV-Rentner wurde vor dem Bezirksgericht Bremgarten für den Betrieb einer Indoor-Marihuanaanlage angeklagt. (Montage Symbolbild)

Der Freiämter IV-Rentner wurde vor dem Bezirksgericht Bremgarten für den Betrieb einer Indoor-Marihuanaanlage angeklagt. (Montage Symbolbild)

sl/keystone (Montage AZ)

Nachdem der Prozess am Bremgarter Bezirksgericht vergangene Woche coronabedingt nach den Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger vorzeitig beendet werden musste und sich die schriftliche Zustellung des Urteils dann «infolge des Schnees» (Zitat der Gerichtsschreiberin) verzögerte, liegt ebendieses nun vor.

Die AZ berichtete am Montag über diesen Fall: Einem 55-jährigen IV-Rentner wurde vorgeworfen, er habe in seinem Keller eine professionelle Indoor-Hanfplantage betrieben. In dieser habe er über drei Jahre hinweg, bis zu seiner Verhaftung 2016, mindestens 35 Kilogramm Marihuana im Wert von rund 175000 Franken produziert und anschliessend verkauft. Den Strom für die Anlage soll er illegal am Stromzähler vorbei angezapft haben. Zudem warf ihm Oberstaatsanwältin Carmen Laffranchi den Handel von mindestens 127,1g Kokain sowie den Besitz von Anabolika in grossen Mengen vor. Auch der Beschuldigte selbst soll Kokain und Ecstasy konsumiert haben, wie eine Haaranalyse bewies.

Drohung war wohl eine reine Schutzbehauptung

Des Weiteren soll er in der Untersuchungshaft einen Mithäftling derart bedroht haben, dass sich dieser daraufhin nicht mehr aus seiner Zelle wagte. Die Staatsanwaltschaft forderte eine unbedingte Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und eine Busse von 600 Franken.

Dass in diesem letzten Anklagepunkt der Drohung ein Freispruch folgen würde, war jedoch keine Überraschung, verstrickte sich das vermeintliche Opfer doch in der Anhörung vor Gericht mehrmals in Widersprüche oder meinte, er könne sich nicht an den Vorfall erinnern und verwies auf die Ersteinvernahme bei der Polizei. «Wenn ich das damals so gesagt habe, wird es wohl stimmen», meinte er wiederholt. Es kam die Vermutung auf, der Zeuge wollte damals mit seiner Aussage lediglich die Verlegung in ein anderes Gefängnis, die er bereits vor der angeblichen Tat beantragt hatte, beschleunigen.

«Dass Sie heute nicht in allen Anklagepunkten freigesprochen werden, ist klar», meinte Gerichtspräsident Raimond Corboz bereits zum Schluss der abgebrochenen Hauptverhandlung zum Angeklagten.

Gericht spricht Haftstrafe, Busse und Geldstrafe aus

Im Gegensatz zum Strafverteidiger, der im Besitz von Anabolika eine «Bagatelle» vermutete und deshalb ebenfalls Freispruch beantragte, sprach das Bremgarter Gesamtgericht den Angeklagten in sämtlichen weiteren Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, wobei für die Hälfte davon der bedingte Strafvollzug gewährt wird. Zusätzlich verurteilte ihn das Gericht zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 160 Franken und einer Busse von 600 Franken. Die Probezeit beträgt drei Jahre. Zudem wird der Beschuldigte verpflichtet, dem Kanton Aargau eine Ersatzforderung von 31'500 Franken zu bezahlen.

Mit diesem Urteil ist der Beschuldigte allerdings noch gut weggekommen. «Eine Gerichtsminderheit hätte dem Beschuldigten keine gute Prognose gestellt und die Strafe unbedingt ausgesprochen», schreibt die Gerichtsschreiberin. Das Urteil kann an das Obergericht weitergezogen werden.