Der Ehrenkammerer bei der Inthronisation, am Kammerball, am Umzug und als Repräsentant der Wohler Kammergesellschaft an verschiedenen Fasnachtsveranstaltungen: Werner Ifrid (70) ist immer dabei und hält alles im Bild fest. Denn seit 35 Jahren betätigt er sich als Hoffotograf des jeweiligen Ehrenkammerers.

«Auf die Skiferien verzichtet»

Wie kam der aus dem Laufental stammende Hobbyfotograf zu seinem Job bei der Kammergesellschaft Wohlen? «Ich habe Jakob Hochstrasser kennen gelernt, der 1981 Ehrenkammerer wurde. Er hat mich gefragt, ob ich während der Fasnacht für ihn fotografieren würde. Ich sagte gerne zu und fand mich fortan an jeder Fasnacht in dieser Rolle wieder. Wir haben sogar auf die Skiferien verzichtet, wenn die Fasnacht auf dasselbe Datum fiel», erinnert sich Ifrid. «Aber jetzt ist Schluss», sagt er, «das wird meine letzte Fasnacht als Hoffotograf des Ehrenkammerers. Ich habe diese Tätigkeit stets gerne ausgeführt und will aufhören, solange ich noch Freude daran habe. Die Kammergesellschaft hat jetzt ein Jahr Zeit, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden.»

In all den Jahren habe er an Fasnachtsanlässen unzählige Stunden in Begleitung der Ehrenkammerer verbracht. Dabei seien sehr viele Fotos entstanden: «Tausende Aufnahmen sind es – in den ersten Jahren noch ab Negativ als Papierbild ausgedruckt, später dann in digitaler Form.»

Analoge und digitale Kameras

Der gelernte Elektromonteur war beruflich zuletzt im Verkauf von alternativer Energietechnologie tätig und hat im Laufe der Zeit eine grosse Begeisterung für die Fotografie entwickelt. «Inzwischen habe ich zehn Kameras, darunter analoge und digitale. Ich fotografiere nicht nur während der Fasnachtszeit, sondern auch sonst, vor allem gerne in der Natur.»

Den Ehrenkammerern, die Werner Ifrid seit 1981 begleitet hat, drückte er jeweils nach der Fasnacht nicht einfach eine Schachtel ungeordneter Fotos in die Hand, sondern er gestaltete für jeden ein individuelles Fotoalbum von bleibendem Erinnerungswert.

Besonders angetan war er später von der Möglichkeit, am Computer selber prächtige Alben kreieren zu können und als Bücher herstellen zu lassen. «Eine spezielle Ausgabe habe ich nach 30 Jahren zusammengestellt, nämlich ein Buch mit rund 400 Fotos der Ehrenkammerer und deren Aktivitäten von der Fasnacht 1981 bis 2011.»

Werner Ifrid ist selber nicht Mitglied der Kammergesellschaft Wohlen, hat aber früher auch schon mit Frau und Kindern aktiv an einem Wohler Fasnachtsumzug mitgemacht. Seitdem er das närrische Treiben vor allem durch das Objektiv seines Fotoapparats betrachtet, hat er manche Episode erlebt, die ihm geblieben ist. «Zum Beispiel 1986, als Werner Donat, genannt ‹Werner der Bollhofbuur›, Ehrenkammerer geworden war. Damals ist es dermassen kalt gewesen, dass den Musikanten des Musikvereins Wohlen die Instrumente beim Einzug ins Casino eingefroren sind.» Er habe bei jedem Wetter fotografiert, «sowohl bei Schneetreiben als auch im Konfettiregen», sagt der Hoffotograf des Ehrenkammerers und fügt an: «Ich habe die Zeit als Fotograf für den Ehrenkammerer in den 35 Jahren in guter Erinnerung und stelle rückblickend fest: Früher hatte es viel mehr Leute an der Fasnacht – an den Bällen und auch an den Umzügen. Ich führe den Publikumsrückgang auf das in den letzten Jahren immens gewachsene Freizeitangebot zurück. Es gab aber einmal Zeiten, da war während des Jahres nicht viel los in den Gemeinden, sodass man jeweils die Fasnacht herbeigesehnt hat», hält Werner Ifrid fest.

An dieser letzten Fasnacht als Fotograf – «künftig bin ich nur noch als Zuschauer dabei» – hat Ifrid seinen ersten Einsatz hinter sich, nämlich die Inthronisation des neuen Ehrenkammerers Niklaus Duss. Es folgen am Freitag die offizielle Wohler Fasnachtseröffnung mit dem Strauschnitt, dann am Samstag der Besuch am Nachtumzug in Hägglingen, nächste Woche die Teilnahme am Schmutzigen Donnerstag und so weiter.

Handgefertigte Schreibgeräte

Neben dem Fotografieren hat Ifrid noch eine weitere Beschäftigung: Er stellt handgefertigte Schreibgeräte her, jedes Exemplar ein Unikat. Es handelt sich um Kugelschreiber, Tintenroller und Füllfederhalter. Er verarbeitet ausschliesslich einheimische Hölzer für die Herstellung seiner exklusiven Schreibgeräte, von denen er stets etwa 130 Stück an Lager hat. Er preist sie vor allem an kleinen Märkten an, zum Beispiel in Berikon, wo er am 27. Februar am Koffermarkt teilnimmt.

Und wenn sich Werner Ifrid nicht mit dem Fotoapparat oder seinen Schreibgeräten befasst, unternimmt er mit dem Motorrad eine gemütliche Ausfahrt über Land.