Reusstal

200 Ornithologen horchen auf Vogelstimmen

Ornithologe Alois Huber: «Man muss seine Ohren spitzen.»

Ornithologe Alois Huber: «Man muss seine Ohren spitzen.»

Gegen 200 Hobby-Ornithologen werden auch im Reusstal in den nächsten vier Jahren für die Wissenschaft unterwegs sein. Ornithologe Alois Huber arbeitet als Freiwilliger am neuen Brutvogelatlas der Schweiz mit und zählt die Vögel.

Die Ornithologen erheben für den neuen Schweizerischen Brutvogelatlas den Bestand an Brutvögeln. «Eine spannende Arbeit», erklärt Alois Huber (64) in Sins, der im obersten Teil des Reusstales im Einsatz stehen wird. «Zum Glück bin ich pensioniert. Deshalb kann ich mich dieser Aufgabe zu jeder Zeit widmen», sagt er.

Zivilisation schadet Brutvögeln

Die Brutvögel werden in der Schweiz seit vierzig Jahren systematisch erfasst. Mit dem neuen Brutvogelatlas, der 2016 erscheinen soll, wird es möglich sein, die Bestandesentwicklung über einen langen Zeitraum aufzuzeichnen.

Mit eigenen Augen hat Alois Huber in den letzten 25 Jahren mitverfolgt, dass die Brutvögel auch in seiner Umgebung unter der sich ausbreitenden Zivilisation und der Intensivlandwirtschaft verdrängt werden. So ist der Baumpieper, dem man früher hierzulande noch begegnen konnte, aus dem Reusstal verschwunden. Das gleiche Schicksal erlitt der Kiebitz. Häufig kommt hingegen zum Beispiel noch der Rote Milan vor. Gegenwärtig sind im Reusstal noch etwa 200 Brutvogelarten heimisch.

Huber entdeckte die Vogelwelt als Schulbub für sich – in einem Silva-Buch, das er geschenkt erhalten hatte. Als Mitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Oberfreiamt und der Ornithologischen Arbeitsgruppe der Stiftung Reusstal weiss er, worauf es bei der Vogelzählung ankommt: «Am besten kann man die Vogelstimmen registrieren, wenn es still ist.»

Stille wird selten

Das ist auch im Oberfreiamt längst nicht mehr immer der Fall. «Der Eisenbahn- und Strassenlärm ist manchmal so gross, dass es mir unmöglich ist, die Vogelstimmen auseinanderzuhalten. Deshalb bleibt mir nur ein Ausweg: Ich bin früh am Morgen oder an einem Sonntag unterwegs, solange die Menschen noch ausschlafen.» Bei der Vogelzählung sollte es ausserdem windstill sein, denn auch ein heftiges Windgeräusch übertöne den Gesang der Vögel. Auf ein feines Gehör sind Huber und seine Kollegen deshalb angewiesen. «Das Goldhähnchen singt so leise, dass man seine Ohren wirklich gut spitzen muss.»

Auf das Gehör könne man sich aber nicht immer verlassen, sagt Huber. «So kann der Star verschiedene andere Vogelstimmen täuschend ähnlich nachahmen. Dann muss man sich anhand des Lebensraums vergewissern, welchen Vogel man nun wirklich gehört hat. Das braucht eine grosse Erfahrung.» Zur Beobachtung führt Huber auch immer sein Fernrohr mit. «Manchmal ist ein Vogel zu weit entfernt oder versteckt sich so gut, dass man ihn mit blossem Auge nicht zielsicher bestimmen kann. Dann zücke ich das Fernrohr.»

Die Hobby-Ornithologen unter den Vogelzählern sind ehrenamtlich auf der Piste. Ohne die freiwilligen Helfer wäre die Arbeit am Brutvogelatlas nicht zu bewältigen und zu finanzieren. Das Budget für den Atlas beträgt drei Millionen Franken. Laut Peter Knaus, Projektleiter der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, sind in den nächsten vier Jahren im ganzen Land 1500 Mitarbeiter unterwegs, die bis zu 100 000 Stunden im Feld verbringen und dabei Zehntausende von Kilometern zu Fuss zurücklegen werden. Die Mitarbeiter werden sorgfältig auf ihre Einsätze vorbereitet. Denn die Vogelwarte ist auf gesicherte und seriös erhobene Daten angewiesen. Im Aargau werden die Zähler am Samstag, 23. Februar, zu einem halbtägigen Instruktionskurs ins Naturama in Aarau eingeladen. Die Hauptarbeit werden sie jeweils von April bis Mitte Juni leisten.

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