Es ist permanent zu laut in den Stuben und Schlafzimmern in Villmergen – der Strassenverkehr nimmt ständig zu und mit ihm der resultierende Lärm. Nun muss der Kanton handeln.

Er hat entlang aller Kantonsstrassen auf dem Villmerger Gemeindegebiet an den exponiertesten Fenstern jedes Hauses Messungen durchgeführt. Diejenigen, die einen Immissionsgrenzwert von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel nachts überschreiten, müssen lärmsaniert werden.

Akustisch ungünstiger Belag

Dies soll einerseits durch lärmreduzierende Massnahmen, andererseits durch Schallschutzmassnahmen an den Gebäuden vorgenommen werden. Erstere wurden teilweise bereits ausgeführt: Durch Geschwindigkeitsreduktionen konnte der Lärm um ein Dezibel verringert werden.

Geplant ist ausserdem der Ersatz von akustisch ungünstigem zu lärmabsorbierendem Bodenbelag. Wo beides zu wenig nützt oder nicht durchführbar ist, muss an den Gebäuden selbst ein Lärmschutz eingebaut werden.

So liegt bei der Gemeinde Villmergen noch bis zum 11. November eine Liste von 168 Liegenschaften und Parzellen auf, für die der Kanton sogenannte Erleichterungsanträge stellt. «Es sollen vor allem Schallschutzfenster eingebaut werden», so Bauverwalter Reto Studer.

«Bei Schlafzimmern wird zusätzlich eine Schalldämmlüftung empfohlen, die die Raumlüftung trotz geschlossener Fenster ermöglicht.» Falls die Eigentümer bereits entsprechende Lärmschutzmassnahmen ergriffen haben, sollen diese rückerstattet werden. Dies wird in 42 Liegenschaften beantragt.

Drei Lärmschutzwände

An acht Orten auf dem Gemeindegebiet wurde zusätzlich der Bau von Lärmschutzwänden geprüft. Fünf dieser Projekte wurden wieder verworfen. Drei liegen jetzt ebenfalls bei der Gemeinde zur Einsicht auf. Eines betrifft die Unterdorfstrasse 42–46. Dort sollen drei Wandabschnitte mit einer Gesamtlänge von 105 Metern und einer Höhe von 2,5 Metern erstellt werden.

In den Bereichen der heutigen Fusswege werden entsprechende Eingangsnischen mit Fenstern aus Verbundsicherheitsglas dazu beitragen, dass der jetzige Wegverlauf nicht behindert wird und dennoch die Sicherheit gewährleistet bleibt. Dieser Abschnitt wird mit 499 000 Franken budgetiert.

Die zweite Lärmschutzwand soll künftig auf einer Länge von 124 Metern das Seniorenzentrum Obere Mühle an der Hilfikerstrasse vor dem Strassenlärm schützen. Sie wird auf 508 000 Franken veranschlagt. Und die dritte Wand soll an der Bahnhofstrasse im Ballygebiet zwei Mehrfamilienhäuser auf einer Länge von zweimal 56 Metern schallsanieren. Sie soll 525 000 Franken kosten.

Holz und einheimische Bäume

Alle drei Lärmschutzwände sollen den Wohncharakter nicht stören und sich möglichst unauffällig ins Ortsbild einfügen. So sind schallabsorbierende Holzwandelemente aus einheimischen Weisstannen geplant. Dazu sollen an allen drei Standorten möglichst viele der bestehenden Bäume erhalten bleiben und durch passende neue Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen ergänzt werden – ebenfalls einheimische Sorten, versteht sich.

Läuft alles gut, soll Anfang 2015 mit dem Bau der verschiedenen Lärmschutzmassnahmen begonnen werden können.

Infoveranstaltung zum Lärmsanierungsprojekt des Kantons: 23. Oktober, 19 Uhr, Kommissionszimmer Gemeindehaus Villmergen, 2. Stock.