Wenn Sandra Strebel ihre Medaillen aus dem Schrank holt, beginnen ihre Augen zu strahlen. Die dreizehn Auszeichnungen erinnern die Weltmeisterin nicht nur an ihre Siege und wunderschönen Erlebnisse, sie sind auch Genugtuung für die lange Zeit, in der es ihr schlecht ging. Sandra Strebel hat eine transplantierte Niere. Obwohl das Organ von ihrem Vater stammt, nimmt es ihr Organismus als Fremdkörper wahr. Deshalb muss die 33-Jährige jede Menge Medikamente einnehmen. «Drei Jahre dauerte es, bis die Ärzte die richtige Dosierung fanden», erzählt Strebel. In dieser Zeit hatte sie einen grossen Leidensdruck und noch heute wird sie von Begleiterscheinungen wie Müdigkeit und Bluthochdruck geplagt. Trotzdem schaffte sie den Sprung zurück ins Leben – und zwar mit Sport. «Als ich wieder angefangen habe, Volleyball zu spielen, ging es nur noch bergauf.» Inzwischen nimmt sie regelmässig an Meisterschaften für organtransplantierte und dialysepflichtige Menschen teil.

Fünf Medaillen hat die Bünzerin von den neunten Winter World Transplant Games vom 12. bis 15. Januar in Frankreich nach Hause gebracht. In fünf verschiedenen Disziplinen ging sie an den Start und schaffte jedes Mal den Sprung aufs Podest. Im Slalom erreichte sie sogar ihren ersten Weltmeistertitel.

Die Medaillen sind zwar eine wunderschöne Bestätigung, für sie steht aber das Erlebnis im Vordergrund: «Die Spiele sind genau meine Welt. Die Teilnehmer sind alles Gleichgesinnte, die mein Schicksal verstehen.» Sie müsse zum Beispiel niemandem erklären, wieso sie sich aufgrund von Müdigkeit gelegentlich zurückziehen möchte. Natürlich birgt die Teilnahme an den Spielen auch ein gewisses Risiko. Sandra Strebel erzählt: «Wenn ich von zu Hause abreise, ist mein Ziel, gesund zurückzukommen und eine schöne Woche zu erleben.» Wenn sie dann aber im Sporthaus sitze, packe sie der Ehrgeiz. «Dann bin ich Sportlerin», sagt sie und lacht. Die mentale Einstellung und ihr starker Durchhaltewille verhalfen ihr vorletzte Woche zur Goldmedaille. Ihr ist jedoch bewusst, dass Sport ihre Gesundheit ruinieren kann. Deshalb lautet Strebels Devise: «Ich gebe Vollgas – aber dosiert.»

Als Vorbereitung auf die Meisterschaft in Frankreich war sie «ein bisschen Skifahren», wie sie lachend zugibt. Mehr als zweimal pro Woche Sport zu treiben, liegt für Sandra Strebel nicht drin. Ihr ist dennoch wichtig, dass sie als Sportlerin ernst genommen wird. «Die Teilnehmer an den Meisterschaften leisten unglaublich viel», betont die Bünzerin. Und so werden sie auch behandelt: Professionalität sei selbstverständlich. «Ich habe mich gefühlt als würde ich nach Sotschi gehen.»

Ihr nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft im Sommer. In Argentinien wird sie in Badminton und verschiedenen Leichtathletik-Disziplinen an den Start gehen. Ein ganz schön weiter Weg. «Für mich bietet der Sport gleichzeitig eine Möglichkeit, die Welt zu bereisen.» War sie vor ein paar Jahren kurz nach der Transplantation noch ängstlich und unsicher, ist davon heute nichts mehr zu merken. «Rückblickend sehe ich die Transplantation nur noch positiv», verrät die selbstsichere junge Frau. «Es hat sich richtig gelohnt durchzubeissen.»

Sie lächelt verschmitzt. Man merkt, die junge Sportlerin ist eine Optimistin. «Vor fünf Jahren hätte ich nicht einmal meine eigenen Skischuhe anziehen können.» Sie lacht: «Jetzt bin ich infiziert mit dem Virus der Meisterschaften und werde ihn nicht mehr los.»