Sarmenstorf
300 Kilo kontrollierte Pilze – 2012 ist ein Rekordjahr

Pilzler können sich kaum halten, denn so reichhaltig ist die Pilzsaison. Darunter findet man auch rare Sorten. Pilzvereinspräsident Werner Hegi und Kontrolleur Max Döbeli fanden sogar einen Albino-Steinpilz.

Andrea Weibel
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Pilzvereinspräsident Werner Hegi (links) und Kontrolleur Max Döbeli haben ein Rekordjahr hinter sich.

Pilzvereinspräsident Werner Hegi (links) und Kontrolleur Max Döbeli haben ein Rekordjahr hinter sich.

aw

«Dieses Jahr kann kein Pilzler unzufrieden sein», freut sich Max Döbeli. Der Sarmenstorfer Pilzkontrolleur spricht von einem Rekordjahr: «In normalen Jahren kontrolliere ich rund 100 Kilo Pilze. Dieses Jahr hatte ich 300 Kilo zu kontrollieren, über
50 Kilo davon waren ungeniessbar bis giftig», berichtet er. Dabei sei er nur einer von zwei Pilzkontrolleuren, die für das Seetal von Meisterschwanden bis Hallwyl und somit auch für Sarmenstorf zuständig sind. Und auch Werner Hegi, Präsident des Pilzvereins Seetal, ist begeistert: «Es hat anscheinend alles gestimmt, denn so viele Pilze wie in diesem Jahr haben auch wir noch nie gefunden.»

Perfektes Pilzwetter

«Pilze haben gern feucht und relativ warm, am besten zwischen 10 und 20 Grad», wissen die beiden Experten. Dieses Wetter hat wohl den Ausschlag gegeben, dass bereits im Juni Steinpilze gefunden wurden. «Die kommen normalerweise erst im Juli oder August», so Döbeli. Mitte August bis Mitte September sei es den Pilzen dann etwas zu trocken und zu heiss geworden, «aber mit dem herbstlichen Regenwetter begannen sie zu schiessen wie Sand am Meer», lacht Hegi. Eierschwämme, Totentrompeten, Bovisten, Nebelkappen, Maronenröhrlinge und unzählige andere Arten fand man in den letzten Monaten in Hülle und Fülle in den Wäldern. «Sogar Leute, die sich überhaupt nicht auskannten, brachten mir Steinpilze zur Kontrolle», erinnert sich Döbeli.

Tödlich giftig

Dafür brachten die Pilzsucher auch viele sehr giftige Pilze zur Kontrolle. «Den grünen Knollenblätterpilz sowie spitzkegelige oder rotfuchsige Rauköpfe waren darunter, alle drei Arten sind tödlich», sagt Döbeli. «Wenn solche Pilze im Korb liegen, werfe ich jeweils den ganzen Korbinhalt weg.» Grund dafür: «Beim Knollenblätterpilz sind sieben Gramm bereits tödlich. Die Gefahr, dass ein Stückchen davon an einem anderen Pilz haften bleibt, ist viel zu gross.» Auch der extrem giftige aber nicht tödliche Pantherpilz war unter jenen, die er konfiszieren musste. Döbeli wirft die giftigen oder ungeniessbaren Pilze zurück in den Wald oder allenfalls auf den Kompost.

479 Pilzarten ausgestellt

Aber auch die Experten selber hatten dieses Jahr unglaubliches Glück: «Wir waren in Österreich und fanden einen Albino-Steinpilz. Der war von der Kappe bis zum Fuss schneeweiss», erzählt Döbeli begeistert. Und auch für die jährliche Pilzausstellung, die jeweils Mitte Oktober in Fahrwangen durchgeführt wird, fanden die Pilzler so viele Pilze wie noch nie: «Wir konnten 479 Arten ausstellen, die wir alle selber in der ganzen Schweiz gefunden haben, und hatten auch noch einen Besucherrekord. Es hätte nicht besser laufen können», so Hegi.

Ganz speziell war: «Bei einem Pilz wissen wir bis heute nicht, was das für einer war, obwohl wir mit vielen anderen Fachleuten geredet haben.» Zudem konnten sie an der Ausstellung zwei Riesenbovisten zeigen, die zusammen 1,5 Kilo wogen. «Das waren aber nicht die grössten. Vor einigen Jahren hatten wir einen Riesenbovist, der so gross war, dass er nicht einmal in eine Bananenkiste passte», erinnert sich der Vereinspräsident.