Wohlen

202 Wohnungen in 20 Mehrfamilienhäusern – der Rebberg soll zum «Village» werden

Was kündigen die unzähligen Baugespanne am Rebberg an? 202 Wohnungen in 20 Mehrfamilienhäusern sind auf dem Areal geplant – die Pläne auf der Bauverwaltung sind begehrt. Seit dem 4. Februar sind sie der Öffentlichkeit zugängig.

Seit Montag können die Pläne der Rebberg Village AG auf der Bauverwaltung angeschaut werden. Doch wer sie sehen will, muss hinten anstehen beziehungsweise das Sitzungszimmer der Bauverwaltung mit anderen Interessierten teilen. Sie alle wollen dasselbe wissen: Was kündigen die unzähligen Baugespanne am Rebberg an? Was ist auf der grössten noch unbebauten, zusammenhängenden Fläche in der Wohnzone W2 an bester Wohler Lage geplant? Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass hier ein Einfamilienhausquartier entstehen soll, doch aufgrund des 2012 vom Volk angenommenen euen Raumplanungsgesetzes ist dieser schöne Traum definitiv ausgeträumt. Statt Einfamilienhäusern sollen es Mehrfamilienhäuser werden, und zwar gleich 20 davon.

Die drei Parzellen, auf denen das Projekt «MFH Wagenrainstrasse» entstehen soll, befinden sich in der Wohnzone W2 und weisen eine Gesamtfläche von 27 000 m2 auf. Die Zahl, die derzeit in aller Munde ist, ist 202. So viele Wohneinheiten sollen in den drei- bis vierstöckigen Gebäuden gesamthaft untergebracht werden. Es sollen alles Mietwohnungen werden, und zwar zwischen 1½- und 4½-Zimmer-Grösse. Dabei befindet sich jeweils das unterste Stockwerk, in dem Wohnungen untergebracht sind, zum Grossteil unter Bodenniveau. Darüber sind ein bis zwei Geschosse plus ein nach hinten versetztes Attikageschoss geplant. 

Kleines Dorf für 59,4 Mio. Franken

Wie in einem externen Fachbericht der Planar AG für Raumentwicklung zu lesen ist, ergibt sich aus Hochrechnungen der verschiedenen Wohnungsgrössen eine Gesamtzahl von etwa 356 Personen, die in der Überbauung zu wohnen kommen sollen. In dieses neue kleine Dorf im Dorf, das neben den 202 Wohnungen auch fünf Tiefgaragen umfassen soll, will die Rebberg Village AG 59,4 Mio. Franken investieren. Die Firma aus Engelberg ist sowohl Bauherrin als auch die Besitzerin der drei Parzellen.

Keine Informationen

Für Fragen zum geplanten Projekt nimmt sich Josef C. Friedman, Mitglied des Verwaltungsrats der Rebberg Village AG, selbstverständlich Zeit. Antworten hat er jedoch keine. Zu viele Planer und Experten seien in das Grossprojekt involviert, als dass er mit Details vertraut wäre. Er verweist auf die Projektverfasser der HDPF AG Architekten aus Zürich. Doch hier heisst es auf Anfrage: «Wir haben die Weisung, keinerlei Informationen über das Projekt herauszugeben.» Das kann selbst Friedman nicht ändern, da er nicht alleine darüber entscheide, wie er sagt. Die Details und Visualisierungen solle man doch den Plänen entnehmen. Im Detail informieren werde man, sobald die Baubewilligung erteilt sei.

Wer jedoch Auskunft gibt, so viel er kann, ist Marc Meier, Leiter Baugesuche der Gemeinde Wohlen. Bei den Interessierten im Sitzungszimmer der Abteilung Planung, Bau und Umwelt kommt beispielsweise Unmut auf, weil in der Wohnzone W2 nur zweigeschossige Bauten, aber sicher keine viergeschossigen stehen dürfen. Meier erklärt: «Das war früher so. Unterdessen haben wir in Wohlen aber keine Geschossigkeit mehr, sondern rechnen mit den Gebäudehöhen gemäss der Bau- und Nutzungsordnung.» Diese betrage in dieser Zone am Hang 7,5 Meter, auf der Fläche 7 Meter. Das Attikageschoss sei dabei nicht eingerechnet, präzisiert er.

Ortsbildschutz ist wichtig

Das Bauprojekt ist im Kontakt mit der Abteilung Planung, Bau und Umwelt der Gemeinde Wohlen erarbeitet worden. Der dazu eingesetzten Arbeitsgruppe gehörten unter anderem der Gemeindeammann, der Ortsplaner, ein Vertreter der Denkmalpflege sowie mehrere Experten an. Ihnen war es wichtig, dass beispielsweise dem unter Schutz stehenden Häuserensemble beim «südlichen Auftakt der Siedlung», also gegen die Steingasse zu, besonderes Interesse geschenkt wird. «Sie bildet ortsbaulich eine Torsituation aus», heisst es im Fachbericht. So soll die dort zugehörige Scheune in Absprache mit der Gemeinde als Gemeinschaftsraum für die Bewohner der Siedlung ausgebaut werden. Ausserdem muss der Gösliker Kirchenweg an der Nordwestgrenze des Areals im Projekt enthalten bleiben, da er «für den Charakter des Ortes ebenfalls prägend ist».

Sehr viele Leute pro Hektare

Des Weiteren attestiert der Fachbericht den Planern, sie würden die vorgegebene Topografie, also das Nutzungspotenzial, respektieren. Es wird beurteilt, dass die innere Bebauungsstruktur der Anlage gut nachvollziehbar sei. Einzelne Stellen liessen jedoch wenig Spielraum für eine ortsbauliche Reaktion. Die errechneten 356 Personen, die in der Überbauung wohnen sollen, ergeben einen Durchschnitt von 132 Personen pro Hektare. Der kantonale Richtplan sieht vor, dass es in der Zone W2 mindestens 90 Personen pro Hektare sein sollen. «Die Forderung nach einer haushälterischen Nutzung des Bodens ist mit der erzielten Ausnützung und der erreichten Personendichte erfüllt», so die externen Gutachter. Sie fügen jedoch hinzu: «Der Wert von 132 Einwohnern/ha ist allerdings für eine Zone W2 sehr hoch.»

Leitmotiv: Baum- bzw. Obstgarten

Landwirtschaftlich eingebunden soll die Überbauung durch ihr Leitmotiv eines Baum- bzw. Obstgartens werden. Dies gelinge trotz der geplanten Bepflanzung mit Bäumen aber lediglich aus der Ferne, heisst es im Fachbericht. Darüber hinaus seien die erforderlichen Mindestflächen an Spiel-, Freizeit-. Erholungs- und Gartenanlagen zwar eingehalten. Ihre dezentrale Anordnung «verspricht aber wenig an gemeinschaftlich erlebbarer Aufenthaltsqualität».

Das Fazit der externen Gutachter: «Insgesamt ist durch die geplante Bebauung ein deutlicher Mehrnutzen gegenüber einer unkoordinierten Einzelbebauung zu erwarten. Die vorgeschlagene bauliche Verdichtung ist raumplanerisch sinnvoll.» Dass keinerlei oberirdische Parkplätze geplant sind, finden die Experten positiv. Negativpunkte sind in der Schlussbetrachtung der Planar AG nicht enthalten.

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