Niederwil

340'000 statt 553 Franken – so viel Entschädigung bekommt Ehepaar für Stromleitungen

Auch im Falle des Ehepaars ist die Stromleitung sehr nahe am Wohnhaus. Im Bild: Strommasten in Niederwil.

Auch im Falle des Ehepaars ist die Stromleitung sehr nahe am Wohnhaus. Im Bild: Strommasten in Niederwil.

Ein Hauseigentümer in Niederwil erhält als Entschädigung für eine Hochspannungsleitung gemäss Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts 340'000 Franken. Die Entschädigung sollte zunächst nur 553 Franken betragen.

Es ist eine klassische Geschichte von David gegen Goliath: Ein Ehepaar aus Niederwil wehrt sich jahrelang durch mehrere Gerichtsinstanzen gegen die nationale Stromnetzbetreiberin Swissgrid – und gewinnt am Ende.

In einem Urteil, das am Dienstag veröffentlicht wurde, spricht das Bundesverwaltungsgericht dem Paar eine Entschädigung von 340'000 Franken zu. Grund: Über das Grundstück führt eine Starkstromleitung, die zu einer Wertminderung der Liegenschaft führt.

Das ist in Niederwil bei weitem nicht nur beim Haus des betroffenen Ehepaars der Fall, wie das Bild rechts zeigt. Ursprünglich klagten denn auch sechs Eigentümer auf Entschädigung durch Swissgrid, im Verlauf des langen Rechtsverfahrens zogen sich jedoch fünf von ihnen zurück. Bei der Liegenschaft des Ehepaars führt die Stromleitung über den Garten und reicht bis auf fünf Meter ans Haus heran.

Das Ehepaar hatte die Parzelle im Jahr 1989 erworben, der frühere Besitzer hatte eine Entschädigung wegen der 1953 erstellten Hochspannungs- Freileitung von Niederwil nach Obfelden erhalten. Die sogenannten Überleitungsrechte für das betreffende Grundstück am Dorfrand waren bis 2001 befristet. Dass den neuen Besitzern ebenfalls Geld zusteht, hat folgenden Grund: Mit dem Ablauf des Überleitungsrechts hätte das Paar fordern können, die Stromleitung über seinem Grundstück zu beseitigen.

Entschädigung hätte zuerst nur 553 Franken betragen sollen

Swissgrid will sich für den vorgesehenen Ausbau der Stromleitung (siehe dazu Artikel rechts) das Überleitungsrecht rückwirkend ab 2001 bis 2030 neu erkaufen. Die zuständige Eidgenössische Schätzungskommission sah für diese neuen Überleitungsrechte eine Entschädigung von 2800 Franken als angemessen an.

Das Ehepaar war damit allerdings nicht einverstanden und gelangte an das Bundesverwaltungsgericht. Dieses wies jedoch im Sommer 2017 die Beschwerde ab und legte die Entschädigung auf nur 553 Franken fest. Das Ehepaar focht diesen Entscheid beim Bundesgericht an, dieses hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und wies den Fall zur Neubeurteilung zurück.

Die Schätzungskommission legte die Entschädigung danach auf 12'826 Franken fest. Dagegen legte das Ehepaar, das aufgrund privater Gutachten eine Entschädigung von 340'000 Franken verlangt hatte, erneut Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein.

Damit waren sie erfolgreich, das Gericht kam zum Schluss, dass sich der mögliche Verkaufswert der Liegenschaft wegen der Stromleitung vermindert. Dies gelte auch dann, wenn die Immissionen objektiv nicht messbar seien, heisst es im Urteil. Netzbetreiberin Swissgrid stellte sich hingegen auf den Standpunkt, dass die Stromleitung in unmittelbarer Nähe zu keiner Wertminderung der Liegenschaft führe. Ein psychologischer Minderwert müsse nicht berücksichtigt werden, argumentierte das Unternehmen.

Meistgesehen

Artboard 1